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am 14. September

Milchflaschen-Comeback: Wiederbefüllbar bitte

Stefan Kaineder, Ulrike Böker - Der Handel muss beim Comeback der Milchflasche unbedingt auf Mehrweg setzen. Wir forden im Kampf gegen die Müll- und Plastikflut Pfandflaschen bei Getränken.

Milch aus Mehrweg-Glasflasche

Wenn wir unseren Planeten retten wollen, muss die Wegwerfmentalität endlich ein Ende haben.
Im Sommer geht es für viele Landsleute ab in den Süden. Nicht selten wird die Urlaubsfreude aber getrübt, wenn am Heimweg vom Meer weggeworfener Müll und Plastikflaschen das Straßenbild prägen. Wir bezeichnen uns gerne und zurecht als Mülltrenn-WeltmeisterInnen und reagieren sensibel, wenn unsere Landschaft mit Müll verunstaltet ist. Wir sehen die dramatischen Bilder von verschmutzen Meeren in denen hunderttausende Tonnen von Plastikmüll schwimmen. Immer mehr Menschen wird klar, wenn wir unseren Planeten vor der Zerstörung retten wollen, muss die Wegwerfmentalität mit Einwegverpackungen auch bei uns ein Ende haben.

Am 15. September wird dafür weltweit ein starkes Zeichen gesetzt: Beim CLEANUP DAY wird wieder 36 Stunden lang aufgeräumt. Der World Cleanup Day beginnt in Neuseeland und endet in Hawaii, in 150 Nationen – und erstmals auch in Österreich – sind Millionen von Freiwilligen an diesem Tag im Einsatz, um die Erde wieder sauberer zu machen.

Beim Plastiksackerl wurden erste Schritte gesetzt, beim großen Thema Getränkeverpackungen gehen die Konsumtrends in die völlig falsche Richtung: Die umweltfreundliche Mehrweg-Pfandflasche wird durch Aludosen, Plastik- und Glas-Einwegflaschen immer mehr aus den Regalen der Supermärkte verdrängt. Der Anteil an Mehrwegflaschen befindet sich auf einem historischen Tiefstand.
Wurden Mitte der 1990er Jahre noch fast alle Mineralwasserflaschen sowie mehr als die Hälfte aller Limonaden in Mehrweg-Pfandflaschen verkauft, so sind die Mehrweganteile seither immer weiter gesunken. Konkret von 80% im Jahr 1997 auf nunmehr 30% Mehrwegquote bei Getränkeverpackungen in Handel und Gastronomie (bezogen auf die Abfüllmenge, Quelle: Verband Abfallberatung Österreich). Für den Mehrweganteil ohne Fass und Container, die vor allem in der Gastronomie verwendet werden, ist der Anteil sogar auf nur mehr 20% Mehrwegquote gesunken.
Auch die in den letzten Jahren sich ausbreitenden 0,33l-Flaschen für Bier gibt es meist nur als Wegwerfflasche. In Österreich werden über vier Milliarden Getränke in Dosen, Einwegplastikflaschen und anderen Einwegverpackungen pro Jahr verkauft und weggeworfen. Dieser Negativtrend schadet unserer Umwelt, denn im Gegensatz zur Mehrweg-Glasflasche, die 25 bis 50 Mal wiederbefüllt werden kann, landet die Einwegflasche, egal ob aus Plastik oder Glas direkt im Abfall – bestenfalls bei der Wiederverwertung statt in der Wiederverwendung. Da das stoffliche Recycling in diesem Bereich nicht die erwünschte Wirkung zeigt, wird der Großteil der Einwegverpackungen entsorgt.

Achtlos weggeworfene oder liegen gelassene Dosen, Plastikflaschen und andere Getränkeverpackungen sind immer noch ein weit verbreitetes Umweltproblem. Auch wenn die getrennte Sammlung von Flaschen und Dosen in Österreich relativ gut funktioniert, so landen doch 30% aller Dosen und 20% aller Plastikflaschen im Restmüll oder in Straßengräben, Feldern, Flüssen oder Wäldern.

Nur ambitionierte Mehrweg-Quoten helfen gegen Müllberge

Einweg-Getränkeverpackungen verbrauchen deutlich mehr Ressourcen und vor allem Energie als Mehrweg-Getränkeverpackungen. Mehrwegflaschen vermeiden nicht nur Abfall, sondern sparen auch Energie, Rohstoffe, schützen unser Klima und sichern Arbeitsplätze in Handel und Getränkewirtschaft. Unser Ziel muss eine laufende Steigerung der Mehrwegquote im bei den Getränkeverpackungen sein.
Deutschland zeigt es vor: Der Anteil von Mehrweggebinden am deutschen Getränkeverbrauch 2015 beträgt 44%, im Vergleich zu 20% in Österreich (Quelle: Umweltbundesamt DE). Im Unterschied zu Österreich wird in Deutschland ein Pfand auf Einweggetränkeverpackungen von jedeR VertreiberIn auf allen Handelsstufen bis zur Abgabe an die EndverbraucherIn erhoben.

Ausbau der Mehrweg-Systeme bei Getränkeverpackungen als zentralen Beitrag zur Abfallvermeidung

Bisherige Bemühungen der Wirtschaft und des zuständigen Ministeriums zielten vor allem auf eine verbesserte Information der Bevölkerung ab. Auf weiterführende Lenkungsmaßnahmen wie Anreize oder Maßnahmen zur Erhöhung des Anteils von Mehrwegverpackungen wurde verzichtet.

Wir brauchen endlich rechtlich verbindliche Regelungen und ökonomische Anreize zur Erhöhung des Mehrweganteils bei Getränkeverpackungen. Auch die LandesumweltreferentInnenkonferenz hat in einem Beschluss vom 15. August von Umweltministerin Köstinger wirksame Maßnahmen zur flächendeckenden Wiedereinführung von Mehrweggetränkeverpackungen im Einzelhandel, wie zum Beispiel für 0,33l Bier oder Milch, eingefordert.

Wir haben dazu im Landtag einen Initiativantrag eingebracht. Wir fordern ein bundesweit verpflichtendes Pfandsystem für alle Getränkeverpackungen gemeinsam mit den betroffenen Branchen zu erarbeiten und möglichst bald umzusetzen. Dazu gehört die Einführung eines neuen rechtlichen Rahmens zum Ausbau von Mehrwegsystemen mit verbindlichen Quoten und Umsetzung mittels Stufenplan, wie auch eine verpflichtenden Kennzeichnung für Mehrweg- und Einweg-Getränkeverpackungen sowie einer standardisierten 0,33l-Mehrweg-(Bier-)Flasche im Einzelhandel.

Die KonsumentInnen wollen eine saubere Lösung: Milch aus der Flasche, aber nicht als Wegwerfprodukt, sondern umweltfreundlich

Seit April sind in Österreich Milch und Joghurt wieder in Glasflaschen in den Regalen unserer Supermärkte zu finden. Die KonsumentInnen greifen zu und die Produktionsmengen mussten laut Medienberichten bereits nach kurzer Zeit erhöht werden.

Wir sehen aber täglich in den eigenen 4 Wänden, dass durch unsere Einkäufe enorme Müllmengen zusammenkommen. Es gibt die klare Erwartung, dass Supermärkte Lebensmittel ohne Wegwerfverpackung anbieten. Mit der Rückkehr der Glasflasche wollte der Handel dem vielfach geäußerten Wunsch seiner  KundInnen nach weniger Plastik und Umweltbelastung nachkommen. Bei genauerem Hinsehen wird aber klar, dass die Neuheit nicht hält, was sie verspricht. Denn auch die derzeit angebotene Milchflasche ist ein Wegwerfprodukt. Noch immer sind Bioläden und lokale NahversorgerInnen die Einzigen, die es schaffen, in Kooperation mit BäuerInnen aus der Region Milchprodukte in umweltfreundlicher Mehrweg-Glasverpackung anzubieten.

Gerade bei Milchprodukten gibt es von Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie in Österreich seit längerem die Strategie, auf Qualität zu setzen. Mit einem stetig steigenden Bio-Anteil wurde ein Selbstverständnis als Agrarland mit hohen Umweltstandards aufgebaut. Milch ist eines der wertvollsten und reinsten Produkte unserer Natur. Der Wunsch der KonsumentInnen, dieses Naturprodukt in hochwertiger Verpackung zu kaufen, liegt daher auf der Hand. Es ist daher nur konsequent, dass die Rückkehr des Glasgebindes mit der Milchflasche beginnt.

Saubere Lösung: Wiederbefüllen statt Wegwerfen.

Die KonsumentInnen wollen keine Einwegflaschen. Sie wollen Milch aus der Glasflasche, aber die Milchflasche muss umweltfreundlich sein. Beim Comeback der Milchflasche muss das Prinzip "Wiederbefüllen statt Wegwerfen" gelten. Daher muss auf ein Mehrwegsystem gesetzt wird. Handel und Molkereien müssen jetzt rasch den entscheidenden nächsten Schritt setzen.

Denn die Einwegflasche stellt aus ökologischen Gesichtspunkten im Vergleich zur Milch im Tetra-Pack keinen Fortschritt dar. Aus Umweltsicht ist die Mehrwegflasche, die im besten Fall bis zu 50 Mal wiederverwendet werden kann, die eindeutig beste Variante. Der Waschvorgang bei Mehrwegflaschen verbraucht zwar Energie, Wasser und Reinigungsmittel. Die Ökobilanz ist aber eindeutig und spricht laut ExpertInnen klar für die Mehrwegflasche. Denn auch Einwegglas muss vor dem Einschmelzen gereinigt, sortiert und zermahlen werden. Und was die Transportwege betrifft, legt auch eine Flasche, die im Altglascontainer landet, erhebliche Wege zurück, bis sie beim Glaswerk ankommt.

Die "saubere Milchflasche" könnte schon 2019 in den Regalen stehen

Die Lebensmittelketten betonen, dass Umweltschutz und Abfallvermeidung zentrale Unternehmensziele sind. Das Modell "Aus dem Auge und aus dem Sinn" hat im Lebensmittelhandel ausgedient. Daher kann es ohnedies nur mehr eine Frage der Zeit sein, bis "Mehrweg" wieder in den Supermärkten einzieht und in die Abläufe integriert wird.

Laut Medienberichten beschäftigen sich sowohl Molkereien als auch die Handelskonzerne bereits mit Fragen der Logistik von Mehrwegsystemen. Klarerweise braucht dieser Schritt Vorlaufzeiten, da Platz für Lagerung und Manipulation der neuen Mehrweggebinde geschaffen und die Logistik aufgebaut werden muss. Es braucht Abfüllbetriebe, die die Reinigung und Manipulation von Mehrwegflaschen leisten können. Bei der Einführung der Einweg-Milchflasche im Glas gab es bereits eine Kooperation der Handelskonzerne. Sie beziehen das Produkt von derselben Abfüllanlage. Die Chancen stehen daher gut, dass das auch bei der Einführung eines Mehrwegsystems gelingt.

Steckt die Köpfe zusammen und starten wir das Projekt "Saubere Milchflasche". Das ist unser Appell an Handel und Molkereien. Das ambitionierte Ziel ist es, dass bereits 2019 die Mehrweg-Milchflasche als saubere Alternative zur Wegwerfverpackung in den Regalen steht. Die aktuell große Nachfrage nach Milch in der Glasflasche sollte dem Projekt zusätzlichen Rückenwind geben.

Oberösterreich muss Vorreiter bei umweltfreundlicher Milchflasche sein

Oberösterreich hat beste Voraussetzungen beim Aufbau eines Mehrwegsystems voranzugehen. Die Glasflaschen für das Comeback der Milchflasche werden laut Medienberichten in Kremsmünster hergestellt. Ein oberösterreichischer Molkereikonzern ist vorangegangen und hat die Milch in der Glasflasche wieder auf den Markt gebracht. Auch die Handelsunternehmen haben wichtige Drehscheiben für ihre Produktlogistik in unserem Bundesland.

Die Umstellung auf eine saubere Lösung ist bei diesem Frischeprodukt also eine Aufgabenstellung, bei der viele entscheidende Player im Land sitzen. Gerade in Oberösterreich sollte es daher gelingen, die Transportwege so zu planen, dass das Versprechen einer umweltfreundlichen Verpackung für das Naturprodukt Milch klar erfüllt werden kann. Was wir bei der Bierflasche schaffen, muss auch bei der Milchflasche möglich sein. Die KonsumentenInnen sagen eindeutig Ja.
Jetzt sind Lebensmittelhandel und Molkereien am Zug.

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