Bad Ischl als Museum der teuren Luxuswohnungen?
Der Wohnungsmarkt in Bad Ischl ist angespannt. Wer eine Mietwohnung sucht, wird mit weniger als 1.000 EUR pro Monat nur für die Miete wohl nicht fündig. Wer als Single mit Berufseinstieg eine erste Wohnung sucht, zahlt schnell das Dreifache dessen, was noch vor ein paar Jahren üblich war. Die Stadt wird langsam zum Museum der teuren Luxuswohnungen im freien Eigentumssegment.
Freier Markt klingt nach Freiheit. Tatsächlich bedeutet es oft: Wer nicht ausreichend Geld hat, schaut zu, wie die Stadt teurer wird. Ein privater Investor schaut auf Rendite. Das ist legal, aber es ist nicht alles. Ein 70-Quadratmeter-Apartment für eine junge Familie zu 10 Euro Miete pro Quadratmeter ist als Investment uninteressant. Und so entstehen neue Bauten, neue Investmentprojekte, immer in die gleiche Richtung: teuer & exklusiv. Bad Ischl braucht auch andere Antworten.
Als Grüne Bad Ischl wollen wir eine Stadt, in der alle Menschen Platz haben. Und das ist keine Nostalgie. Der Tourismus braucht Mitarbeitende. Schulen brauchen Schüler:innen und Lehrkräfte. Handwerk braucht Nachwuchs. Kultur braucht junge Menschen. Und alles das gibt es nur, wenn diese Menschen es sich leisten können, hier zu leben. Chancengerechtigkeit bedeutet nicht, dass alle gleich sind. Es bedeutet: Jeder hat eine Chance, sein Leben zu gestalten. Das ist grüne Politik für eine starke, vielfältige, lebenswerte Stadt.
Genau an diesem Punkt steht die ehemalige Mittelschule 2 in der Schulgasse. Ein Gebäude im Eigentum der Stadtgemeinde in zentraler Lage mitten im Kerngebiet. Der Schulbetrieb ist jetzt ausgezogen, das Haus sucht eine neue Aufgabe – und die Stadtgemeinde denkt über einen Verkauf nach. Medien haben ja bereits berichtet.
Sagen wir es ehrlich: Als Grüne verkaufen wir öffentliches Eigentum ungern. Grund und Boden in öffentlicher Hand ist Handlungsspielraum. Er ist das Instrument, mit dem eine Gemeinde auch in zehn, zwanzig, dreißig Jahren noch gestalten kann – Wohnen, Betreuung, Vereine, Kultur. Was einmal verkauft ist, ist weg. Zurückkaufen wird eine Gemeinde so eine Liegenschaft praktisch nie.
Ebenso ehrlich muss man aber über die Finanzen reden. Eine Eigenverwertung – also Sanierung und Umbau auf eigene Rechnung, mit der Gemeinde als Bauherrin und Vermieterin – wäre ein Projekt in Millionenhöhe. Dieses Geld ist leider nicht da. Und das Gebäude jahrelang leer stehen zu lassen und weiter Erhaltungskosten zu zahlen, hilft niemandem.
Deshalb tragen wir eine mögliche Ausschreibung zum Verkauf mit. Aber nicht als reinen Höchstbieterverkauf. Wenn die Stadt schon Eigentum abgibt, dann muss sie sich dafür etwas zurückholen, das mehr wert ist als der letzte Euro am Kaufpreis: leistbares Wohnen, dauerhaft und vertraglich abgesichert. Wir verkaufen nicht einfach eine Immobilie. Wir verkaufen ein Versprechen an die Stadt.
Folgende Bedingungen haben wir zur Diskussion gestellt:
- Zwei Drittel der verfügbaren Flächen sollen Mietwohnungen werden. Wohnungen für Menschen, die hier arbeiten und leben wollen.
- Starterwohnungen mit Preisbindung und festgeschriebener Bindungsdauer. Bad Goisern und viele andere Gemeinden sind hier schon weiter.
- Der Rest kann der Käufer/die Käuferin frei bewirtschaften – Gewerbe, Büro, gehobene Wohnungen. Das bleibt ein Geschäftsmodell.
- Der Durchgang zwischen Schulgasse und Wirerstraße bleibt dauerhaft und uneingeschränkt öffentlich zugänglich, der Vorplatz an der Schulgasse bleibt unbebaute Grünfläche.
Die MS Schulgasse ist ein aktuelles Projekt. Aber es steht für eine größere Frage: Wem gehört die Stadt? Gehört sie den Menschen, die hier arbeiten, leben, Kinder großziehen?
Wir sagen: ja!