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am 4. October 2018

Vor 40 Jahren wurde AKW Zwentendorf gestoppt

Rudi Anschober - Vor 40 Jahren haben die BürgerInnen das geplante Atomkraftwerk Zwentendorf gestoppt.

Zwentendorf - Aufruf zur Abstimmung

Vor 40 Jahren wollte die Atomindustrie das erste einer Reihe geplanter Atomkraftwerken in Österreich in Betrieb nehmen. Mit Angstmache und Unwahrheiten sollten Mehrheiten geschaffen werden. Die umweltbewussten BürgerInnen aber haben die Volksabstimmung am 5. November 1978 knapp gewonnen und damit Zwentendorf zum "sichersten Atomkraftwerk der Welt" gemacht – es wurde nie in Betrieb genommen. Mit der Volksabstimmung wurde auch das zweite geplante AKW, das an der Landesgrenze von Oberösterreich und Niederösterreich in St. Pantaleon - 25 km von Linz entfernt - errichtet werden sollte, noch vor der Errichtung gestoppt. Heute sind wir den damaligen AktivistInnen dankbar und erinnern an diese Zukunftsentscheidung für Oberösterreich gemeinsam mit NGOs mit einer Info-Kampagne und einer Ausstellung.

Die Erinnerung gibt uns Rückenwind und Kraft für die aktuellen Herausforderungen: dem drohenden Ausbau von Temelin, Laufzeitverlängerungen von Grenz-AKW und ein drohendes Atomendlager an der tschechischen Grenze. Und für unser Ziel eines europaweiten Atomausstiegs, für das wir nun in unserer "Allianz der Regionen für einen europaweiten Atomausstieg" kämpfen. Oberösterreich wurde in den vergangenen Jahren immer stärker zum Motor und Antreiber der europaweiten Antiatom-Politik und ist heute Sitz der Allianz. Schon 1978 war Oberösterreich neben Westösterreich besonders stark am Erfolg der AtomgegnerInnen beteiligt.

Vor 40 Jahren

Am 5. November 1978 stimmte die österreichische Bevölkerung über das Atomkraftwerk Zwentendorf in Niederösterreich ab. Die AKW-GegnerInnen setzten sich nur ganz knapp mit 50,47% der Stimmen durch, das Atomkraftwerk ging nie in Betrieb. Gleichzeitig wurden mit der Volksabstimmung auch weitere geplante AKW-Neubauprojekte, wie das Projekt St. Pantaleon direkt an der Grenze zu Oberösterreich, nur 25 km von Linz entfernt, endgültig abgesagt. Ein drittes AKW wäre von der Bundesregierung nahe Völkermarkt in Kärnten geplant gewesen.

In den 1970er Jahre galt Atomkraft noch als "Technik der Zukunft", als sauber und sicher. Auch damals wurde bereits Angstmache betrieben: Atomenergie oder die Lichter gehen aus und der Rückfall in die wirtschaftliche Steinzeit droht!

Projekt St. Pantaleon-Erla

Die Ampeln standen für das Projekt auf Grün, die Baugründe waren gekauft, drei Bauernhäuser im Ortsteil Stein in der Gemeinde St. Pantaleon-Erla bereits geschliffen. Direkt im Enns–Donauwinkel sollte – nach Zwentendorf – ein zweites Atomkraftwerk errichtet werden. Die Gemeindepolitik war damals durchaus dafür, wollte direkte "Nutznießerin" aus wirtschaftlicher Sicht sein.

Start der Antiatom-Bewegung in Oberösterreich

Doch auch die GegnerInnen versammelten sich in St. Pantaleon. Hunderte AKW-GegnerInnen demonstrierten ab 1973/74 - vor allem Mitglieder der Bürgerinitiative gegen Atomgefahren im Weltenbund zum Schutze des Lebens - mit Transparenten gegen einen solchen Bau.

Einer der Kämpfer der ersten Stunde gegen Zwentendorf und ein AKW in St. Pantaleon war der Oberösterreicher Friedrich Witzany. Er verteilte schon im Jahr 1973 Flugzettel an die Bevölkerung, auf denen stand: "Auch du wohnst in der Todeszone!" Aus St. Florian stammend setzte sich Witzany federführend gegen ein direkt an der Grenze zu Oberösterreich gelegenes AKW ein. Mit Flugzetteln, Kundgebungen und vielen persönlichen Gesprächen klärte Witzany über die Hochrisikotechnologie auf – eine BürgerInnen-Befragung brachte schließlich eine klare Mehrheit gegen einen AKW-Bau in St. Pantaleon.

Der Antiatom-Protest weitete sich bis nach Linz aus, wo selbst der Bundeskanzler, Bruno Kreisky, schlussendlich zu einer öffentlichen Veranstaltung kam – und den starken Gegenwind verspürte. Der Bau von St. Pantaleon wurde vorerst zeitlich verschoben.

Nun konzentrierte sich die hier gegründete Antiatom-Bewegung auf die GegnerInnenschaft zu Zwentendorf, die schlussendlich zu der bekannten Volksabstimmung führte.

Oberösterreich ist damals wie heute Motor und Vorreiter der Österreichischen Antiatom-Bewegung. Die vielen engagierten OberösterreicherInnen zeigen, dass der Anti-Atom-Widerstand in Oberösterreich im Sinne von Zwentendorf lebt!
Der aktuellste Schritt: Oberösterreich, in Person des Antiatom-Beauftragten DI Dalibor Strasky, wurde zum Dreh- und Angelpunkt der Arbeit der "Allianz der Regionen für einen europaweiten Atomausstieg". Denn mit der Allianz wollen wir als Regionen der starken Atomlobby auf EU-Ebene eine starke Stimme entgegen setzen – und verwenden dazu den wirtschaftlichen Hebel. Denn ohne staatliche Subventionen ist Atomkraft nicht nur hochriskant, sondern auch nicht mehr wirtschaftlich. Aktuell kämpfen wir daher gegen Subventionen für Neubauten, gegen hochriskante Laufzeitverlängerungen und für eine komplette Reform der Euratom-Verträge. Oberösterreich ist der Motor und Antreiber der europaweiten Antiatombewegung und damit für den europaweiten Atomausstieg. Wir sind daher auch Sitz der "Allianz der Regionen für einen schrittweisen europaweiten Atomausstieg".

Der Kampf um die Entscheidung über AKWs in Zwentendorf und St. Pantaleon und damit auch die Entwicklung der Antiatom-Bewegung von den 1970er Jahren bis heute wird in den nächsten Wochen öffentlich mit verschiedenen Initiativen dargestellt und ins Bewusstsein gerückt.

Ausstellung "Zwentendorf.40" der Antiatom-NGOs

Am 05.10.2018 wird die Ausstellung "Zwentendorf.40", kuratiert von den oberösterreichischen Antiatom-NGOs unter der Leitung von "atomstopp_atomkraftfrei leben" im Linzer Wissensturm eröffnet.

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