Heimat ist mehr als Dirndl und Lederhose
ein Kommentar von Lukas Baumbach
Was ist Heimat für dich? Kannst du das genau definieren oder ist das mehr ein unbestimmtes Gefühl? So manch politischer Mitbewerber kann das vermeintlich ganz genau sagen: Tracht (nach genau genormten Vorgaben), Schweinsbraten usw. Und ganz wichtig, blonde Haare und blaue Augen.
Wenn man sich das dann genauer anschaut, kann das nicht aufgehen.
Nehmen wir die Perspektive aus Bad Ischl ein: Die Tracht wie sie heute getragen wird, geht auf die Arbeitskleidung der Landbevölkerung zurück. Das stimmt. Die Stoffe und Muster konnte sich die Bevölkerung des Salzkammergutes aber normalerweise nicht leisten. Vielmehr betrieben Adelige und Großbürgertum, die im Salzkammergut zur Sommerfrische waren eine Art idealisiertes Cosplay. Das lokale Bürgertum versuchte dies dann wiederum zu kopieren. Es gibt dann noch die Episode der „Reichsbeauftragen für Trachtenarbeit“ im Nationalsozialismus, aber das geht hier jetzt zu weit. Wir reden hier natürlich von einer Zeit vor über hundert Jahren, aber mit dem sturschädladn Soizkommagütler hat das eigentlich nur am Rande zu tun. (Und bevor mir hier wer vorwirft, der hat ja keine Ahnung, ich nenne eine handgestickte Kraxn mit Initialen und handgestrickte gmädlde Stimpf mein Eigen 😉)
Wer sich mit der Struktur des Salzkammergutes vor den 50er Jahren beschäftigt, sieht schnell, dass ein Schweinsbraten vielleicht einmal im Jahr auf den Tisch kam. Die Bevölkerung konnte sich das schlicht nicht leisten. Die tatsächliche Ernährung war großteils vegetarisch oder mit Fisch. Es ist gar nicht so einfach tatsächlich traditionelle Rezepte zu finden, die nicht aus dem Alpenvorland in unsere Region kamen.
Wer sich alte Fotos anschaut, wird auch kaum Personen mit blonden Haaren entdecken. Also zumindest historisch betrachtet, geht das alles nicht wirklich auf.
Was kann Heimat dann sein?
Wie wäre es mit der Gegend, in der wir wohnen und uns wohl fühlen? In der wir Freund:innen und im besten Fall auch Familie haben? In der wir alle gemeinsam versuchen, das Leben für alle besser zu machen ohne zu genau darauf zu achten, ob die andere Person hier geboren ist oder nicht.
Und ob diese Gegend nun Bad Ischl, das Salzkammergut, Österreich, Europa oder die ganze Welt ist, ist doch eigentlich nebensächlich.
Auf meiner eigenen Hochzeit waren fünf verschiedene Nationalitäten von zwei Kontinenten dabei. Es spielte eine Geigenmusi und eine Countryband und im Endeffekt haben sich alle verstanden und durchgemischt. Jeder hat das beigetragen, was passte.
Warum nicht das als Heimat sehen?