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31.08.2026 Allgemein

Über Mann* und Frau* im Gesundheitswesen

Ein Kommentar von Sarah Baumbach

 

Ich bin Ergotherapeutin. Eine Patientin von mir erzählte von ihrem letzten Hausarztbesuch. Natürlich musste der Termin recht schnell gehen, ÄrztInnen haben heutzutage ja kaum mehr Zeit. Heraus kam wie so oft: „Sie haben Arthrose, da kann man nichts machen.“ Der Klassiker…

Es hat sich die letzten Jahre viel getan, vor allem gesellschaftlich. Ich habe das Gefühl, dass wir in einer Umbruchphase sind. Frauen trauen sich mehr zu: machen den Mund auf, setzen Grenzen, fühlen sich freier und selbstbestimmter. Aber es ist noch ein weiter Weg. Und das vor allem auch in der sogenannten Gendermedizin, auch geschlechtersensible Medizin genannt.

Wie kann es sein, dass Frauen in der Medizin noch immer unterrepräsentiert sind, obwohl sie fast die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmachen? In der Forschung, Behandlung, Prävention…

Bei Frauen hilft es in der Medizin genauer hinzuschauen. Viele Krankheitssymptome sind bei ihnen ganz anders als bei Männern.

Nehmen wir als Beispiel den Herzinfarkt: Während sich dieser bei Männern oft mit einem Stechen in der Brust bis in den linken Arm ziehend zeigt, können es bei Frauen völlig andere Symptome sein (Übelkeit, Erbrechen, Rücken- oder Nackenschmerzen, Atemlosigkeit, etc.). Aus diesem Grund kommen Frauen im Durchschnitt etwa 2 Stunden später in die Notaufnahme, kostbare Zeit geht verloren.

Die (medizinische) Forschung hat jahrhundertelang den Mann als Forschungs-Standard hingestellt, mit dem Ergebnis, dass zum Beispiel Schlafmittel für Frauen oft zu hoch dosiert sind. Am Tag nach der Einnahme haben diese dann häufiger einen Autounfall als Männer. Ist das nicht beängstigend?

Es gibt so viele körperliche Unterschiede. In der Anatomie, im Erbgut, im Stoffwechsel, Hormonhaushalt und im Immunsystem. Da ist kein schwarz/weiß denken möglich, unser Körper ist so viel komplexer. Wir Menschen sind individueller!

Ich bin dafür, dass diese Individualität besser gesehen wird. Und wenn wir schon bei dem Thema sind: Ja, es gibt nicht nur Männer und Frauen, sondern auch einiges dazwischen. In diesem Bereich fängt das Verständnis in der Gesellschaft gerade erst an.

Übrigens, das derzeit patriarchale Gesundheitssystem hat auch negative Folgen für Männer. Auch sie werden einem Idealbild entsprechend behandelt und da werden oft Depressionen oder Brustkrebs verspätet erkannt.

Also: Lasst uns (Frauen, Männer und alle dazwischen) mutig sein und sichtbar werden! Hinterfragen wir das medizinische System und fordern Individualität!

Wie es meiner Patientin geht? Etwas besser. Natürlich kann auch ich nicht zaubern, selbstverständich kann man auch als Ergotherapeutin nicht alle Erkrankungen heilen. Aber man kann gewisse Symptome positiv und negativ beeinflussen und diese Informationen an die unterschiedlichen Lebenssituationen individuell weitergeben. Und auch das wünsche ich mir, dass PatientInnen zugehört wird. Für mehr Lebensqualität.

Mit therapeutischen Grüßen,

Sarah Baumbach