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am 5. Juli

Tierschutz braucht Taten, nicht nur Worte

Maria Buchmayr - Wir unterstützen das Tierschutzvolksbegehren.

Tierschutz ist umfassend zu verstehen und breitest zu gestalten. Er reicht vom Wohlergehen der Tiere im privaten bis zum artgerechten Umgang im kommerziellen Bereich. Er ist wesentlicher Teil des Umwelt- und des Naturschutzes. Tierschutz nimmt uns alle in die Pflicht, jeden Einzelnen, als Mensch, TierbesitzerInnen oder KonsumentInnen. Aber er nimmt selbstverständlich auch die Wirtschaft, die Landwirtschaft und auch die Politik in die Pflicht.

Für viele Menschen ist das Tier an ihrer Seite nicht wegzudenken. Sie sind wertvolle Begleiter. In der "nachhaltigen" Landwirtschaft hat das Nutztier höchste Bedeutung und die Haltung ist artgerecht und vorbildhaft. Das sind die positiven Beispiele. Andererseits sind jetzt gerade vor Beginn der Ferienzeit die Tierheime wieder überfüllt - Haustiere werden ausgesetzt. Immer wieder sind wir erschüttert, hören von Tierdramen und Vernachlässigung auf Bauernhöfen. Wir vergessen, welches Leid Tiertransporte auslösen können und welches Tierleid hinter manch gekauftem Produkt steckt. Das sind die negativen Beispiele.

Wir engagieren uns seit jeher intensiv für den Tierschutz; in allen erdenklichen Bereichen und auf allen Ebenen, darunter selbstverständlich auch im oberösterreichischen Landtag. Wir haben etliche Initiativen gesetzt. Darunter gegen Käfighaltung und Kälberlangstreckentransporte, für ein Importverbot von Käfigeiern und für die stressfreie Weideschlachtung. Und natürlich stellen wir uns gegen das Freihandelsabkommen Mercosur, das den europäischen Markt mit Agrarprodukten aus Südamerika überschwemmen wird, darunter Unmengen an Fleischprodukten mit fragwürdigen Standards in der Tierhaltung.

Es hat beim Tierschutz in den letzten Jahren zweifellos Fortschritte und Verbesserungen gegeben. Aber vieles ist noch nicht erreicht, vieles muss noch geändert und verbessert werden. Daher unterstützen wir auch das laufende Tierschutzvolksbegehren. Denn 24 Jahre nach dem ersten Tierschutzvolksbegehren und 15 Jahre nach Einführung des Bundestierschutzgesetzes, ist die Zeit für einen weiteren großen Schritt in Richtung Stärkung des Tierwohls gekommen. Wir belassen es aber nicht nur bei der Unterstützung des Tierschutzvolksbegehrens, sondern haben auch im gestrigen Landtag eine weitere Initiative gesetzt.

Unser Antrag: Tierschutz muss im Gesetz so formuliert werden, dass er auch entsprechend umgesetzt wird

Wir haben im gestrigen Landtag einen Antrag eingebracht, der das Schließen von Gesetzeslücken einfordert. Ziel ist, dass das in der Verfassung verankerte Bekenntnis zum Tierschutz und die im Gesetzestext formulierten theoretischen hohen Ansprüche, auch in der Praxis endlich zur vollen Anwendung kommen. In diesem Sinn fordern wir eine Anpassung der bundesgesetzlichen Regelungen im Tierschutzbereich insbesondere in folgenden Bereichen:

Haltungsformen in der Landwirtschaft müssen Grundbedürfnisse der Tierebefriedigen

Tieren muss es möglich sein, sich ausreichend zu bewegen und zu beschäftigen, angeborene Verhaltensweisen auszuleben, artgemäß zu ruhen und sich tiergerecht zu ernähren. Nicht vereinbar mit ihren Grundbedürfnissen sind mangelnde Bewegungsmöglichkeiten, die Haltung auf Vollspaltenböden, Stallhaltung ohne Einstreu, Kastenstandhaltung, fehlendes Beschäftigungsmaterial oder zu hohe Besatzdichte.

Schmerzhafte Eingriffe beenden

Kastration ohne Schmerzausschaltung oder Kupieren der Schwänze von Schweinen sind Beispiele für Praktiken, die so rasch wie möglich zu beenden sind. Statt Tiere an Haltungssysteme anzupassen, sollen sich die Haltungssysteme nach den Bedürfnissen der Tiere richten. Die millionenfache Tötung männlicher Küken von Legerassen sollv erboten werden, sobald Methoden für eine frühzeitige Geschlechtsbestimmung im Ei praxistauglich sind.

Artgemäße Fütterung ausbauen

Die artgemäße Fütterung mit gentechnikfreien und ökologisch nachhaltig produzierten Futtermitteln regionaler Herkunft nützt Mensch, Tier und Umwelt. Die Zerstörung des Regenwaldes für den Anbau von Gen-Soja hat nicht nur enorme Auswirkungen auf das Klima, sie vernichtet auch den Lebensraum vieler Tiere.

Nutztiertransporte minimieren und Stress vor der Schlachtung reduzieren

Transporte sollen bis zum nächstgelegenen, geeigneten Schlachthof führen oder auf eine Höchstdauer von vier Stunden beschränkt werden. Fleischtransporte sollen Lebendtransporte ersetzen. Exporte von Zuchttieren in Drittstaaten sind an die Vorlage von Protokollen des Herdenaufbaus in den Zielstaaten zu knüpfen. Hochträchtige Tiere dürfen nicht zur Schlachtung transportiert werden. Kälber und Lämmer sollen in Österreich aufgezogen werden und dürfen daher nicht im Säuglingsalter exportiert werden.

Zur Verminderung des Tierleids bei der Schlachtung ist die jeweils am wenigsten belastende Form der Betäubung zu ermitteln und dann als gesetzlicher Standard zu verankern. Mobile Schlachthöfe, Hofschlachtung und andere Formen der transportvermeidenden Schlachtung sollen gefördert und erleichtert werden.

Verpflichtende Tierwohl-Kennzeichnung tierischer Lebensmittel

Nach dem erfolgreichen Vorbild der vierstufigen Kennzeichnung von Schaleneiern sind alle tierischen Lebensmittel in Einzelhandel, Gastronomie und öffentlichen Küchen nach Tierwohlkategorie und Herkunft zu kennzeichnen.

Schluss mit importierten Tierqual-Produkten

Produkte, die in Österreich nicht hergestellt werden dürfen, weil sie mit Tierleid verbunden sind, sollen auch nicht mehr in Verkehr gebracht werden dürfen. Dazu zählen etwa Eier aus Käfighaltung, Enten- und Gänsestopfleber oder Pelz aus "Pelztierfarmen".

Qualzucht von Hunden, Katzen und anderen Heimtieren darf nicht mehr möglich sein

Die bestehenden Regelungen gegen Qualzucht haben sich in der Praxis als nicht ausreichend erwiesen. Noch immer leiden Hunde, Katzen und andere Heimtiere an Atemnot, missgebildeten Schädeln, Haarlosigkeit und anderen Auswüchsen falsch verstandener Rassezucht. Bestehende Ausnahmebestimmungen müssen daher gestrichen und Tiere mit Qualzuchtmerkmalen mit einem eindeutigen Zuchtverbot belegt werden.

Das sind zentrale Eckpfeiler, um den Tierschutz vorwärts zu bringen. Bekenntnisse alleine bewirken noch keinen Tierschutz. Ebenso wenig ein theoretischer Gesetzestext, wenn er nicht in der Praxis umgesetzt wird oder dafür nicht ausreichend ist. Wir müssen beim Tierschutz optimieren und anpassen, unser Antrag ist ein wichtiger Beitrag dazu.

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