Kinderbetreuung-Sommerloch drängt Familien in Teilzeitarbeit
Sommerferien sind für viele Familien nicht erholsam, sondern organisatorischer Stress. Trotz aller politische Lippenbekenntnisse zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, fehlt es auch in Oberösterreich nach wie vor an einer flächendeckend verlässlichen Sommerbetreuung.
Die zuständige Landesrätin Haberlander verweist regelmäßig auf die Gemeinden. Doch hängt die Kinderbetreuung vom Gemeindebudget ab, wird Chancengleichheit zur Lotterie. Deshalb braucht es landesweite Mindeststandards und eine gesicherte Finanzierung.
Im Bundesländervergleich liegt Oberösterreich zum Beispiel in Sachen Sommerschließzeiten in Krabbelstuben mit einem Negativrekord von 17 Tagen an der Spitze. Als Ausgleich angebotene Saisonangebote wie Sommerkindergärten und -horte oder Betriebskooperationen erreichen weniger als fünf Prozent aller Kinder in Oberösterreich. Das ergaben die Zahlen der Kindertagesheimstatistik 2024/25.
„Auch wenn zahlreiche Gemeinden versuchen, ihr Bestes zu geben, bleibt die Versorgung im Großteil des Landes vom Wohnort und Gemeindebudget abhängig. Das ist sozialpolitisch ungerecht und strukturpolitisch rückständig. Vor allem aber lässt es die betroffenen Eltern im Stich“, kritisiert der Grüne Klubobmann Severin Mayr.
Besonders absurd wird die Situation, wenn gleichzeitig Minister Hattmannsdorfer die hohe Teilzeitquote in Österreich beklagt und „Teilzeit unattraktiver machen“ will. „Diese Aussagen von Minister Hattmannsdorfer offenbaren ein fundamentales Unverständnis der ÖVP für die Lebensrealität tausender Familien. Wie soll Vollzeitarbeit funktionieren, wenn im Sommer Horte, Kindergärten und Krabbelstuben in der Regel mehr als drei Wochen geschlossen?“, so Mayr. Wie von den Grünen bereits mehrfach gefordert, braucht es daher eine landesweite Erhebung sowie ein transparentes, aktuell verfügbares Monitoring insbesondere auch zu den Ferienöffnungszeiten aller Betreuungseinrichtungen.
In Oberösterreich arbeiten laut Statistik über 70% der Mütter mit Kindern unter 15 Jahren in Teilzeit – der häufigste Grund: fehlende verlässliche Kinderbetreuung. Statt Eltern strukturell zu unterstützen, werden sie mit verkürzten Öffnungszeiten und Schließwochen in Teilzeit gedrängt – meist zu Lasten der Frauen.
„Kinderbetreuung darf kein optional verfügbarer Luxus sein. Die Politik von Schwarz-Blau in Oberösterreich, sowie auch die Bundesregierung verkennt die Realität vieler Eltern – und lässt besonders Frauen im Stich. Wer sich über die hohe Teilzeitquote beklagt, muss endlich die Kinderbildung und -betreuung ausbauen, statt die Verantwortung abzuschieben“, so Severin Mayr.