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    Barrierefreiheit
07.10.2026 Allgemein

Augen auf, Ohren auf, Kinder sind da!

Kreuzung

 

Wisst ihr, was es bedeutet, wenn ein Kind beim Zebrastreifen seine Hand hebt? Es hat in einer Verkehrsschulung gelernt, Autofahrenden so zu zeigen „ich möchte hier die Straße überqueren“. Dabei besagt die Straßenverkehrsordnung (§9, Abs. 2) eigentlich, dass Fahrzeuge ohnehin stehen bleiben müssen, wenn jemand den Zebrastreifen erkennbar queren will. Und was wird ein Kind, das am Fahrbahnrand vor dem Zebrasteifen steht, wohl vorhaben?

 

Natürlich ist hier der Hintergedanke, die Sicherheit zu erhöhen. Aber es wirkt halt wieder einmal so, als würden wir unseren Kindern Verhaltensweisen im Straßenverkehr lernen, damit ja die Erwachsenen nicht „ausgebremst“ werden. Ja nur nicht einmal zuviel vor einem Zebrastreifen stehenbleiben, obwohl es vielleicht gar nicht nötig war.

 

Unsere Kinder lernen auch, dass sie mit dem Fahrrad so weit rechts wie möglich fahren sollten, um von hinten kommende Autos nicht zu behindern. Dabei ergeben sich mehrere Probleme: einerseits laufen die Kinder damit Gefahr ins Bankett zu kommen oder bei parkenden Autos mit plötzlich öffnende Türen zu kollidieren (Dooring-Unfälle sind innerstädtisch extrem gefährlich). Andererseits neigen Autofahrende dazu, die aus gutem Grund vorgeschriebenen Seitenabstände dann nicht einzuhalten. „Geht sich ja eh aus“.

 

Im Prinzip lernen wir den Kindern, dass sie besonders vorsichtig sein sollen, weil sich die anderen sowieso nicht an die Regeln halten.

 

Es gibt noch jede Menge Beispiele, wo die Verantwortung für Verkehrssicherheit auf die Kinder „abgeschoben“ wird, um nur ja nicht den „richtigen“ Verkehr aufzuhalten. Dabei ist in der STVO eigentlich schon eingebaut, dass Kinder eben nicht als vollwertig „vertrauenswürdige“ Verkehrsteilnehmer*innen anzusehen sind. §3 Abs. 1 der STVO ist der bekannte Vertrauensgrundsatz und aus diesem sind unter anderem Kinder explizit ausgenommen. Und Absatz 2 besagt, dass sich Lenker:innen eines Fahrzeuges eben diesen Personengruppen gegenüber besonders vorsichtig zu verhalten haben.

 

Kinder sind bei Mobilität entweder darauf angewiesen transportiert zu werden, oder sich selber sicher bewegen zu können. Also mit Fahrrad, Scooter oder zu Fuß, ohne unnötige Gefährdung. Und hier dreht sich das Bild dann leider sehr schnell. Jeder Meter geschützter Radweg muss hart erkämpft werden („ist ja nur für die Freizeitsportler:innen und Tourist:innen“). Gehwege sind beliebte „eh nur kurz“ Parkplätze. Und vor den Schulen herrscht morgens Chaos durch die Elterntaxis, die auch deshalb genutzt werden, weil es durch die vielen Elterntaxis vor den Schulen so gefährlich ist. Verkehrsinfrastruktur, die vor allem auch Kindern zugute kommt, wird als absolut nachrangig bewertet, teilweise geradezu störend.

 

 

Und ja, zur ganzen Wahrheit gehört auch, dass speziell aber der Pubertät Kinder dazu neigen, Blödsinn zu machen und sich nicht an alle Regeln zu halten. Aber einerseits, genau deshalb sollten wir als Erwachsene noch vorsichtiger sein und andererseits leben genügend Erwachsene den Kindern vor, dass zB zu schnell fahren oder gefährlich überholen eh nur ein Kavaliersdelikt ist.

 

Schauen wir bitte gemeinsam darauf, dass wir Kindern die Teilnahme am Verkehr sicher ermöglichen. Und nicht ihnen die Verantwortung übertragen.