Landwirtschaft braucht Perspektiven
Die Globalisierung der Märkte für landwirtschaftliche Produkte verändert wirtschaftliche und soziale Strukturen auch bei uns. Ein Weiter, wie bisher führt zur Kannibalisierung der Landwirtschaft.
Die elementarste Veränderung der letzten 30 Jahre in der Landwirtschaft war die der Märkte.
Nicht so sehr, wie und was produziert wird, sondern für wen, ist die entscheidende Frage. Hatten wir bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts noch sehr geschützte lokale und nationale Märkte, produzieren auch wir in der Zwischenzeit für die Weltmärkte. Und so werden viele Preise unserer Produkte dort gestaltet, wo sie eben am günstigsten hergestellt werden können.
Der Anteil unserer Gestaltungsmöglichkeiten in diesem globalen Umfeld ist minimal.
Unsere Reaktion auf dieses veränderte Marktumfeld war zuerst die Spezialisierung unserer Betriebe. Es wurde begonnen auf den Betrieben nur mehr jeweils ein Produkt herzustellen, was zu einer Intensivierung des Produkt-ausstoßes führte, jedoch ging dies mit meist hohen Investitionen und dem Verlust an Resilienz der Betriebe einher. Die Betriebe sind seither den Weltmarktpreisen, unabhängig vom eigenen Betriebserfolg, ausgeliefert.
Die zweite Strategie ist Wachstum. Da jedoch die landwirtschaftlichen Flächen nicht zunehmen, sondern, im Gegenteil durch eine sehr großzügige Flächenwidmungsbereitschaft weniger werden, braucht es geradezu ein Höfesterben, um Flächen freiwerden zu lassen.
Gleichzeitig werden die dadurch entstehenden größeren Strukturen von immer weniger Menschen bewirtschaftet und führt auch zu immer weniger sozialen Output der Landwirtschaft.
Die Landwirtschaft ist am besten Weg, sich selbst in sie die gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit zu manövrieren.
Ein Fördersystem, das ausschließlich die Kennzahl Fläche kennt, tut dazu noch ihr Übriges. Förderungen sind Ausdruck des öffentlichen Interesseses, was bedeutet, dass es für unsere Gesellschaft wichtig und richtig ist, wenn immer mehr Fläche von immer weniger Menschen bewirtschaftet wird.
Die soziale und finanzielle Vulnerabilität unserer Betriebe nimmt zu und es ist mit der aktuellen Landwirtschaftspolitik dazu kein Ende in Sicht.
Für das Mühlviertel, mit seinen topographisch kleinstrukturierten Flächen, bedeutet das einen wesentlichen Umbau der gewachsenen Strukturen. Flächen werden vergrößert, Grünland wird zu Acker, Acker wird zum Zweck der Finanzierung zu Bauland und Biodiversität wird auf zynisch kleine Ackerrandstreifen, behördlich verordnet, zurückgedrängt.
Wirtschaftlich brauchen größere Betriebe, größere Handelspartner und größere Vetriebsstrukturen, welche, durch die derzeitig sehr monopolhaft gestaltete Handelslandschaft, repräsentiert
werden.
Es drängt sich manchmal der Verdacht auf, ob es nicht sogar umgekehrt passiert: Größere Handelsstrukturen suchen sich größere Produktionspartner und nehmen daher Einfluss auf die Interessensvertretung der Landwirtschaft, um den Prozess der Kannibalisierung der Landwirtschaft voranzutreiben.
Wir erleben ein Auseinanderdriften der Landwirtschaft. Einerseits die modernen großen, ständig dem Weltmarkt hinterherwachsenden Betriebe, die entkoppelt von den regionalen Bedürfnissen und Ressourcen produzieren und andererseits die Betriebe, die auf Basis der regionalen Ressourcen und des regionalen Bedarfs, mit hohem sozialem Output, also vergleichsweise vielen Mitarbeitern, wirtschaften. Die zweitgenannten Betriebe sind es, die gerne präsentiert werden, während es die ersteren sind, die gefördert werden.
Interessensvertretung der Landwirtschaft auf kommunaler Ebene
Das Landwirtschaftskammersystem in Österreich wird dezentral, in den Gemeinden auf Basis landesweiter Wahlwerber, gewählt. Das heißt, jeder auf Landwirtschaftkammerebene zur Verfügung stehende Wahlwerber, unabhängig, ob es eine Ortsgruppe dazu gibt, ist bei der LK-Wahl wählbar. Was wiederum bedeutet, dass auch Fraktionen, die im jeweiligen Ort überhaupt nicht existieren auf dem Wahlzettel wählbar sind. In Gramastetten betrifft das zurzeit den ÖVP nahen Bauernbund und die FPÖ nahen Blauen Bauern, die zwar auf Landesebene aufscheinen, aber eben nicht auf Ortsebene.
Der Ortsbauernausschuss
Das landwirtschaftspolitische entscheidende Gremium in der Gemeinde ist der Ortsbauernausschuss, welcher paritätisch zum LK-Wahlergebnis besetzt wird.
Der Ortsbauernausschuss hat auf Wunsch des örtlichen Baugremiums ein Parteirecht bei Flächenwidmungs- und Bauverfahren und ist ein relevanter Faktor bei der Besetzung des Jagdausschusses. Ist jedoch die Mehrheit der im Ort gewählten Ortsbauernausschussmitglieder nicht verfügbar, da die Fraktion im Ort nicht existent ist, kann der Ortsbauernausschuss nicht einberufen werden und seine Agenden werden durch die LK OÖ, auch auf Gemeindeebene vertreten.
Dies bedeutet zum Beispiel, dass 50 % des Jagdausschusses, welche von bäuerlicher Seite durch den Orstsbauernausschuss besetzt werden, nicht mehr von den Gramastettner Bauern und Bäuerinnen, sondern von der LK OÖ besetzt werden.
Durch das sehr spezielle Wahlrecht bei der LK-Wahl, das alle Grundbesitzer, und selbst auch pensionierte und nicht mehr aktive Landwirt:innen wahlberechtigt macht, ist nochmals eine Mehrheit des Bauernbundes, der in Gramastetten als Ortsgruppe heuer aufgelöst wurde – daher nicht mehr existiert und präsent ist, zu erwarten. Dass, dies einer immer wieder mit der Bauernschaft in Diskussion stehenden Baubehörde, mehr als nur gut, in die Karten spielt, liegt auf der Hand.
Es liegt an uns Bäuerinnen und Bauern, jene Vertreter zu wählen, die es auf Ortsebene auch tatsächlich gibt.
Wir Grüne Bäuerinnen und Bauern sind für sie da und bereit in Gramastetten unsere Stimme für eine wirtschaftliche und dabei auch ökologisch in die Zukunft weisende Landwirtschaft zu erheben.