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12.09.2024 Allgemein

Interview mit Jürgen Hutsteiner

Jürgen Hutsteiner ist Landwirt aus Steyr, verheiratet und Vater von vier Söhnen. Er ist ein unermüdlicher Kämpfer für den Klimaschutz, setzt sich für den Steyrer Grüngürtel und somit gegen die Westspange ein und versteht es, Menschen mit seinen zahlreichen Leserbriefen wachzurütteln. 

Was ist der Motor für deinen Einsatz im Bereich Klimaschutz?

Reiner Egoismus. Meine Kinder und der Gedanke, wie ihre Welt in 20 oder 30 Jahren aussehen wird, macht mich unheimlich traurig. Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird diese Welt so viele Hochwässer, Murenabgänge, Dürren und Waldbrände erleben, dass wir es uns einfach nicht mehr leisten können, die Schäden, die diese Katastrophen verursachen, zu bezahlen. Das würde uns in eine Armut führen, die uns wahrscheinlich ärmer machen würde, als wir im tiefsten Mittelalter waren. 

Wie können wir trotz dieser Vorhersage nicht verzagen und die Sache drehen?

Ich habe diese unheimliche Naivität in mir, dass ich das verhindern kann. Natürlich nicht alleine, aber vielleicht kann ich mit meinen Leserbriefen den einen oder anderen Menschen anstupsen, sich auch auf den Weg zu machen, sein persönliches Glück im Klimaschutz zu finden. Ich bin nämlich überzeugt davon, dass unsere Welt eh eine ist, in der die Leute Ziele brauchen. Früher hatte man das Ziel, ein Haus zu bauen, ein Auto zu kaufen oder sich einfach ein wenig Wohlstand zu erarbeiten. Das geht sich für die meisten Menschen nicht mehr aus, deshalb versuchen sie, ihr Glück im Konsum von Gütern zu finden. Wenn dann die Wohnung oder das Haus voll ist mit all diesen Dingen, wird man hoffentlich draufkommen, dass einen diese zahlreichen unnützen Sachen doch nicht glücklich machen.

Jetzt habe ich für mich entdeckt, wie befriedigend es sein kann, das Richtige fürs Klima zu tun. Ich bin noch lange nicht dort, wo ich hinmüsste, aber genau dieses Wissen, dass ich an mir arbeiten muss, motiviert mich, täglich aufzustehen und mich zu verbessern.

Was hast du persönlich bereits umgesetzt?

Ich habe vor 13 Jahren meine erste Photovoltaikanlage errichtet, damals 20 kwp. Inzwischen ist mein Bauernhof bis auf die Nordseiten vollkommen zugepackt mit Photovoltaikmodulen. Insgesamt 320 kwp und einen Speicher mit zirka 50 kWh Kapazität habe ich auch. Unsere Autos sind fast alle auf elektrisch umgestellt. (Einen Dieselkleinlastwagen habe ich noch, der ist aber nur noch vereinzelt im Einsatz).

Weiters bin ich in mehreren Initiativen aktiv, die für Klimaschutz kämpfen. Unter anderem bin ich Mitbegründer von Klimafokus Steyr.

Da ich die Sucht, Photovoltaikanlagen auf meine eigenen Dächer zu schrauben, nicht mehr ausleben kann, haben einige Bekannte und ich die Ströme Energiegenossenschaft gegründet, um gemeinsam auf anderen Dächern und irgendwann auch auf Feldern immer mehr Strom zu produzieren.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Irgendwie hat sogar euer Bürgermeister ein bisschen Mitschuld, dass es uns gibt. 

Er sagte in einem Gespräch über größere Projekte: „Wieso müssen da ausländische Investoren kommen, um große Photovoltaikanlagen zu errichten, warum machen wir das nicht selbst?“ Darüber habe ich nachgedacht und bin gemeinsam mit Freunden draufgekommen, dass dieses „wir selber“ eine Form braucht. Nach längerem Arbeiten haben wir uns entschieden, eine Genossenschaft namens Ströme zu gründen. Diese soll ein Werkzeug sein, es jedem, der ein paar Tausender übrig hat, zu ermöglichen, in das Richtige zu investieren. Da kommt am Schluss viel erneuerbarer Strom raus und höchstwahrscheinlich auch eine anständige Rendite.

Können sich unsere Leser*innen auch daran beteiligen?

Ja, ab 100 Euro ist man dabei. Soviel kostet nämlich ein Genossenschaftsanteil. Vielleicht mag ja die/der eine oder andere Oma/Opa seinem Enkerl einen Ströme-Genossenschaftsanteil unter den Christbaum legen. Wäre eine Möglichkeit, in den Kindern eine Flamme zu entfachen.

Du bist Landwirt. Was hältst du vom Renaturierungsgesetz?

Seit ich mich mit der Klimakrise beschäftige, habe ich vereinzelt Kontakt zu Wissenschaftlern. Seitdem habe ich riesiges Vertrauen in die Wissenschaft gewonnen. 

Einige dieser Wissenschaftler sagen, dass die Biodiversitätskrise fast gleich groß ist wie die Klimakrise. Deshalb weiß ich, dass man da etwas machen muss, also bin ich für dieses Gesetz, obwohl ich weiß, dass es  gerade für uns Bauern schon eine Herausforderung werden wird. Aber wie ich vorhin schon sagte, man braucht eh Ziele, an denen man wachsen kann. Und warum kann ein Bauernhof, der mehr Singvögel beherbergt, nicht auch ein wunderbares Ziel für einen Bauern sein? Ich freue mich jedes Jahr, wenn die Schwalben mich für ein paar Monate besuchen.

Selber habe ich auch schon angefangen, einige Maßnahmen zu setzen, um die Biodiversität zu erhöhen. Ich habe ein kleines Wäldchen, das mit kleinen Quellen durchzogen ist. Hier ist die Bewirtschaftung ohnehin eine Herausforderung, weil man leicht versinkt. Darum nutze ich diesen Wald fast nicht mehr, weswegen hier schon jede Menge Totholz herumliegt, was natürlich genial ist für Käfer, Vögel und anderes Getier.

Ich habe auf einem Teil meiner Hühnerweide vor fünf Jahren Rewisa Saatgut angebaut. Ich habe die letzten Jahre gesehen, wie sich dadurch die Insektenwelt verändert. Heuer habe ich noch eine zusätzliche Fläche mit diesem Saatgut bepflanzt und ich hoffe, dass die Insekten hier rüber wandern, weil ich die Hühnerweide umbrechen muss. 

Wie können wir, aus deiner Sicht, noch mehr Menschen dazu bewegen, sich für die Rettung unseres Planeten einzusetzen?

Persönliche Gespräche, noch mehr Gespräche und noch viel mehr Gespräche.

Denn beim Reden kommen die Leute zusammen.

Lukas Reiter
Lukas Reiter

Bezirkssprecher

Fraktionsobmann
Prüfungsausschussobmann

[email protected]
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