Sei keine Pussy – hab Eier!
Es gibt Redewendungen, über die man besser nicht zu lange nachdenkt.
„Sei keine Pussy“ heißt: Stell dich nicht so an. Sei nicht schwach.
Wer dagegen besonders mutig ist, „hat Eier“. Moment.
Eine „Pussy“ kann einen Menschen zur Welt bringen – inklusive Schmerzen, Geburt und all dem, was ein weiblicher Körper sonst noch aushält. Ein Tritt in die Eier hingegen kann einen erwachsenen Mann innerhalb von Sekunden in die embryonale Seitenlage versetzen.
Und trotzdem steht die Vulva sprachlich für Schwäche – und der Hoden für Stärke.
Das sagt eigentlich schon ziemlich viel darüber aus, wie Weiblichkeit lange gesehen wurde: fürsorglich, verfügbar, hübsch, unkompliziert – und bitte nicht zu laut.
Gleichzeitig wird genau diese Fürsorge gern in Anspruch genommen. Frauen übernehmen nach wie vor viel von der Arbeit, die unsere Gesellschaft am Laufen hält: Kinder betreuen, Angehörige pflegen, organisieren, erinnern, kümmern – und natürlich auch noch arbeiten.
Und genau hier begegnen sich für mich Feminismus und Veganismus.
Denn auch bei unserer Ernährung sind es oft weibliche Körper, deren Fortpflanzungsleistung genutzt wird: Kühe geben Milch nach einer Schwangerschaft, die Eierindustrie basiert auf weiblichen Tieren.
Natürlich sind Frauen keine Kühe und Kühe keine Frauen. Darum geht es nicht.
Es geht um eine einfache Frage:
Wem gehört ein Körper – und wie selbstverständlich dürfen andere über ihn verfügen?
Feminismus bedeutet für mich deshalb nicht nur, dass Frauen Vorstandsvorsitzende werden können – es bedeutet, Machtverhältnisse zu hinterfragen:
Wer entscheidet? Wer leistet die Arbeit? Wer profitiert? Und wer trägt die Folgen?
Im Beruf. In der Familie. In der Politik. Und vielleicht auch auf unserem Teller.
Man muss deshalb nicht von heute auf morgen perfekt feministisch oder vegan leben. Aber man kann anfangen hinzuschauen.
Mikrofeminismus für jeden Tag
Feminismus muss nicht immer die große Revolution sein. Manchmal reicht es, kleine Automatismen umzudrehen.
Ruf einmal den Vater an.
Eine Schuldirektorin erzählte einmal, dass sie bei Anliegen rund um Kinder bewusst zuerst die Väter kontaktierte. Warum ist bei „Das Kind muss abgeholt werden“ unser erster Gedanke noch immer so oft die Mutter?
Frag einen Mann:
Wer macht den Kaffee, wer schreibt mit, wer organisiert das Geschenk oder reserviert den Tisch? Jetzt sind mal die Männer dran.
Hol unterbrochene Frauen zurück ins Gespräch.
„Ich glaube, sie war noch nicht fertig.“
Gib Ideen ihrer Urheberin zurück.
„Ja, genau das hat sie vorher vorgeschlagen.“
Frag Männer nach Vereinbarkeit.
„Wie schaffst du das eigentlich mit Kindern und Beruf?“
Mikrofeminismus heißt nicht, jeden Satz zu zerlegen.
Es heißt, kleine Rollenbilder zu bemerken – und sie ab und zu ganz bewusst durcheinanderzubringen.
Zwei Bücher zum Weiterdenken
Carol J. Adams: „Zum Verzehr bestimmt“
Ein Klassiker des feministischen Veganismus. Adams beschäftigt sich damit, wie Fleisch, Macht, Männlichkeitsbilder und die Objektifizierung weiblicher Körper kulturell zusammenhängen.
Jonathan Safran Foer: „Tiere essen“
Als Foer Vater wird, fragt er sich, was er seinem Kind eigentlich zu essen geben möchte – und was er selbst im Kleinen besser machen kann. Daraus entsteht eine persönliche Recherche über Tierhaltung, Fleischkonsum und Verantwortung.