Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeitenwende.
ein Kommentar von Martin Schott
Zugegeben – ein Titel, der nicht sehr viel Sinn macht. Und dennoch vereint er zwei politische Statements, die zueinander passen und über die es sich lohnt nachzudenken.
Da ist zum einen der Ausspruch „Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit“ – ein lateinisches Sprichwort – das in Österreich besonders durch den ehemaligen ÖVP-Nationalratspräsidenten Dr. Andreas Kohl berühmt wurde. Sichtweisen und Standpunkte können sich laut diesem Spruch also im Laufe der Zeit ändern. Im Salzkammergut könnte man auch sagen: „G’scheider derf ma woi nu werd’n“.
Und mit der Skulptur „Zeitenwende“ hat Xenia Hausner ihre ursprüngliche Arbeit „Atemluft“ neu aufgestellt und neue Blickwinkel hinzugefügt. So ist es „5 vor 12“ in vielen gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit – bei der Klimakrise, der Demokratie und der Würde des Menschen. Die Zeit läuft ab!
Aber nehmen wir uns einen Moment Zeit. Ganz im Widerspruch zu der dringenden Eile, die angesichts all dieser Herausforderungen geboten ist. Denn es braucht genau diese Zeit, um uns selbst nicht in einer Flut an Lösungen zu verirren, sondern auch die Problemstellungen unserer Zeit zu erkennen, zu verstehen und zu sehen.
Wenn wir uns diese Zeit nicht nehmen, werden wir uns heute und auch morgen nicht einig werden, wie die Probleme zu lösen sind. Und auch wenn es klare Antworten auf die meisten Fragen gibt – wissenschaftlich belegt, erforscht und entwickelt – brauchen wir als Menschen Zeit, um diese Antworten zu verstehen.
Ein wichtiger Baustein dafür ist auch das Zuhören. Nicht immer gleich dagegenreden oder überzeugen wollen. Zuhören, sich Zeit nehmen, verstehen. Nur so werden wir gemeinsam gescheiter und wechseln vielleicht zu einem Standpunkt, der ein gemeinsames Interesse verfolgt – nämlich ein gutes Leben in Würde für alle Menschen.
Auch wenn es höchste Zeit ist, etwas zu tun – um etwa die Klimakrise abzuschwächen oder unsere wertvolle Demokratie zu schützen –, nehmen wir uns immer wieder die Zeit zuzuhören, neue Perspektiven zu sehen und einander zu verstehen.
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