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22.02.2026 Allgemein

Smash the patriarchy, men!

Eines vorneweg: diesmal richte ich mich mit meinem Kommentar ausdrücklich an Männer. Und wenn du dich von diesem Text sehr angesprochen fühlst, dann wahrscheinlich nicht ganz ohne Grund.

Wahrscheinlich sind die Empfänger dieses Newsletters aber nur bedingt die notwendige Zielgruppe. Aber auch wir müssen noch viele Schritte in die richtige Richtung gehen.

Die Olympischen Spiele haben für mich wieder einmal deutlich gezeigt, wie tief patriarchale Denkmuster in unserer Gesellschaft verankert sind. Da steht eine erfolgreiche Sportlerin, die jahrzehntelang auf diesen Wettkampf hingearbeitet hat, Leistungen erbringt, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären, und mehr Talent im kleinen Finger hat als die meisten von uns im ganzen Körper – und trotzdem wird sie auf „schön anzusehen“, „gut gebaut“ oder „die Freundin von …“ reduziert.
Mit solchen Aussagen werden Frauen ganz nebenbei zur hübschen Dekoration gemacht.

Und das ist nur ein Beispiel.

Wie oft höre ich in Gesprächen den Satz: „Ich helf eh schon im Haushalt mit.“ Nein, man hilft nicht mit – man ist Teil davon. Es ist nicht „ihr“ Haushalt, in dem man „sie unterstützt“. Es ist ein gemeinsamer Haushalt, der gemeinsam genutzt und folglich auch gemeinsam erledigt werden muss. Ein Mann hat kein besonderes Lob verdient, wenn er einmal den Geschirrspüler einräumt.

Ganz selbstverständlich werden die Pflege von Angehörigen, Kindererziehung und Haushalt weiterhin Frauen zugeschrieben.

Viel zu oft werden Frauen außerdem wie eine Art Besitz behandelt – vielleicht nicht bewusst, aber unterschwellig. Das beginnt bei Witzen darüber, ob „man die Frau allein auf Kur fahren lassen kann, wer weiß, was die dort aufführt“. In extremen Fällen endet diese Haltung in Femiziden, weil Frauen sich trennen wollen. Oder sie zeigt sich in prominenten Fällen wie den Systemen Epstein oder Pelicot.

Als Gegenargument höre ich dann oft, nur Männer aus „anderen Kulturkreisen“ würden Frauen unterdrücken oder belästigen. Das stimmt nicht. Wenn man eine Frau fragt, wer sie zuletzt belästigt hat, dann ist die einzige verlässliche Gemeinsamkeit sehr wahrscheinlich: Es war ein Mann. Und die Statistiken zeigen eindeutig, es ist vollkommen egal aus welchem kulturellen, sozialen oder finanziellen Background diese Männer kommen.
Damit wird für mich noch etwas klar: Wir sprechen viel über Frauen, aber viel zu selten mit ihnen – und noch seltener hören wir ihnen wirklich zu. Ich bin überzeugt: Wir Männer können konkret etwas tun. Wir müssen Frauen als gleichwertige Menschen begreifen – und das auch im Alltag zeigen.

Wenn man mal weiß, was mit dem Begriff Mansplaining gemeint ist, fällt einem selbst erst auf, wie oft man das macht – natürlich immer „nur gut gemeint“.
Man sollte auch versuchen sich bewusst zu machen, was die eigene Mutter, die Partnerin oder die Schwester tagtäglich leisten. Sich vor Augen führen, wie anstrengend das ist.
Ich kommentiere keine Outfits oder das Aussehen von Frauen, schon gar nicht ungefragt. Das steht mir nicht zu. Und es wird auch oft genug nicht als das Kompliment aufgefasst, das man vielleicht versucht zu machen.

Gemeinsam können – und müssen – wir dieses überkommene Weltbild überwinden, in dem Männer dominieren und Frauen in den Hintergrund gedrängt werden. Das betrifft alle Altersgruppen und alle kulturellen Kontexte.

Und noch etwas: wer sich denkt „Man weiß ja gar nicht mehr, was man sagen darf“, dann gibt es eine einfache Grundregel: man sollte es lassen. Ziemlich sicher ist es dann unangebracht!