Grüntöne-Interview mit Paul Fink von Fink Genuss & Freude
Neustart im Ortszentrum: „Wir gehen zum Fink einkaufen!“
Nach der Schließung des Unimarkts brennt den Oberhofenerinnen und Oberhofenern eine Frage auf der Seele: Wie geht es mit der Nahversorgung weiter? Paul Fink wagt den Schritt und eröffnet das Geschäft neu. Im Gespräch erzählt er, was die Kunden erwartet.
Reinhard: Paul, du lebst in Zell am Moos und übernimmst jetzt den Laden in Oberhofen. Wie kam es dazu?
Paul Fink: Ich wollte mich beruflich verändern und wieder mehr mit Menschen zu tun haben. Ursprünglich war die Idee ein reiner Feinkostladen unter dem Namen „Genuss & Freude“. Über die Trenauer Mühle bin ich auf die freie Unimarkt-Filiale gestoßen. Ein Nahversorger ist für einen Ort extrem wichtig – also habe ich mich rasch entschieden, das Projekt anzupacken.
Reinhard: Was verändert sich im Laden? Welches Konzept erwartet uns?
Paul Fink: Wir verbinden Nahversorgung mit Gemütlichkeit. Gleich beim Eingang entsteht eine Kaffee-Ecke mit Stehtisch und Sitzplätzen – auch auf der Terrasse. Neben einer eigenen Produktlinie für hochwertige Gewürze, Nüsse und Tees bieten wir ein starkes regionales Sortiment an.
Reinhard: Welche regionalen Betriebe sind mit an Bord?
Paul Fink: Wir beziehen Schnaps von August Reichel, Wein vom Römerhof, Ziegenkäse vom Ebenater, Eier in Freilandqualität vom Glüxsegg und Leberkäse für das Jausengeschäft von der Fleischerei Langwallner. Für das Basis- und Alltagssortiment arbeiten wir mit dem Großhändler von Nah&Frisch zusammen, um gewohnte Produkte wie die „Jeden Tag“-Linie zu fairen Preisen anzubieten.
Reinhard: Ein Dorfladen ist ja auch immer ein Treffpunkt. Wie flexibel bist du bei Kundenwünschen?
Paul Fink: Sehr flexibel! Wir haben jetzt sozusagen den Reisebus renoviert – wohin die Reise geht, entscheiden die Leute im Ort. Wenn jemand bestimmte Produkte vermisst, einfach ansprechen. Neben Lebensmitteln führen wir auch Haushaltswaren, Schreibwaren für den Schulanfang sowie Lotto und Tabak.
Reinhard: Wie sehen die Öffnungszeiten und der Eröffnungstag aus?
Paul Fink: Wir starten mit sehr ambitionierten Zeiten: Montag bis Freitag durchgehend von 6:30 bis 18:30 Uhr, Samstag 8 bis 13 Uhr, ohne Mittagspause. Zum Eröffnungstag gibt es Leberkäsemmeln und Coffee to go für jeweils 1 Euro, damit die Leute einfach vorbeikommen und reinschauen.
Reinhard: Was müsste passieren, damit du in einem Jahr von einem vollen Erfolg sprichst?
Paul Fink: Mein persönliches Ziel ist, dass die Leute im Ort ganz selbstverständlich sagen: „Wir gehen zum Fink einkaufen!“ Wenn wir das schaffen, bin ich happy.
Zur Person & Geschäft
- Inhaber: Paul Fink (Genuss & Freude)
- Standort: Ehem. Unimarkt, Oberhofen am Irrsee
- Öffnungszeiten: Mo–Fr, 6:30 – 18:30 Uhr (durchgehend), Samstag 8 – 13 Uhr
- Highlight: Regionale Schmankerl, Kaffee-Ecke & durchgehende Jause
Reinhard:
Heute habe ich einen besonderen Gast – beziehungsweise eigentlich bin ich zu Gast beim ehemaligen Unimarkt in Oberhofen, und zwar beim Paul Fink. Herzlich willkommen,
Paul! Grüß dich und danke schön.
Reinhard:
Ich muss vorausschicken: Es war gar nicht meine eigene Idee, sondern der Vorschlag eines Stammhörers – des Florians. Er meinte: „Es fragen extrem viele Leute, alle wollen wissen, was da jetzt kommt und wie es sein wird. Mach doch ein Gespräch mit ihm!“ Da habe ich mir ein Herz gefasst und dich gefragt, und du warst sofort dabei. Danke für deine Bereitschaft!
Paul Fink:
Sehr gerne.
Reinhard:
Was mir im Vorfeld aufgefallen ist: Viele kennen dich noch gar nicht. Sogar Leute aus Zell am Moos haben mich gefragt, wer du bist. Fangen wir vielleicht kurz bei deiner Person an: Wohnst du in Zell am Moos?
Paul Fink:
Ich bin nicht in Zell am Moos geboren, aber ich wohne jetzt dort. Ich bin der Liebe wegen hergezogen – ein herzliches Dankeschön an meine Frau, dass sie mich hergeholt hat! Es ist ja wirklich wunderschön bei uns.
Reinhard:
Danke! Man sieht sie jetzt zwar nicht im Bild, aber sie steht dahinter und passt auf, dass wir keinen Blödsinn erzählen (schmunzelt). Du wohnst also in Zell am Moos… Wie geht es dir persönlich so kurz vor der Eröffnung? Wenn man Termine ausmacht, merkt man ja schon, dass das gar nicht so einfach ist. Überwiegt die Hektik oder schon die Vorfreude?
Paul Fink:
Es ist hektische Vorfreude, würde ich sagen (lacht). Das Problem aktuell ist einfach, dass sehr viele Termine anstehen und man extrem flexibel sein muss. Das ist vielleicht auch mein erstes Learning: Sperre nie ein Geschäft im August auf! Da sind die meisten Leute im Urlaub. Das macht die ganze Organisation mit Lieferanten und Servicepartnern etwas schwieriger. Man muss am Anfang von der Kühlung bis zu den Schneidemaschinen alles warten lassen und schauen, dass es wieder gut in Schuss ist. Das erfordert einiges an organisatorischem Aufwand und Flexibilität.
Reinhard:
Du hast gesagt, du bist der Liebe wegen hergezogen. Aber wie kam es zum Nahversorger? Ist die Idee dazu von dir gekommen, oder was hat dich dazu motiviert, das anzupacken? Das Projekt ist ja sicher kein einfaches.
Paul Fink:
Ja, das war eine sehr spannende Reise. Ich hatte bis Anfang dieses Jahres einen wirklich sehr guten und schönen Job. Dann habe ich aber festgestellt, dass ich wieder mehr direkt mit Menschen zu tun haben möchte. Ich habe mir durch die Kündigung etwas Freiheit verschafft (lacht). Meine ursprüngliche Idee war es eigentlich, einen Feinkostladen aufzumachen – daher kommt auch der Name „Genuss & Freude“. Im Zuge der Recherche bin ich dann auf die ehemalige Unimarkt-Filiale gestoßen. Ein herzlicher Dank geht da an die Trainerauer Mühle, die mich darauf hingewiesen hat. Ich habe die Idee etwas reifen lassen. Für mich war es dann recht schnell ein klarer Entschluss, das zu machen. Ein Nahversorger ist für jeden Ort extrem wichtig, und es sollte im Prinzip für jeden etwas dabei sein. Ein reiner Feinkostladen ist doch eher exklusiv – so wie es jetzt wird, finde ich es deutlich besser.
Reinhard:
Verstehe. Für einen reinen Feinkostladen müsste man wohl eher in eine Stadt gehen, wo mehr Leute wohnen.
Paul Fink:
Genau, das hätte es wohl schwieriger gemacht. Jetzt bin ich sehr happy, hier in der Nähe etwas gefunden zu haben, wo man eine gute Zukunft aufbauen kann.
Reinhard:
Super! Wir haben spontan noch etwas Positives eingebaut – einen Anreiz, damit die Hörer bis zum Ende dranbleiben: Paul war so nett und hat gesagt, dass wir am Ende etwas verlosen dürfen! Aber was das ist, verraten wir erst später (lacht).
Kommen wir zum Konzept und Sortiment: Genuss & Freude kommt ja aus dem Spezialitätenbereich. Ist das jetzt auch Programm im Laden?
Paul Fink:
Ja, es wird unter dem Namen „Genuss & Freude“ auch eine Eigenmarke geben. Wir spezialisieren uns auf hochwertige Gewürze, Nüsse und Tees. Wir haben oft das Gefühl, dass das in normalen Supermärkten vernachlässigt wird – da gibt es meistens vier Standardgewürze von acht verschiedenen Marken. Wir möchten zusammen mit einem guten Partner hochwertige Gewürze in einer größeren Auswahl anbieten: ein tieferes und breiteres Sortiment mit echt sauberen Sachen.
Reinhard:
Schaffen wir ein bisschen Kopfkino für die Hörer: Was sieht man, wenn man den Laden betritt? Wie gliedert er sich?
Paul Fink:
Beim Eingang rechts entsteht eine neue Kaffee-Ecke mit einer guten Kaffeemaschine. Links gibt es einen kleinen Stehtisch, wo man genüsslich seine Mittagsjause essen oder einen Kaffee trinken kann. Im Innenbereich wird es für den Anfang einen Tisch zum Sitzen geben, und draußen auf der Terrasse stellen wir drei bis vier Tische auf. So kann man gemütlich einen Kaffee trinken, einen Kuchen essen oder auch ein Achterl bzw. einen Spritzer vom Römerhof genießen.
Reinhard:
Sehr gut! Zum Thema Kaffee gab es im Vorfeld viele Rückmeldungen – die allermeisten finden das super. Wirtshäuser haben wir im Ort ja reichlich, aber ein Kaffeehaus hat definitiv gefehlt. Du hast vorhin schon die Trainerauer Mühle erwähnt. Wie sieht es generell mit Herkunft, Regionalität und Nachhaltigkeit bei deinen Lieferanten aus?
Paul Fink:
Grundsätzlich gilt für mich: Je regionaler, desto lieber! Das Lustige ist ja: Meistens ist es teurer, regional einzukaufen, als Ware von weit weg zu beziehen, was ich persönlich sehr schade finde. Dennoch werden wir ein sehr starkes regionales Sortiment anbieten. Ich war erst gestern beim August Reichel, dem Schnapsbrenner – da kommen wir Gott sei Dank zusammen. Den Wein beziehen wir vom Römerhof, Ziegenkäse kommt vom Ebenat, und Eier bekommen wir vom Glückseck. Gerade bei Eiern ist mir eine regionale Freilandqualität extrem wichtig.
Reinhard:
Im Vorfeld gab es ja viele Gerüchte. Es hieß etwa, es würde ein „Nah&Frisch“. Du hast mir schon verraten, dass das so nicht stimmt, du aber trotzdem einen großen Partner im Hintergrund hast.
Paul Fink:
Genau. Ein „Nah&Frisch“ wird es nicht – sonst würde es draußen stehen (lacht). Aber es gibt eine Partnerschaft mit dem Nah&Frisch-Großhändler. Nur so können wir das Alltagssortiment abbilden. Gerade die „Jeden Tag“-Produkte, die viele noch aus dem Unimarkt kennen, sind vom Preis-Leistungs-Verhältnis her wirklich top. So eine Partnerschaft braucht man einfach, um wirklich für jeden Geldbeutel etwas anbieten zu können. Alleine schaffst du das nicht.
Reinhard:
Wie stellst du dir deinen Arbeitsalltag vor? Stehst du selbst im Geschäft? Und wie sieht es mit Mitarbeitern aus?
Paul Fink:
Ich hatte das große Glück, wirklich sehr, sehr gute Mitarbeiterinnen zu finden! Darüber bin ich extrem dankbar, denn ohne dieses Know-how würde es nicht gehen. Das ist jetzt natürlich auch durch die Unimarkt-Schließung entstanden, dass ich erfahrene Kräfte übernehmen konnte.
Reinhard:
Suchst du aktuell noch Personal?
Paul Fink:
Ich könnte mir sehr gut vorstellen, einen Lehrling auszubilden. Eventuell kommt später noch die eine oder andere Teilzeitkraft dazu, aber das hängt stark davon ab, wie der Laden anläuft.
Reinhard:
Ein Dorfladen ist ja oft mehr als nur ein Ort zum Einkaufen – er ist ein Treffpunkt zum Ratschen und für die Gemeinschaft. Wie siehst du da deine Rolle?
Paul Fink:
Ich rede sehr gerne! (lacht) Ich freue mich wirklich, wenn die Leute kommen und sich mit mir oder den Mitarbeiterinnen unterhalten. Man muss natürlich schauen, wie es sich zeitlich im Arbeitsalltag integrieren lässt, aber wir sind definitiv für Beratung und einen Ratsch da. Genau dafür haben wir auch die kleine Ecke geschaffen, wo man sich kurz hinsetzen oder gemütlich hinstellen kann.
Reinhard:
Ich habe im Vorfeld ein paar Fragen von Hörern gesammelt. Wie flexibel kannst du auf spezielle Kundenwünsche reagieren? Kann man einfach kommen und fragen, ob du etwas Bestimmtes besorgen kannst?
Paul Fink:
Absolut! Mehr als „Nein“ sagen kann ich nicht (lacht). Ich freue mich über jede Anfrage. Das Sortiment wird sich im ersten Jahr sicher noch stark verändern. Wir haben jetzt sozusagen den Reisebus renoviert – wohin die Reise geht, entscheiden die Oberhofenerinnen und Oberhofener. Ich bin für jede Anregung dankbar.
Reinhard:
Die Heidi hat gefragt, ob es ausschließlich Lebensmittel geben wird.
Paul Fink:
Neben der Kaffee-Ecke haben wir geschaut, dass wir auch gängige Haushaltswaren bekommen – falls mal eine Glühbirne gebraucht wird. Schreibwaren für den Schulanfang haben wir ebenfalls im Sortiment, genauso wie Lotto und Tabak. Das ist zwar kein großer Gewinnbringer, aber ein guter Frequenzbringer. Mein Ziel ist eine solide Basisversorgung für den Alltag.
Reinhard:
Die Fanni fragt, ob es bei euch auch „Too Good To Go“ (App gegen Lebensmittelverschwendung) geben wird.
Paul Fink:
Sehr gute Frage! Ehrlich gesagt habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Da müssen wir mal schauen, wie das funktioniert und was wir da machen können. Danke für den Tipp!
Reinhard:
Wie sehen eure Öffnungszeiten aus?
Paul Fink:
Wir haben uns ein sehr ambitioniertes Ziel gesteckt: von 6:30 Uhr bis 18:30 Uhr – durchgehend ohne Mittagspause! 6:30 Uhr deshalb, weil viele schon vor 7:00 Uhr eine Jause brauchen. Wir spezialisieren uns auch auf das Jausengeschäft und haben dafür zum Beispiel den Leberkäse vom Langwallner. Und über Mittag finden wir es schade zuzusperren, weil da einfach Bedarf da ist. Mein Ziel ist es, das so durchzuhalten – eventuell müssen wir mit dem Jahreswechsel nochmals nachjustieren.
Reinhard:
Eine Frage zur Umgebung: Gibt es von deiner Seite Wünsche bezüglich der Außengestaltung im Ortszentrum?
Paul Fink:
Da ich mit der Gastrolizenz auf acht Sitzplätze beschränkt bin, wäre es mir persönlich natürlich am liebsten, wenn es im Außenbereich jede Menge Sitzgelegenheiten gäbe! Es ist so eine schöne Gegend und ein toller Platz.
Reinhard:
Nächsten Mittwoch ist Eröffnung. Wie wird der Tag ablaufen?
Paul Fink:
Ab 6:30 Uhr ist die Tür offen! Als Begrüßungsangebot gibt es Leberkäsemmeln und Coffee to go für jeweils nur 1 Euro. Wir wollen einfach, dass die Leute reinschauen. Im Laden erwarten sie dann noch viele weitere Angebote. Wir starten bewusst ohne den ganz großen Riesentrummel, damit wir uns als Team gut einspielen können.
Reinhard:
Wenn wir uns in einem Jahr wieder unterhalten und du sagst: „Das erste Jahr war ein voller Erfolg!“ – was muss dann passiert sein?
Paul Fink:
Grundsätzlich bin ich froh, wenn wir dann immer noch offen haben! (lacht) Nein, davon bin ich überzeugt. Mein persönliches Ziel wäre, dass die Leute im Ort einfach ganz selbstverständlich sagen: „Wir gehen zum Fink einkaufen!“ Wenn wir das schaffen, bin ich happy.
Reinhard:
Zum Abschluss Verlosen wir noch einen vollgepackten Geschenkkorb von Paul! Die genauen Teilnahmebedingungen geben wir noch bekannt. Paul, hast du noch eine abschließende Botschaft an die Oberhofenerinnen und Oberhofener?
Paul Fink:
Schaut vorbei und habt viel Genuss und Freude!
Ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!