KLAR! Perg klimafit machen!
Perg klimafit machen: Anpassung wird zur Frage der Lebensqualität
Perg ist eine lebenswerte Stadt: rund 9.500 Menschen leben hier, die Stadt ist Schul- und Ausbildungszentrum sowie regionales Verwaltungs-, Gesundheits- und Wirtschaftszentrum. Genau deshalb ist Klimawandelanpassung kein Randthema, sondern eine zentrale Frage der Lebensqualität. Die Stadtgemeinde selbst weist für Perg rund 9.500 Einwohnerinnen und Einwohner aus.
Der Sommer 2026 zeigt deutlicher denn je, worum es geht. Österreich erlebte bereits zwei markante Hitzewellen. Am 5. August wurden in Bad Deutsch-Altenburg 41,2 Grad gemessen – ein neuer österreichischer Temperaturrekord. In der Hitzewelle Anfang August erreichten elf Messstationen mindestens 40 Grad, vielerorts wurden neue Stationsrekorde und außergewöhnlich warme Nächte registriert. Gleichzeitig herrscht extreme Trockenheit: Laut GeoSphere Austria waren die zwölf Monate bis August 2026 österreichweit die trockenste vergleichbare Periode seit Beginn der Messgeschichte 1850. In Oberösterreich lag die Niederschlagsmenge vom Jahresbeginn bis 12. August rund 42 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.
Für Perg ist das keine abstrakte Entwicklung.
Die Klimawandel-Anpassungsmodellregion KLAR! Perg befindet sich seit 1. Juli 2026 offiziell in ihrer zweijährigen Umsetzungsphase. Gemeinsam arbeiten Arbing, Perg und Schwertberg daran, die Region widerstandsfähiger gegen Hitze, Trockenheit, Starkregen und weitere Folgen des Klimawandels zu machen. Ein aktueller Schwerpunkt ist bereits die Hitzeanpassung: In den Gemeinden werden besonders heiße Bereiche, kühle und schattige Aufenthaltsorte sowie hitzesensible Alltagswege erhoben. Auch öffentliche Trinkwasserstellen werden erfasst und Möglichkeiten für zusätzliche Angebote geprüft.
Warum ist das so dringend?
Weltweit steigen die energiebedingten CO₂-Emissionen weiterhin. Nach den neuesten Zahlen der Internationalen Energieagentur erreichten sie 2025 mit knapp 38,4 Milliarden Tonnen erneut einen historischen Höchststand. Der Anstieg verlangsamte sich zwar auf rund 0,4 Prozent, aber die Emissionen gingen global noch immer nicht zurück. Auch die Konzentration von CO₂ in der Atmosphäre bleibt auf Rekordniveau. Die jüngsten verfügbaren NOAA-Monatsdaten vom Mauna Loa zeigen für Juli 2026 einen Mittelwert von 429,12 ppm gegenüber 427,87 ppm im Juli 2025.
Europa ist besonders betroffen. Der aktuelle europäische Klimabericht für 2025 bestätigt, dass Europa die sich am schnellsten erwärmende WMO-Region ist und sich ungefähr doppelt so schnell erwärmt wie der globale Durchschnitt. Die jüngsten Fünfjahresmittel liegen für Europa bei rund 2,4 Grad über dem vorindustriellen Niveau, global bei etwa 1,4 Grad.
Hitze ist deshalb nicht einfach „Sommerwetter“.
Sie ist eine Gesundheitsgefahr. Die GeoSphere Austria bezeichnet Hitze mittlerweile als die tödlichste Naturgefahr in Österreich. Besonders problematisch sind längere Hitzeperioden, in denen auch die Nächte kaum Abkühlung bringen. Die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass hohe Temperaturen unter anderem Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und Nierenerkrankungen verschärfen können. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kleinkinder, chronisch Kranke und Menschen, die im Freien arbeiten.
Für Perg heißt das:
Klimaanpassung muss in Gebäuden konkret werden. Neubauten und Sanierungen müssen nicht nur darauf ausgerichtet sein, im Winter möglichst wenig Heizenergie zu benötigen. Sie müssen auch im Sommer funktionieren. Außenliegender Sonnenschutz, gute Dämmung von Dach und Fassade, geeignete Fensterflächen, sinnvoll eingesetzte Speichermasse und konsequente Nachtlüftung können die Überhitzung deutlich reduzieren. klimaaktiv empfiehlt, Hitze möglichst gar nicht erst in Gebäude gelangen zu lassen: Außenliegende Jalousien oder Rollläden gehören zu den wirksamsten Maßnahmen; auch Dämmung und massive Baustoffe spielen beim sommerlichen Wärmeschutz eine wichtige Rolle.
Passive Maßnahmen sollten dabei immer an erster Stelle stehen.
Wo sie nicht ausreichen – etwa in stark belasteten Bestandsgebäuden, Ordinationen, Pflegeeinrichtungen, Büros oder Schulen – wird aber auch aktive Kühlung zunehmend ein Thema. Entscheidend ist, dass sie effizient geplant und möglichst mit erneuerbarem Strom betrieben wird. Wärmepumpen mit geeigneter Kühlfunktion und effiziente Klimageräte können Teil dieser Lösung sein. Photovoltaik passt grundsätzlich gut dazu, weil ein großer Teil des Kühlbedarfs tagsüber entsteht, wenn auch viel Sonnenstrom produziert wird. Allerdings braucht es eine Gesamtplanung aus Gebäudeschutz, effizienter Technik, Stromnetz und gegebenenfalls Speichern.
Wie groß die Herausforderung ist, zeigen aktuelle Zahlen der Internationalen Energieagentur:
Der weltweite Stromverbrauch für Raumkühlung ist seit 2015 um rund 50 Prozent gestiegen und liegt inzwischen bei etwa 2.900 Terawattstunden – mehr als der gesamte jährliche Stromverbrauch der Europäischen Union. Besonders wichtig sind deshalb effiziente Geräte und Gebäude, die möglichst wenig aktive Kühlung benötigen.
Auch thermische Bauteilaktivierung gehört stärker in die Planung.
Dabei werden Rohrleitungen in massiven Bauteilen wie Betondecken verlegt, durch die Wasser zum Heizen oder Kühlen geführt wird. Der Klima- und Energiefonds weist darauf hin, dass sich solche Systeme besonders gut mit erneuerbaren Energien kombinieren lassen. Eine ressourcenschonende sommerliche Kühlung kann beispielsweise über Erdwärmetauscher oder – wo technisch und wasserrechtlich geeignet – über Grundwasser erfolgen.
Mindestens ebenso wichtig ist aber der öffentliche Raum.
Perg braucht dort mehr Schatten, weniger unnötig versiegelte Flächen und einen besseren Umgang mit Regenwasser. Bäume, begrünte Fassaden und Dächer, entsiegelte Flächen, Grünzüge und sogenannte blau-grüne Infrastruktur können die Aufheizung reduzieren. Gerade bestehende große Bäume sind besonders wertvoll: Sie spenden Schatten, kühlen durch Verdunstung ihre Umgebung und verbessern die Aufenthaltsqualität. Deshalb sollte der Erhalt alter Bäume mindestens denselben Stellenwert haben wie Neupflanzungen. Neue Bäume wiederum brauchen ausreichend Wurzelraum, geeignete Böden und langfristig gesicherte Wasserversorgung.
Dabei geht es nicht nur um Hitze.
Entsiegelte Flächen und ausreichend dimensionierte Grünräume können Regen aufnehmen und speichern. Das hilft bei Starkregen ebenso wie in Trockenperioden. Statt Niederschlagswasser möglichst rasch über die Kanalisation abzuleiten, sollte es – wo möglich – vor Ort zurückgehalten, versickert und für die Bewässerung genutzt werden. Klimaanpassung bedeutet damit auch, Perg Schritt für Schritt nach dem Prinzip einer „Schwammstadt“ weiterzuentwickeln.
Wo kurzfristig zusätzliche Abkühlung notwendig ist, können auch technische Lösungen wie Sprühnebel oder Wasserelemente eine Ergänzung sein – beispielsweise auf stark versiegelten Plätzen oder bei Veranstaltungen. Solche Anlagen müssen allerdings professionell geplant und hygienisch einwandfrei betrieben werden. Die AGES weist darauf hin, dass mit Legionellen belastete Wasser-Aerosole gesundheitlich gefährlich sein können. Sprühnebelsysteme sind daher kein Ersatz für Bäume und Beschattung, sondern allenfalls eine gezielte Ergänzung.
Ebenso wichtig ist der Zugang zu Trinkwasser.
Dass die KLAR! Perg bereits bestehende öffentliche Trinkwasserstellen erhebt und eine regionale Initiative zum kostenlosen Auffüllen mitgebrachter Trinkflaschen vorbereitet, ist ein sinnvoller erster Schritt. Auf dieser Grundlage lässt sich erkennen, wo zusätzliche Trinkmöglichkeiten tatsächlich fehlen.
Auch die Landwirtschaft rund um Perg steht vor großen Herausforderungen.
Die extreme Trockenheit 2026 belastet Oberösterreich bereits massiv. Langfristig erhöhen Hitze, Trockenperioden und eine ungleichmäßigere Niederschlagsverteilung die Ertragsrisiken. Zukunftsfragen sind deshalb eine standortangepasste Sortenwahl, Humusaufbau, Bodenschutz, eine hohe Wasserspeicherfähigkeit der Böden sowie effiziente Bewässerung dort, wo sie ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll möglich ist. Österreich fördert im Projekt KLIMAFIT weiterhin die Entwicklung von Kulturpflanzen mit höherer Hitze- und Trockenheitstoleranz; für das laufende Projekt KLIMAFIT 3 stellen Bund und Länder gemeinsam 1,25 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung.
Die KLAR! Perg ist deshalb kein theoretisches Klimaprojekt. Sie kann zu einem Werkzeug werden, mit dem konkrete Probleme sichtbar gemacht, Prioritäten festgelegt und Maßnahmen umgesetzt werden. Dass derzeit bereits Hitze-Hotspots, kühle Orte, wichtige Alltagswege und Trinkwasserstellen untersucht werden, ist genau der richtige Ansatz: zuerst messen und analysieren, dann gezielt handeln.
Dabei darf Klimawandelanpassung nicht mit Klimaschutz verwechselt werden.
Wir brauchen beides. Anpassung hilft uns, mit den Folgen einer Erwärmung umzugehen, die bereits stattfindet. Klimaschutz entscheidet darüber, wie stark diese Erwärmung in Zukunft noch wird. Jede vermiedene Tonne CO₂ verringert die zusätzliche Belastung, an die sich kommende Generationen anpassen müssen.
Die gute Nachricht ist:
Viele dieser Maßnahmen machen Perg nicht nur klimafester, sondern unmittelbar lebenswerter. Mehr Schatten, gesunde Bäume, weniger versiegelte Flächen, bessere Gebäude, saubere Energie, attraktive öffentliche Räume und widerstandsfähige Böden nützen allen – nicht irgendwann, sondern schon heute.
KLAR! heißt deshalb für Perg: heute vorausdenken und handeln, damit unsere Stadt auch in den immer heißeren Sommern der Zukunft ein guter Ort zum Leben bleibt.