Altbausanierung mit Charme
Bettina und Martin haben sich bewusst für eine Bestandssanierung entschieden und mit nachhaltigen Materialien, viel Liebe zum Detail und kreativer Handwerkskunst ein außergewöhnliches Heim mit einer Mischung aus Alt & Neu geschaffen.
War es für Euch von vornherein klar, ein altes Haus zu sanieren oder stand auch ein Neubau zur Diskussion?
Da das Haus immer schon in unserem Familienbesitz war und mein Großvater vor der Übergabe bereits Sanierungsmaßnahmen durchführen hat lassen, war es für uns klar, dass wir es weiter sanieren würden. Hätten wir einen Sanierungsfall vorab erwerben müssen, wären wir vielleicht auch einen anderen Weg gegangen.
Welches Ausmaß hatte eure Sanierungsmaßnahme?
Der Dachstuhl, die Dacheindeckung sowie die oberste Geschoßdecke wurden noch von Martins Großvater im Jahr 2011 erneuert. Die wichtigsten Erneuerungen oder Verbesserungen waren der Einbau einer gedämmten Bodenplatte, da diese vorher nicht vorhanden war, die Erneuerung des Heizsystems und Umstellung auf Fußbodenheizung, das Erneuern aller Fenster und die thermische Dämmung der Dachhaut. Da unsere Mauern teilweise eine Stärke von 70cm haben, mussten wir nicht alle Außenwände dämmen und konnten so Mehrkosten einsparen.
Welche Förderungen konntet ihr in Anspruch nehmen?
Förderung haben wir eigentlich nur für den Einbau einer Holzheizung beantragt und auch erhalten. Das Prozedere war dabei relativ einfach und rasch. Für die thermische Sanierung konnten wir leider keine Förderung in Anspruch nehmen, da wir, wie bereits erwähnt, nicht alle Außenwände gedämmt haben. Für uns war das allerdings ein guter Kompromiss, den wir wieder so umsetzen würden. Dieses Jahr möchten wir noch eine Photovoltaikanlage am Dach installieren, für welche wir auch eine Förderung erhalten werden.
Wie seid ihr an die Umbauten herangegangen?
Wir haben im Jahr 2013 mit der Renovierung einer kleinen 65m² Wohnung im Erdgeschoß gestartet. Im Februar 2015 sind wir dann in diese Wohnung eingezogen. Erst danach haben wir uns genaue Gedanken gemacht, wie wir das Ganze so ungefähr angehen wollen. Im Sommer 2016 starteten wir dann mit den ersten größeren Arbeiten in Zusammenarbeit mit unserem Baumeister Hans Joachim Stadler, der auch wesentlich mitverantwortlich ist, dass der gesamte Umbau so realisiert worden ist.
Welche Materialien habt ihr verwendet, war euch der Nachhaltigkeitsfaktor wichtig? Sind nachhaltige Rohstoffe im Preisvergleich leistbar? Wo habt ihr Abstriche gemacht?
Bei der Materialauswahl war uns eine gute Balance zwischen Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Wohnqualität wichtig. Der Preis von nachhaltigen Materialien variiert, weil er immer ein Mix aus Materialkosten und Installationskosten ist. Für die Dämmung der Dachhaut haben wir uns beispielsweise für eine Zellulosedämmung entschieden. Da wir aber nicht alle Außenwände dämmen mussten, haben wir uns für eine Hanfdämmung entschieden, obwohl Material als auch Verarbeitung erheblich teurer ist.
Der Putz an Außen- und Innenwänden ist bei uns traditionell mit einem Kalk-Sandgemisch realisiert worden, welches zwar sehr günstig, aber in der Verarbeitung sehr aufwändig ist. In diesem Fall haben wir versucht, durch Eigenleistung die Kosten zu senken.
Das Interieur eures Hauses ist außer-gewöhnlich ansprechend. Wer hat hier die kreative Ader mit diesen tollen Ideen?
Bei der Materialienauswahl des Interieurs wollten wir bewusst Materialien verwenden, welche zum Charakter des Hauses passen. Einige Erbstücke haben wir übernommen und restauriert. Die Küche wollten wir allerdings eher modern gestalten, da uns das sehr gut gefällt. Das Ganze ist somit ein Mix aus Alt und Neu. Bettina hat sich vorab in diversen Magazinen, Büchern oder bei Projekten im Bekanntenkreis immer sehr genau informiert und auch auf alle Details geachtet. Geholfen hat auch, dass Bettina aus einer Tischlerfamilie kommt. Die Küche sowie die Stiege hat Bettinas Bruder entworfen und gebaut. Die Vollholztüren wurden von meinem Schwiegervater handwerklich sehr aufwendig hergestellt. Ohne deren Hilfe wäre das Ganze sicher nicht in dieser Qualität realisiert worden.
Der Trend zum Fertighaus ist bei vielen so beliebt, da das Fertigstelldatum ziemlich genau berechnet werden kann. Wann wird euer Heim fertig sein?
Also für uns war eigentlich von Anfang an klar, dass der Umbau einen längeren Zeitraum beanspruchen wird. Trotzdem hatten wir immer wieder Phasen, in welchen wir uns eine schnellere Fertigstellung gewünscht hätten. Wir sind zwar nach wie vor noch nicht ganz fertig, allerdings können wir das Haus mittlerweile uneingeschränkt voll nutzen. Über den langen Zeitraum konnten wir doch vermehrt unsere eigenen Vorstellungen und Ideen gut einbringen und auch umsetzen. Einen Fertigstellungstermin würden wir auch jetzt nicht nennen wollen, da sich immer Kleinigkeiten ändern oder man neue Ideen und Wünsche hat. Die zukünftigen Arbeiten am Haus sind allerdings in einem Umfang, den wir in Eigenleistung durchführen können.
Welche Tipps habt ihr für Häuslbauer/ Sanierer:innen?
Speziell beim Sanieren sollte man sich immer mehrere unterschiedliche Lösungsvarianten vor Augen führen. Was ich zusätzlich empfehlen kann ist, sich für die Entscheidungsfindung die nötige Zeit zu geben. Wir sind eigentlich öfters vor der Situation gestanden, dass uns keine der angebotenen Lösungen zufriedengestellt hat. Wir haben in solchen Situationen häufig das Problem vor uns hergeschoben und es zu einem späteren Zeitpunkt von Neuem betrachtet. Oft hat sich dadurch ein neuer, besserer Lösungsansatz ergeben.