Zwischen Yoga, Klopapier und Krisenpolitik
Eine schreckliche Schlagzeile jagt die nächste.
Krise hier. Sparpaket dort. Krieg. Teuerung. Klimakatastrophe.
Wie geht man damit um? Eine gesunde Routine finden?
Yoga am Morgen. Tief durchatmen.
Während wir im Krieger 2 stehen, fällt uns ein:
Klopapier ist fast aus. Schnell auf die Einkaufsliste.
Eine Stunde später: E-Mails, Deadlines, Nachrichten-Apps.
Die Entspannung ist wieder weg.
Zu Mittag eine Meditation.
Essen kochen nicht vergessen.
Wäsche in die Maschine.
Geschirrspüler ausräumen.
Haustier raus.
Hat Oma noch Milch?
Das gesunde Menü wartet. Essen ganz ohne Ablenkung. Jetzt wieder mit voller Energie in den Nachmittag.
Die Energie geht trotz Espresso flöten. Wieso eigentlich? Ich hatte doch heute schon eine Endentspannung und Meditation.
Am Abend noch Sport – effizient natürlich. Gerade Frauen ab 40 brauchen doch regelmäßig Krafttraining. Nicht vergessen, dazwischen nochmal den Geschirrspüler einzuschalten. Vitamin D und Omega 3 schon eingenommen?
…
Mental Load ist kein Modewort.
Es ist dieses permanente Mitdenken. Organisieren. Funktionieren.
Und während wir alles am Laufen halten, wirken wir stark.
Doch vielen geht es gar nicht so gut, wie es scheint.
Rund ein Viertel der Menschen in Österreich erlebt innerhalb eines Jahres eine psychische Erkrankung. Der Bedarf steigt – doch kassengeförderte Therapieplätze sind begrenzt, Wartelisten lang. „Psychotherapie wird jetzt ganz bezahlt“ klingt gut – ist aber keine Realität und für Psychologen nicht umsetzbar.
Gerade in Oberösterreich wird im Sozialbereich gespart, während die Belastungen wachsen. Der Sozialstaat fängt vieles ab – aber oft erst dann, wenn bereits alles gekippt ist.
Was fehlt, ist Unterstützung in jener Phase, in der man noch funktioniert – aber innerlich längst kämpft.
Psychische Gesundheit sollte so selbstverständlich sein wie Zahnhygiene.
Wir warten ja auch nicht mit dem Zähneputzen, bis alle Zähne gezogen werden müssen. Prävention ist normal. Kontrolle ist selbstverständlich. Niemand schämt sich für einen Zahnarzttermin -> Bei der SVS gab es letztes Jahr sogar einen Zahn Belohnungs 100er.
Warum gibts das nicht für die mentale Vorsorge? Und wieso schämt man sich noch für Therapie?
Und ja – es wirkt absurd:Wer raucht, hat es bei Zusatzversicherungen oft leichter als jemand, der bewusst Therapie in Anspruch nimmt. Sich kümmern darf kein Nachteil sein.
Was jetzt zu tun ist
Nicht nur zuschauen. Nicht nur schimpfen.
Sondern handeln – und verbessern.
Wir brauchen:
- Niederschwellige Beratungsangebote in allen Regionenin OÖ
- Mehr vollfinanzierte Therapieplätze in Oberösterreich
- Prävention in Schulen und Betrieben – so selbstverständlich wie Zahnhygieneprogramme
- Klare Entstigmatisierung
- Faire Regeln im Versicherungswesen
Politik heißt: erkennen, handeln, evaluieren, nachschärfen.
Aber Nichtstun hilft niemandem.
Und wir selbst?
Bitte reden wir offen darüber.
Viele tragen mehr, als man ihnen ansieht.
Ein ehrliches „Wie geht es dir wirklich?“ kann mehr bewirken als jede To-do-Liste.
Hilfe frühzeitig zu suchen ist kein Scheitern. Es ist Stärke.
Und füreinander da zu sein ist keine Schwäche – es ist gesellschaftliche Verantwortung.
„Psychische Gesundheit beginnt nicht erst im Zusammenbruch – sie beginnt dort, wo wir aufhören, nur zu funktionieren und anfangen, ehrlich hinzuschauen.“