Stolpersteine für Gmunden
In den 1940er Jahren wurden Dutzende Gmundner:innen Opfer des NS-Regimes. Dazu gehörten Mitglieder von Widerstandsgruppen, jüdische Bürger:innen, sowie Menschen mit Beeinträchtigungen. Sie wurden aus ihren Wohnungen verschleppt und ermordet. Stolpersteine erinnern an diese Menschen und ihre Geschichten – am Gehweg direkt vor ihren Wohnhäusern. Man “stolpert” über die Erinnerung.
Antrag der Grünen Gemeinderatsfraktion zur Gemeinderatssitzung am 23. März 2026
Betreff: Grundsatzbeschluss zur Errichtung von drei Stolpersteinen in Gmunden als Mahnmal gegen völkische und faschistische Ideologien
Antrag: Der Gemeinderat möge einen Grundsatzbeschluss zur Errichtung von drei Stolpersteinen in Gmunden fassen und den Kulturausschuss mit der Errichtung dieser Stolpersteine an geeigneten öffentlichen Standorten in Gmunden im Laufe des Jahres 2026 betrauen.
Begründung:
Im vergangenen Herbst hat das sogenannte Bundeslager der völkisch-nationalen Identitären Bewegung auf Gmundner Gemeindegebiet viele Menschen in Gmunden tief beunruhigt, weil sich eine Gruppierung getroffen hat, die aus rassistischen Motiven Massenabschiebungen von Zugewanderten propagiert, LGBTIQ-Personen diffamiert und letztendlich unsere liberale Demokratie überwinden will. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes charakterisiert diese Gruppierung: „Bei der IBÖ handelt es sich um eine rechtsextreme Jugendorganisation mit vielfältigen faschistischen Anklängen in Theorie, Ästhetik, Rhetorik und Stil.“ (https://www.doew.at/erkennen/rechtsextremismus/rechtsextreme-organisationen/identitaere-bewegung-oesterreich-iboe, 1. 3. 2026)
Das ist der Anlass für den Antrag der Grünen Fraktion, Erinnerungskultur weiter zu pflegen: Denn faschistische Ideologien dürfen niemals wieder zur Normalität werden und nie wieder an die Macht kommen. Deshalb ist die Erinnerung an den Faschismus des Nationalsozialismus so wichtig: Sie lässt niemals vergessen, wohin Abwertung, Ausgrenzung, Rassismus, Entmenschlichung und Gleichgültigkeit führen können, wenn ihnen nicht rechtzeitig Einhalt geboten wird.
In 31 europäischen Ländern erinnern Stolpersteine an die Vertreibung und Ermordung von Jüdinnen und Juden, Roma, Sinti, politisch Verfolgten, Homosexuellen, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfern während des Nationalsozialismus. In Oberösterreich gibt es zum Beispiel in Steyr 21 Stolpersteine, in Wels sechs, in Vorchdorf gibt es seit letztem September einen Stolperstein. Mit dem Mahnmal für Opfer des Nationalsozialismus, das 2023 an der Esplanade errichtet worden ist, hat Gmunden ein Zeichen gesetzt: Die Namen von 60 ermordeten Gmundnerinnen und Gmundnern sind dort dauerhaft im öffentlichen Raum präsent. Stolpersteine werden üblicherweise am Gehweg vor dem letzten frei gewählten Wohnsitz einer oder eines Ermordeten verlegt und machen die Erinnerung damit noch persönlicher und dezentraler. Es sind nicht irgendwelche Namen, sondern Menschen, die in den Häusern, den Wohnungen oder an den Adressen gewohnt haben, die auch heute noch von uns Gmundnern und Gmundnerinnen bewohnt werden.
Auch heute finden Rassismus, Homophobie und Ausgrenzung nicht irgendwo anders statt, sondern mitten unter uns, und betrifft Menschen, die integraler Teil unserer Gesellschaft sind.
Gmunden ist eine Stadt, in der rechtsextreme Ideologien keinen Platz haben. Dazu gibt es ein klares Bekenntnis aller Fraktionen des Gemeinderates.
Mit der Errichtung von drei Stolpersteinen geht es dementsprechend nicht nur um das Gedenken an vergangene Verbrechen, sondern auch um eine klare Botschaft in der Gegenwart: Gmunden ist eine Stadt der Menschenwürde, der Vielfalt und der Demokratie – und wir sind bereit, das sichtbar zu machen.
Antrag: Der Gemeinderat möge
- einen Grundsatzbeschluss zur Errichtung von drei Stolpersteinen für Opfer des Nationalsozialismus in Gmunden fassen sowie
- den Kulturausschuss beauftragen, diese drei Stolpersteine noch im Jahr 2026 umzusetzen.