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12.04.2022 Allgemein

Großprojekt Schweinemaststall

Schwein

Auswirkungen auf unsere Umwelt

Um die Errichtung eines Tierwohlstalles in der Ortschaft Rinzendorf für 1950 Mastschweine zu ermöglichen, wurde ein Antrag auf eine Flächenwidmungsplanänderung gestellt. 
Es soll mitten im Grünland eine Sonderwidmung für eine bodenunabhängige Massentierhaltung ausgewiesen werden. 

 

Wir Grünen haben uns von Anfang an dagegen ausgesprochen, weil wir überzeugt sind, dass die Nachteile eines solchen Großprojektes die Vorteile bei weitem überwiegen. Auch einige Anrainer:innen haben bei der Gemeinde ihre Bedenken gegen diese Umwidmung und gegen dieses Projekt vorgebracht. Inzwischen liegen die Gutachten der Sachverständigen des Landes vor, die unsere Bedenken vor allem in Bezug auf den Umwelt- und Naturschutz bestätigen. Ein positiver Beschluss für die Umwidmung im Gemeinderat ist daher aus unserer Sicht undenkbar. Es entsteht auch der Eindruck, dass durch die Umwidmung Genehmigungs- und Prüfpflichten nach OÖ. Umweltschutzgesetz oder eine Umweltverträglichkeitsprüfung umgangen werden sollen. Ein Mastschweinestall mit 20 Buchten zu je 100 Schweinen und einer Jahreskapazität von ca. 5.000 Mastschweinen im Jahr wäre eines der größten Projekte dieser Art in ganz Österreich. Welche Auswirkungen würde eine solche Massentierhaltung für unsere Gemeinde, die hier lebenden Menschen und die Umwelt mit sich bringen?

Projektdaten im Überblick

  • Mastschweinestall nach konventionellem Tierwohlstandard als GmbH geführt
  • Max. Kapazität: 2000 Schweine / geplant sind 1950 Schweine
  • Bebaute Fläche: 7.300 m2
  • Einstreu mit Stroh
  • Vollautomatische Multiphasenfütterung mit Futteraufbereitungsanlage (3 Hochsilos)
  • Futtermittel: Mais, Soja, Getreide
  • Fassungsvolumen Güllegrube: 1200 m3
  • Festmistlagerfläche: 354 m2

Geruchsbelästigungen

Ställe dieser Größenordnung führen erfahrungsgemäß zu Beeinträchtigungen für die Anrainer:innen durch Geruch und Lärm. Durch die fortschrittliche Konzeption des geplanten Stalles können sie zwar verringert aber voraussichtlich nicht ganz vermieden werden.

Beeinträchtigung der Natur und Landschaft

Die Errichtung einer so großen Anlage mitten im unverbauten Grünland, weit entfernt von der bestehenden Hofstelle, führt zu einer gravierenden Beeinträchtigung des Landschaftsbildes, des Lebensraumes für Tiere und Pflanzen und des Naturhaushaltes, aber auch zur Beeinträchtigung des Erholungswertes der Landschaft für die hier wohnenden Menschen.

Herkunft der Futtermittel, Klimaschutz

Unser schönes Mühlviertel ist ein ungeeigneter Standort für Schweinemastbetriebe dieser Größenordnung. Die benötigten Futtermittel können nur zum Teil hier produziert werden und müssen zu einem wesentlichen Teil von weit her zugekauft werden. Es werden jährlich mehrere 100.000 Tonnen gentechnisch veränderter Soja und Sojaschrot, hauptsächlich aus Argentinien, Brasilien oder Nordamerika als Futtermittel für die Schweinemast importiert. Mais ist Hauptbestandteil des Schweinefutters in Österreich, daher werden für die Schweinemast große Agrarflächen benötigt. Das heißt, dass auch im Mühlviertel große Mais-Monokulturen mit Unmengen an Pestiziden, Herbiziden und chemische Düngemittel behandelte werden müssen, die in weiterer Folge das Grundwasser belasten und Bodenerosion verstärken.

Zentralisierung der Landwirtschaft

Die Förderung von Großbetrieben dieser Art verstärkt die Tendenz zu einer Zentralisierung, weil kleinere Betriebe mit den kostengünstigeren Produktionsbedingungen nicht mithalten können. Das ist ein weiterer Todesstoß für eine umweltverträgliche, kleiner strukturierte Landwirtschaft, die es zum Glück derzeit im Mühlviertel noch gibt.

Bodenversiegelung

Es wird eine bebaute Fläche von 7.300 qm versiegelt (ohne Zufahrtswege und Lagerflächen). Die Bodenversiegelung ist in Österreich schon viel zu hoch. Sie nagt an unseren Lebensgrundlagen, weil sie zu einem Verlust der Humusbildung, der Wasseraufnahmefähigkeit, der Filterfunktion des Bodens und des Klimapuffers führt. Die Gemeinden haben hier eine besondere Verantwortung.

Wasserverbrauch

Ein Mastschwein benötigt durchschnittlich 8 Liter Wasser pro Tag, das macht täglich 16.000 Liter bzw. pro Jahr ca. 5.600.000 Liter. Dabei ist das benötigte Wasser für Reinigungszwecke noch nicht mitgerechnet. Der hohe Wasserbedarf muss mit zusätzlichen Brunnen des landwirtschaftlichen Betriebs gedeckt werden. Bedenkt man die zu erwartenden immer längeren Trockenperioden, können die Auswirkungen auf naheliegende Hausbrunnen anderer Gemeindebürger:innen problematisch sein.

Verkehrsaufkommen

Der Betrieb sowie die Versorgung von 5000 Mastschweinen benötigt einen hohen logistischen Aufwand über das gesamte Jahr. Notwendig ist der Antransport der Ferkel sowie der Abtransport der Mastschweine, die Anlieferung von Futtermitteln sowie von zugekauftem Stroh – alles per Lkw. Hinzu kommen die erforderlichen Fahrten mit landwirtschaftlichem Gerät, wie beispielsweise das Ausbringen der Gülle oder die Bearbeitung der zusätzlichen Ackerbaugebiete. Ein Beispiel: Die Anlieferung von 5000 Ferkeln bzw. Abholung von 5000 Mastschweinen pro Jahr entspricht im Durchschnitt zwei Lkws pro Woche. Alle Transporte müssen über die Güterweg-Zufahrt Alberndorf oder Spattendorf abgewickelt werden. Tiertransporte werden oft in der Nacht durchgeführt, da Transporte von Schlacht- oder Stechvieh in Österreich vom Lkw-Fahrverbot ausgenommen sind.

Tierseuchen

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, die Wild- aber auch Hausschweine infiziert. Jedes Jahr erkranken mehrere tausend Schweine in Mitteleuropa. Ist ein Hausschwein an der Schweinepest verendet, müssen am betroffenen Mastbetrieb alle Schweine geschlachtet und entsorgt werden.

Was ist Ihre Vision von Landwirtschaft in Alberndorf?

Bei einem Großprojekt wie jenem in Rinzendorf tragen alle politischen Akteur:innen unserer Gemeinde eine große Verantwortung. Es geht um die zukünftige Entwicklung der Landwirtschaft in Alberdorf. Es geht nicht nur um die ambitionierten, wirtschaftlich orientierten Pläne eines jungen Landwirts, welche aus seiner Perspektive durchaus nachvollziehbar sind.

 

Wir Alberndorfer Grüne stehen klar für die Unterstützung einer kleinstrukturierten Landwirtschaft, die unsere Gemeindebürger:innen mit hochwertigen, regionalen Produkten versorgen. Diese Form der Landwirtschaft steht dafür ein, den natürlichen Kreislauf zu achten und dabei die Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt in ihrer Arbeitsweise mitzudenken. Ganz ehrlich, solche Produkte möchten wir gerne in unserem Sparmarkt, im Bauernladen oder direkt beim Bauern kaufen. Das ist unsere (grüne) Vision von Landwirtschaft in Alberndorf. Dass wir damit nicht alleine sind, zeigen uns auch zahlreiche Einwände von Alberndorfer:innen, die auf der Gemeinde gegen den Bau des Schweinestalls eingegangen sind. Unter anderem wurden Bedenken hinsichtlich Geruchs- und Lärmbelästigung, Verkehrsaufkommen, Umwelt- und Naturschutz, Landschaftsbild, Oberflächenwasser und Wasserrecht, Feinstaubbelastung sowie generelle Skepsis gegenüber einem Schweinestall in dieser Größenordnung eingebracht.

Wie sehen Sie dieses Thema – was ist Ihre Vision von Landwirtschaft in Alberndorf?

Schreiben Sie uns, wir freuen uns sehr über Ihre Meinung. [email protected]