E-Autos, the good, the bad and the “des stimmt so goa ned”
Mobilität ändert sich. Ständig und überall. Während die meisten Menschen über Jahrtausende vor allem zu Fuß gingen, haben sich in den letzten ca. 200 Jahren mehrere Verkehrsmittel etabliert, die größere Distanzen oder den Transport von mehr Gütern erlaubten.
Und eine der einschneidendsten Entwicklungen in dieser Zeit war sicher die Erfindung des Autos inklusive LKWs. Im Vergleich zu Zügen oder Schiffen war die Infrastruktur vergleichsweise leichter anpassbar, gegenüber Kutschen und Fuhrwerken ließ sich mehr und schneller transportieren und die „Motoren“ wurden auch nicht müde.
Die Hauptantriebsform hier war nach wenigen Jahrzehnten auch klar definiert der Verbrennermotor auf Erdölbasis, sei es Benzin oder Diesel. Technologien wie Dampfmotoren waren nicht wirklich praktikabel und elektrische Antriebe noch nicht ausgereift.
Heute steht hier die nächste Transformation an. Der Verbrennermotor wird über kurz oder lang aus verschiedenen Gründen verdrängt werden und andere Antriebskonzepte übernehmen. Der wahrscheinlichste Kandidat hier ist der batterieelektrische Antrieb. Ob das der Weisheit letzter Schluss ist oder nicht, darüber lässt sich natürlich diskutieren, die Realität zeigt aber, dass es erstmal voraussichtlich dorthin gehen wird.
Ich möchte in diesem Text möglichst neutral über das Konzept schreiben. Speziell bei Autos schwingt sehr viel Emotion mit, die oft die objektiven Punkte in den Hintergrund drängt. Und auch weil so viele Emotionen mit dem Thema verbunden sind, wird oft über Vor- und Nachteile diskutiert und es sind auch sehr viele Mythen im Umlauf, die immer wieder genannt werden.
Beginnen wir mit den Nachteilen:
Wie jede Technologie haben natürlich auch batterieelektrische Autos ihre Nachteile. Das sind Punkte wie das Gewicht, dass durch die benötigten Akkupacks im Schnitt höher liegt als bei klassischen Verbrennern. Ein solcher Akku hat gut und gerne um die 500kg. Das hat auch Auswirkungen auf den Reifenabrieb, der bei gleichen Autogrößen bei E-Autos oft höher ist (auch durch das sehr hohe Drehmoment, das zu starken Beschleunigungsvorgängen animiert) und damit zur Feinstaubbelastung beiträgt.
Der größte Nachteil am E-Auto ist aber gar nicht im Antrieb zu suchen. Es ist halt immer noch ein Auto. Unabhängig vom Antrieb handelt es sich um eine relativ ineffiziente Art der Fortbewegung. Meist sitzt eine Person in einem Gefährt mit 1,5 Tonnen oder mehr und die meiste Zeit steht das Fahrzeug ohnehin herum. Indes müssen große Flächen für den motorisierten Individualverkehr errichtet und erhalten werden und damit auch versiegelt.
Autos allgemein machen Lärm. Auch wenn ein Fahrzeug mit Elektroantrieb im ersten Moment sehr leise ist, nicht umsonst müssen moderne E-Autos künstliche Geräusche bei niedrigen Geschwindigkeiten einspielen, überwiegen ab einem gewissen Tempo jedoch das Abrollgeräusch der Reifen und Windgeräusche die Klangkulisse. Damit ist der Antrieb selber wieder irrelevant. Auch deshalb ist die 30er-Zone in Bad Ischl in Zukunft weiter ein wichtiger Beitrag zur Wohnqualität entlang von Straßen.
Aktuell sind Elektroautos in der Anschaffung noch teurer als ihre Verbrennergeschwister. Das wird sich in den nächsten Jahren sicher angleichen. Zum Thema Kosten kommen wir aber später noch einmal zurück.
Die momentan größten Batterieproduzenten sind chinesische Unternehmen. Hier begibt sich Europa also wieder in ein Abhängigkeitsverhältnis zu einem undemokratischen System. Im Gegensatz zu Erdöl kann hier aber in Zukunft wieder mehr Unabhängigkeit erreicht werden, wenn der politische Wille dazu da ist.
Und dann kommt noch das leidige Thema Ladetarife dazu. Aktuell kochen sehr viele Anbieter ihr eigenes Süppchen und versuchen sich am Markt zu positionieren. Dies führt zu einem enorm unübersichtlichen Angebot. Hier sollte in den nächsten Jahren etwas Entspannung kommen. Aber es lohnt sich sehr die Preise zu vergleichen (ich selber konnte schon um 22ct pro kWh laden, musste aber auch bereits um 79ct anstecken).
Weiter mit den Vorteilen:
Ein offensichtlicher Vorteil ist, dass ein Elektroauto mit regenerativen Energien betrieben werden kann. Und nicht nur das, die Autos können in Zukunft auch als Zwischenspeicher genutzt werden, laden wenn viel Sonnenstrom zur Verfügung steht und bei wenig dann teilweise auch wieder abgeben. Genau zu der Zeit, wenn die meiste Sonnenenergie erzeugt wird, stehen die meisten Autos auf Parkplätzen herum.
Für Menschen, bei denen eine eigene Photovoltaik möglich ist, ergibt sich hier sogar der Vorteil, dass sie quasi gratis „tanken“. Das kann natürlich nicht jeder, laden ist aber mittlerweile sehr viel einfacher geworden als noch vor wenigen Jahren, zumindestens was die Verfügbarkeit angeht. Einmal einkaufen bei Hofer, Spar, Billa Plus in Ischl und während dem Einkauf anstecken. Während der Fahrt nach Italien in Villach-Faaker See abfahren, bei der Ladesäule anstecken und was jausnen gehen.
Ein weiterer Vorteil sind die laufenden Kosten. Wartungskosten sind im Regelfall niedriger als bei einem vergleichbaren Verbrenner. Es fallen durch die Technik viele wartungsintensive Teile weg. Es gibt keinen Keilriemen, kein Motoröl, weniger Bremsverschleiß durch Rekuperation. Und zu mindestens im Moment fällt auch die motorbezogene Versicherungssteuer im Allgemeinen niedriger aus als bei Verbrennern.
Wer schon einmal mit einem E-Auto gefahren ist, wird wissen, dass sich diese Fahrzeuge im Allgemeinen viel bequemer fahren. Es ist ruhiger im Innenraum, es ruckelt weniger.
Und nun zu dem Teil, der am schwierigsten zu diskutieren ist, die Mythen:
Immer und immer wieder trifft man auf pauschalisierte, teilweise schlichtweg falsche Aussagen, die sich hartnäckig halten. Genau diese halten des Öfteren Menschen vom Umstieg auf ein E-Auto ab.
Fangen wir beim plakativsten Beispiel an, bei dem auch die Presse immer wieder in die Falle tappt: E-Autos brennen viel leichter.
Ja ein brennendes batterieelektrisches Auto ist schwerer zu löschen als ein benzin- oder dieselbetriebenes. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass es zu brennen beginnt liegt laut einigen Studien deutlich niedriger. Wenn dann ab etwa 2030 die Feststoffakkus in Serie gehen, dürfte das noch einmal um einiges besser werden, weil diese Akkus dann sehr schwer entzündlich sind.
Mindestens genauso häufig wird die „zu geringe Reichweite“ angeprangert. Für manche speziellen Anwendungen mag das sogar stimmen, aber moderne Elektrofahrzeuge haben meist Reichweiten von 400km und darüber. Wenn man damit wirklich lange Strecken fährt, zwingt einen das Auto zu einem Ladestopp alle 2-3 Stunden (die Pausen sollte man ohnehin machen). In unserem Alltag fahren aber die wenigsten täglich solche Distanzen. Und für die 1-2 Mal im Jahr ist es im Allgemeinen kein Problem.
Dass batterieelektrische Autos klimaschädlicher als Verbrenner sind, wird ebenfalls oft als Gegenargument gebracht. Dabei wird aber oft mit falschen Annahmen gerechnet oder schlicht nicht alles mit eingerechnet. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung geht über eine durchschnittliche Lebensdauer von einer CO2-Einsparung von 40-50% gegenüber Verbrennern aus. Und hier reden wir von aktuellen Modellen. Die zukünftige Entwicklung wird diesen Vorsprung noch erweitern.
Und schließlich das meistgenannte Argument: die Produktion der Akkus ist sehr problematisch und danach haben wir Unmengen an Elektroschrott.
Einerseits ist ein Körnchen Wahrheit enthalten. So mancher Rohstoff, der dafür gebraucht wird, wird unter unmenschlichen Bedingungen abgebaut (etwa Kobalt), hier hilft aber auch wieder die technische Entwicklung. Diese Stoffe sind oder werden obsolet, weil sie durch andere, unproblematische Stoffe ersetzt werden. Ein Argument gegen diese Form des Antriebes sind diese Stoffe aber auch nur bedingt. Erstens wird bei weitem mehr Kobalt für die Herstellung von Akkus anderer Geräte verwendet (Handys, Laptops, Akkuschrauber, Vaper…) und zweitens benötigt auch die Produktion eines Verbrennermotors diesen Stoff (etwa für die Kurbelwelle oder Zylinderköpfe).
Gegen das Lithium in den Akkus wird oft der enorme Wasserverbrauch ins Rennen geführt. Hier sprechen wir bei einem durchschnittlichen E-Auto Akku von etwa 4000 Litern Wasser. Abgesehen davon, dass es nicht um trinkbares Wasser geht, bevor es verdampft wird, entspricht das in etwa dem, was für die Produktion eines Drittels einer Jeans, 300 Gramm Rindfleisch oder 35 Tassen Kaffee benötigt wird.
Was beim Akku im Gegensatz zu Rindfleisch oder Kaffee aber gemacht werden kann und gemacht wird: Recycling. Mit aktueller Technik können etwa 90% der Rohstoffe dieser Akkus recycelt werden und das nach einer Nachnutzung als stationärer Speicher mit einem Alter von 20-25 Jahren. Das ist auch nicht einfache theoretische Nutzung, sondern wird auf EU-Ebene mittlerweile immer stärker vorgeschrieben (aktuell 90% Quote, das wird die nächsten Jahre noch steigen).
Insgesamt bleibt ein Fazit zu ziehen: die Entwicklung läuft in Riesenschritten vorwärts. Was vor 10 Jahren noch galt, ist überholt und was heute gilt wird in 20 Jahren möglicherweise keinen mehr interessieren. In der Akkutechnik steckt ein enormes Potential während der Verbrennungsmotor einfach alte Technik ist (es fährt ja auch so gut wie keiner mehr mit der Dampflok).
Natürlich ist das Umweltfreundlichste immer noch gar kein Auto fahren. Der Ausbau an öffentlichen Verkehrsmitteln, die Attraktivierung von Rad- und Fußverkehr lösen viele der Probleme, die der motorisierte Individualverkehr schafft oder eben nicht löst. Vergleicht dazu nur mal den Flächenbedarf für Autos beim Mobilitätskonzept Maria-Theresien Areal und den Flächenbedarf für Öffis und Fahrräder.
Quellen / Links:
https://www.sn.at/wirtschaft/welt/fast-millionen-autos-elektroantrieb-180553651
https://blog.evbox.com/de-de/gewicht-e-auto-batterie
https://www.verkehrsclub.ch/schwerpunkte/das-schlechteste-aller-verkehrsmittel
https://www.cerclebruit.ch/studies/elektro/Factsheet_Elektromobilitaet_de.pdf
https://insta-drive.com/at/ladenetz/
https://www.oeamtc.at/autotouring/auto/benzin-diesel-e-auto-die-kosten-im-vergleich-42887730
https://blog.evbox.com/de-de/reichweitenangst-besiegen
https://www.zeit.de/news/2025-05/22/fraunhofer-institut-e-autos-billiger-und-umweltfreundlicher
https://www.auto-motor-und-sport.de/tech-zukunft/kobalt-in-litihium-ionen-batterien/
https://www.quarks.de/technik/mobilitaet/e-auto-akkus-faq/