Die Gusen
Die Gusen war früher für ihren Fischreichtum legendär.
Ein Nachbar sagte mir einmal, man hätte „auf den Fischen stehen können“. Das ist heute nicht mehr der Fall. Trotzdem ist es interessant einen näheren Blick auf die Fische der Gusen zu werfen. Dazu habe ich vom Österreichischen Institut für Wasserwirtschaft in Mondsee, die Daten zum Fischbestand der Gusen aus den letzten 13 Jahren eingeholt. Diese werden in der Regel alle drei Jahre durch eine wissenschaftliche Befischung erhoben. Vielen Dank an dieser Stelle die Mondseer!
Grundsätzlich gehört die Gusen in St. Georgen zur sogenannten Barbenregion. Die typischen Fischarten der Barbenregion sind neben der Namensgeberin Barbe folgende Arten: Nerfling, Nasen, Brachsen, Güster, Hasel, Schneider, Schied, Rotauge, Rotfeder sowie Barsch und Hecht. Erfreulich ist, dass die amtlichen Untersuchungen dem Fischwasser in St. Georgen in den letzten Jahren immer ein gutes, 2010 sogar sehr gutes Zeugnis ausstellen konnten. Leitarten wie Schneider, Aitel und Gründling wurden in großer Zahl festgestellt. Ein großes Lob daher an dieser Stelle an die Fischwasser besitzenden Familien Lehner, Freigner und Kram!
Verbesserungsbedarf gäbe es laut den Untersuchungen noch bei den sogenannten seltenen Begleitarten. Hier schneidet die Gusen bei uns unterdurchschnittlich ab. Auch hätte die Gusen ein gutes Potential (wieder) zu einem Laichfluss (=Kinderstube) für Nasen zu werden, ein einst und jetzt beliebter Speisefisch, Das täte nicht zuletzt auch dem Fischbestand der Donau gut!
Was könnte für den Fischbestand getan werden?
Fehlende Fischaufstiegshilfe bei Knoll Mühle
Viele Fischarten ziehen aus der Donau zum Laichen die Gusen hinauf. Kleinkraftwerke ohne Fischaufstiegshilfe und andere Querbauwerke bilden dabei unüberwindliche Hindernisse. In St. Georgen harrt aktuell nur mehr das Querbauwerk Höhe Knollmühle auf eine Fischaufstiegshilfe. Dann wäre auch das Gusental wieder mit der Donau verbunden. Eine Untersuchung im Jahr 2015 ergab im Gusental einen mäßigen Gesamtzustand. Die Passierbarmachung an dieser Stelle wäre sicherlich ein wichtiger Schritt.
Mehr Vielfalt durch mehr Struktur
Blockwürfe (Steinhaufen) bieten den Fischen einen reichen Lebensraum. Sie sind vergleichsweise einfach und günstig zu errichten und haben einen sehr positiven Einfluss auf den Artenreichtum. Das ist auch wissenschaftlich nachgewiesen. Die noch raren selteneren Arten könnten so gut gefördert werden.
Wie wirkt sich der Biber aus?
An Stellen, wo die Biber Bäume fällen, finden Jungfische zwischen den Ästen im Wasser sichere Rückzugsorte mit viel Nahrung. Auch in aufgestauten Zonen vor Biberdämmen wäre das der Fall. Leider ist es aufgrund der erhöhten Überschwemmungsgefahr nicht möglich Biberdämme zuzulassen. Vor einigen Jahren wurde daher ein sehr imposanter Biberdamm in der Langensteiner Au entfernt. Es wäre aber zu überlegen nicht doch, dort und da, gefällte Bäume als Unterstand für Jungfische im Wasser zu belassen.
Was bringt Besatz?
Besatz mit Fischen aus Zuchtteichen wird von Expert:innen sehr kritisch betrachtet. In Fließgewässern bringt Besatz nachweislich so gut wie nichts, da der Fluss nur eine gewisse Menge Fische ernähren kann. Besatz wirkt hier so, als würde man Wasser in einen vollen Eimer gießen. Die überzähligen Fische finden nicht genügend Nahrung, und wandern rasch ab. Wirksamer wäre die Verbesserung der Struktur für mehr Schutz und bessere Nahrungsgründe für Jungfische (Siehe Blockwurf und Biber), oder einfach zu warten bis die Gusen über die Jahre von selbst mehr Strukturen wie große Baumwurzeln entwickelt.
Sind Räuber ein Problem?
Bekanntermaßen sind Fischräuber ein heiß diskutiertes Thema in Fischereikreisen. Bei den Erhebungen in St. Georgen wurden keine Hinweise auf Probleme durch fischfressende Tiere wie z.B. Fischotter, Reiher oder Kormoran festgestellt.
Ich habe bei der Gemeinde angeregt, anstelle von Besatzfischen, in die oben genannten Strukturmaßnahmen zu investieren. So könnte den Fischkartenbesitzer:innen langfristig ein ansprechendes Fischwasser angeboten, und gleichzeitig der Artenreichtum der Gusen gefördert werden
Manche meinen, dass in der Gusen heute weniger Fische wären, weil sie aufgrund von Wasserreinigungsmaßmahmen wie Kläranlagen „zu sauber“ sei. Dass dem nicht so sein, kann zeigt ein Blick auf die viel sauberere Donau, die ja in dem Fall fischleer sein müsste. Was sie aber nicht ist.
Dass es wohl für den Fischbestand kein Nachteil war, dass in alten Zeiten z.B. Schlachtereien ihre Abfälle direkt in die Gusen warfen, mag sein. Aber ich denke nicht, dass wir dahin zurückwollen. Tatsächlich ist der Fischbestand in der Gusen sehr hoch. Aber sauber ist sie bekanntlich ja auch nicht wirklich.