Gendermedizin
Ziel: Gerechtes und faires Gesundheitssystem für alle Menschen
Wer bin ich? Bild „Der wandernde Uterus“
Lange währender Mythos in der Medizingeschichte, der davon ausging, dass der Uterus im Körper umherwandert und für praktisch alle Frauenleiden verantwortlich gezeichnet wurde.
Stichworte:
Gender-BIAS
Health Data Gap
Fakt ist: Frauen sind keine kleinen Männer!
Vereine und Ambulanzen:
Verein Endopower; EVA (Endometriose-Verein-Austria), FEM (Frauen Eltern Mädchen); Infoplattform „Erdbeerwoche“; Verein für gender- und diversitätssensible Medizin; Verein Trans X; Spezialambulanzen: Endometrioseambulanzen, MECFS-Ambulanzen, Frauengesungheitszentrum Graz, …..
Blick in die Geschichte:
♀ Antike:
Das „Corpus Hippocraticum“ ist eine Sammlung von mehr als 60 antiken medizinischen Texten, die nach dem Arzt Hippokrates benannt wurde.
Mythos: Im antiken Griechenland und bis ins Mittelalter glaubte man, dass eine „Wandernde Gebärmutter“ die Ursache für die Gesundheitsprobleme der Frauen sei.
♀ Frauen hatten keine eigenständige Existenz. Aristoteles, der griechische Philosoph, führte die „Hysterie“ als Hauptgrund dafür an, warum Frauen als ungeeignet für die Teilnahme am Stadtstaat galten.
♀Es wurden aber trotzdem „heiltätige Frauen“ in den medizinischen Schriften erwähnt.
♀ Anfang des 12. Jhdts.
Erste schriftliche Aufzeichnungen einer Frau: Trota von Salerno (Chirurgin, Dermatologin, Gynäkologin)
Mitautorin der „Trotula von Salerno“ Sammlung medizinischer Schriften.
Die „Schola Medica Salernitana“ war die erste medizinische Fakultät Westeuropas, wenngleich sie nie als Universität bezeichnet wurde. Frauen durften studieren und lehren.
Trota zweifelte den „wandernden Uterus“ bereits an.
♀ Beginn der Neuzeit
Der Hebammenberuf wurde den Ärzten unterstellt.
Geburtshilfe wurde ein Teil des Chirurgiestudiums…
♀ Ende des 18. Jhdts. Unter Kaiser JosephII.:
1784 Gründung des „Findelhauses“.
Frauen aus ärmeren Schichten durften dort entbinden, waren aber den jungen Studenten als Studienobjekte ausgeliefert. Sterblichkeitsrate hoch (Kindbettfieber).
♀ Bis Ignaz Phillipp Semmelweiß den Zusammenhang von mangelnder Hygiene und Kindbettfieber erkannte. Einführung der Chirurgischen Händedesinfektion!
♀ 18. Jhdt.:
Erstmals wird zwischen „medizinischem“ und „sozialem Geschlecht“ unterschieden und individuelle Verhältnisse berücksichtigt (Alter, Gewicht, Konstitution, klimatische Verhältnisse,…)
Weiterhin war der männliche Körper die Norm. Der weibliche Körper war nur eine „Abweichung“.
Weiterhin wurden biologische Gründe hervorgebracht um Frauen „klein zu halten“ und ihnen leitende Positionen und politische Teilhabe zu verwehren.
„Frauen haben einen kleineren Kopf, weil sie nicht so gut denken können.“
♀ 19. Jhdt:
Das 19. Jhdt. war ebenso geprägt von männlicher Dominanz. Die Diagnose „Hysterie“ trieb weiterhin ihr Unwesen, und verursachte viel Leid durch grausame Behandlungen und Experimenten an Frauen.
♀ 20. Jhdt.:
Die ersten Medizinstudentinnen wurden in Österreich zugelassen.
♀ Frauen beginnen zu publizieren
♀ Frauen werden als Probandinnen in Medizin-Studien miteinbezogen.
♀ Der Nationalsozialismus mit dem zweiten Weltkrieg ändert alles. Frauen werden auf die Rolle als „Reproduktionsmaschine“ degradiert.
♀ Nach dem zweiten Weltkrieg werden wieder weibliche Probandinnen in Medizin-Studien inkludiert. Dies findet aber durch die Contergan-Affäre ein jähes Ende. Der Wirkstoff Thalidomid im zu testenden Schlafmittel Contergan verursachte bei Embryonen schwerste Schäden.
♀ 2007 – Frauen werden unter strengen Bedingungen wieder in Studien aufgenommen. Rate der in Studien eingeschlossenen Frauen steigt kontinuierlich.
♀ 2010 – Univ. Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer gründet den ersten Lehrstuhl für Gendermedizin in Wien.
♀ 2025 – Allianz Gesundheitsbarometer: Erste Veröffentlichung eines Berichtes nach Befragung – Frauen fühlen sich noch immer schlechter versorgt bzw. behandelt: „Werden nicht ernst genommen“, „Stell dich nicht so an!“ Glauben schließlich selbst, dass es nichts Ernstes ist und gehen dann nicht mehr zum Arzt. Zu späte, oder gar Fehldiagnosen sind die Folge.
♀ Fakt ist: Frauen sind keine kleinen Männer: Es gibt Unterschiede!
Frauen sind stärker von Autoimmunerkrankungen betroffen als Männer-
Männer sind stärker von Infektionen betroffen.
Männer sind stärker von Herz- Kreislauferkrankungen betroffen …
Symptome und Laborwerte sind bei den Geschlechtern unterschiedlich.
♀ Heute sprechen wir von
GENDERMEDIZIN – Ziel: Gerechtes und faires Gesundheitssystem für alle Menschen
Das Genderkonzept bezieht sich nicht auf ein Geschlecht, sondern betrachtet und analysiert die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Geschlechter, um daraus entsprechenden Handlungsbedarf abzuleiten; nicht die Gleichbehandlung der Geschlechter, sondern die gleichwertige Berücksichtigung ihrer Realitäten und Bedürfnisse ist das Ziel!