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02.05.2022 Allgemein

Living on a shoestring budget*

Kleidertauschen

Wie Sparen und Umweltschutz manchmal perfekt Hand in Hand gehen

„Das Leben ist teuer“ – das höre ich oft. In manchen Bereichen empfinde ich das auch so, und in manchen kann man sich auch nicht dagegen wehren, wie z.B. beim Wohnen. Auf der anderen Seite gib es jedoch viele Rädchen, an denen man schrauben kann, um das Leben billiger zu machen und dabei auch gleichzeitig der Umwelt etwas Gutes zu tun.

 

Strom sparen

Wir sind eine vierköpfige Familie und eine solche braucht durchschnittlich 3.500kwh Strom pro Jahr. Unser jährlicher Stromverbrauch liegt bei etwa 1.000kwh. Während andere sich und mich oft fragen, wie das sein kann, dass wir so wenig Strom brauchen, frage ich mich umgekehrt oft, was wir tun müssten, um die dreifache Menge zu verbrauchen. Bei uns läuft kein einziges Gerät im Stand-by-Modus, das Licht brennt ausschließlich dort, wo es gebraucht wird. Waschmaschine und Geschirrspüler laufen 1-2x pro Woche und dann in voller Beladung und niedriger Temperatur. Bei uns wird täglich gekocht, immer mit Deckel, häufig auf nur einer Herdplatte – dann eben konsekutiv – in ständiger Verwendung von Restwärme. Die Liste ließe sich noch mit vielen anderen Punkten füllen.

 

Der Konflikt in der Ukraine, unsere Abhängigkeit von russischem Gas führt uns wieder einmal vor Augen, dass es vielleicht nicht immer darum gehen sollte, welche Energiequelle wir anzapfen, sondern darum, unseren extremen Verbrauch zu reduzieren.

 

Essen

Ich bin zwar registrierte Food-Sharerin, aber ohne Auto und nicht in Linz ist damit leider nichts angefangen. ABER: Ich werde gerne von anderen Foodsharern „benutzt“, um ihnen Lebensmittel abzunehmen, die sie selber nicht verwerten können.

In Unterweitersdorf gibt es bereits einen so genannten Lebensmittelretter-Platz – einen Standort, an dem überschüssige Lebensmittel zur Abholung durch Jedermann bereitstehen. Auch für Gallneukirchen ist so ein Fair-Teiler geplant.

 

Die -25% oder -50%-Töpfe der Supermärke sind ebenfalls ein guter Fundus, um Geld zu sparen und gleichzeitig Lebensmittel vor dem Wegwerfen zu retten.

Im Frühling und Sommer koche ich liebend gerne Marmelade und Säfte ein. Die Früchte hab ich leider nicht selber, kaufe sie jedoch auch nicht. Wer offenen Auges durch Gallneukirchen geht, entdeckt viele ungeliebte Obstbäume und -sträucher. Wenn ich so einen finde, überwinde ich kurz (oder manchmal dauert das auch länger) meine Hemmungen, läute an und frage, ob ich das (Fall-)Obst haben darf. Bislang hab ich damit noch nie eine schlechte Erfahrung gemacht. Im Gegenteil, viele Menschen freuen sich, wenn die Früchte ihres Gartens jemand anderem von Nutzen sind, wenn sie selber nicht wollen.

 

Mobilität

2012, als ich gerade mit meinem zweiten Kind schwanger war, hab ich mein Auto hergegeben und beschlossen, dass wir als Familie nur mehr eines brauchen. Ich war aufgeregt, wie das denn sein würde ohne eigenes motorisiertes Fahrzeug. Die Wahrheit ist, dass dieser Schritt sehr viel verändert hat, aber das meiste zum Guten. Mein Leben ist entschleunigt, weil ich nicht mehr viele verschiedene Dinge an verschiedenen Orten an einem Tag erledigen kann. Mein Leben ist damit außerdem „kleiner“ und ich und meine Familie sind viel heimischer in Gallneukirchen geworden. Es ist eine schöne Sache, in seinem Heimatort nicht nur „Schläfer:in“ zu sein, sondern aktiv:er Bürger:in.

 

Meine Kinder waren sehr schnell mobil – tüchtig zu Fuß, mit dem Laufrad, mit dem Roller. Kein Wunder, sie mussten auch, da ich sie nirgends mit dem Auto hinbringen konnte. Das hat sich bezahlt gemacht, wenn ich sehe, wie sportlich, bewegungshungrig, motorisch geschickt, selbständig und ausgeglichen sie sind.

Wenn ich selber etwas in Linz zu erledigen habe, z.B. Dienst am BFI oder am Sportland OÖ, dann fahre ich mit dem Postbus oder mit dem Fahrrad. Freilich braucht das alles wesentlich mehr Zeit, als mit dem Auto zu fahren. Dafür ist die Zeit im Auto vielfach „tote“ Zeit, während ich im Bus meine Mails erledigen, lesen, Dinge organisieren, etc. kann, und wenn ich mit dem Rad fahre, habe ich meine Bewegung, meinen Sport für diesen Tag schon erledigt.

 

Freizeit und Konsum

Drei von uns vieren sind passionierte Leser:innen. Wie herrlich, dass es in Gallneukirchen eine hervorragend ausgestattete Bibliothek gibt. Ich selbst bin außerdem begeisterte Nutzerin der „Bücherboxen“, die rund um den Pfarrgarten zu finden sind. Natürlich ist durch die Nutzung dieser mein Lesen fremdbestimmt, aber das hat auch was Gutes. Ich hab schon tolle Romane in die Finger bekommen, von denen ich zuvor noch nie gehört hatte. Leider finde ich auch immer wieder Bücher in der Altpapiertonne. Diese „rette“ ich, lese sie häufig selber und spendiere sie dann wiederum der Bücherbox oder dem „bring-was-nimm-was“-Tisch im Altstoffsammelzentrum.

 

Second-hand gibt’s übrigens nicht nur bei Büchern, sondern auch bei Kleidung, z.B. beim Kleidertausch, der Anfang April bereits zum zweiten Mal in Gallneukirchen stattgefunden hat, im Secondhand-Laden in Schweinbach oder beim RevitalShop, wo man neben Gewand auch noch Sportgeräte, Möbel, Geschirr, DVDS, Elektrogeräte, etc. günstig erstehen kann.

 

Und wenn es uns doch rauszieht, anstatt zuhause zu lesen?

Dann gibt es auch in und rund um Gallneukirchen viele Möglichkeiten, sich gratis oder kostengünstig die Zeit zu vertreiben: viele öffentliche Spielplätze, Beachvolleyball-Plätze, die neue Calisthenics-Anlage, MTB-Trails am Linzerberg, den Streichelzoo der Diakonie, Skaterpark, Kletter- und Boulderhalle (eine Tageskarte für ein Kind kostet 2€), das Freibad (eine Saisonkarte für die ganze Familie kostet für Gallneukirchner:innen 71,5€).

 

Es macht mir große Freude, immer wieder neue Möglichkeiten zu entdecken, der Umwelt was Gutes zu tun und dabei auch zu sparen. 

Freilich bedeutet das manchmal, auf Bequemlichkeit zu verzichten und es sich selber ein bisschen umständlicher und schwerer zu machen. Aber mal ehrlich, wann ist Bequemlichkeit schon mal etwas Gutes?

 

*= mit einem sehr kleinen Budget auskommen