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am 17. Februar

Waldfonds: nachhaltige Forst­wirt­schaft

Stefan Kaineder - Nur ein gesunder Wald kann unser Partner im Kampf gegen die Klimakrise sein.

Die letzten Jahre waren eine enorme Belastung für unsere Wälder. Die Klimaerwärmung schafft leider gute Bedingungen für eine Ausbreitung des Borkenkäfers, die hauptsächlich dem Fichtenbestand in den Wäldern enorm schadet. In den letzten Jahrzehnten wurde die Fichte als der Wirtschaftsbaum schlechthin etabliert. Mit verheerenden Folgen, wie die Forstwirtschaft nun leidvoll erfahren musste. Es muss uns jetzt schnell gelingen, unsere Wälder klima- und zukunftsfit zu machen. Der kürzlich gestartete Waldfonds des Klimaschutzministeriums ist hierbei eine erste wichtige Säule, wo neben Unterstützung der Forstwirtschaft zur Bekämpfung des Borkenkäferbefalls auch die Förderung artenreicher Wälder und die Stärkung der Verwendung des Rohstoffes Holz im Mittelpunkt stehen.

Auch auf Landesebene möchten wir eine Zeitenwende einleiten und den Holzbau als Klimaschutzmaßnahme ins Zentrum rücken: Generell sehen wir im Holzbau großes Potenzial. Das hat eine wirtschaftliche Perspektive, aber auch Klimaschutzaspekte. Die Bäume, die jetzt teilweise ohne unser Verschulden aus den Wäldern geholt werden müssen, verarbeitet von unseren Sägewerken, verbaut von unseren Zimmerleuten in den Ortschaften, speichern CO2 im Gebäude. Und auch für die Abfallwirtschaft sehen wir den großen Vorteil, dass es am Ende der Lebensdauer keinen Sondermüll gibt. Hier denken wir vor allem an nachhaltige Dämmsysteme, wie Holz- oder Hanffasern. Holzbau heißt klimaneutral zu bauen und zu sanieren, aber auch der regionalen Wirtschaft neue Impulse zu geben. Diese Chance müssen wir nutzen. Dort ist jeder investierte Euro richtig gut investiertes Geld.

Die Politik ist jetzt gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine nachhaltige und wirtschaftliche Forst- und Bauwirtschaft in Österreich ermöglichen. Ein paar Pilotprojekte und eine Wanderausstellung über Holzbau sind zu wenig. Wir müssen endlich weg von der Ankündigungspolitik, den Lippenbekenntnissen und den unzähligen Strategiepapieren hin zu wirksamen Maßnahmen und gesetzlichen Vorgaben, damit wir beim Klimaschutz endlich in die Gänge kommen. Dass Oberösterreich gemäß aktueller Darstellung von Global 2000 die höchsten Pro-Kopf-Emissionen an CO2 im Bundesvergleich hat, sollte uns jetzt in Alarmstimmung versetzen. Die letzten fünf Jahre unter Schwarz-Blau sind als verlorene Zeit im Kampf gegen den Klimawandel anzusehen.

Eine effiziente Möglichkeit wäre, die Vergabe von Bedarfszuweisungsmitteln an Klimaschutzmaßnahmen zu binden: Wenn wir mit Holz bauen, dann wird das gespeicherte CO2 nachhaltig gebunden. Das ist ein wesentlicher Beitrag zur Verringerung der CO2-Belastung unserer Atmosphäre. Holzbau ist nicht nur eine klimapolitisch gebotene Maßnahme, er würde auch den regionalen Wirtschaftskreislauf beflügeln und neue Arbeitsplätze in Österreich schaffen. Damit eine echte Holzbauoffensive gelingen kann, müssen wir die Fördersysteme auf nachhaltiges Bauen und Sanieren ausrichten. Dazu sind wir auch bereits mit Umweltministerin Gewessler in Gesprächen.

Die Bundesregierung hat hier schon mit dem Kommunalinvestitionsprogramm 2020 im Umfang von einer Milliarde Euro einen ersten wichtigen Schritt gesetzt. Dort wird zum Beispiel die Instandhaltung, Sanierung (insbesondere auch thermisch-energetische Sanierung sowie der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energieträger) und Errichtung von Gebäuden im Eigentum der Gemeinden, sofern diese nach klimaaktiv Silber-Standard errichtet werden, mit bis zu 50 Prozent gefördert.

Wie eine repräsentative Umfrage des Umweltressorts zeigt, fordern auch die OberösterreicherInnen ein Umdenken: 81 Prozent wollen, dass viel mehr mit heimischem Holz und klimafreundlichen Baustoffen gebaut wird. Mit dieser gewaltigen Mehrheit in der Frage haben wir nicht gerechnet, aber es zeigt uns, dass die LandesbürgerInnen auch hier schnell ein Umdenken und Umsetzen fordern. Dass Holzbau hierzulande immer beliebter wird, zeigt sich auch durch eine beträchtliche Steigerung des Holzbauanteils in Österreich in den letzten Jahrzehnten: 2018 war rund ein Viertel des Bauaufkommens im Hochbau aus Holz (24 Prozent), 1998 lag der Anteil noch bei 14 Prozent.

Der Schaden für die Umwelt, derzum Beispiel alleine bei der Entsorgung von Dämmungen aus Polystrol anfällt, wird uns unsere Kinder noch Jahrzehnte belasten, wenn wir nicht endlich damit aufhören, uns ein Abfallprodukt aus der Erdölproduktion auf die Hauswände zu kleben. Alternativen gäbe es mit Holzfaserdämmplatten bereits.

Forstweg mit geschnittenen Bäumen
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