Bezirkegruene.at
Navigation:
am 10. September

Stoppt die Bodenzerstörung

ooe.planet Redaktion - Clemens Stammler, Zweiter auf der unserer Landesliste in Oberösterreich, über den Zusammenhang zwischen Regenwaldabholzung, billigere Lebensmittel in unseren Supermärkten und dem heimischen Bodenverbrauch.

Clemens Stammler auf seinem Hof

Der Schobesberghof von Clemens Stammler liegt idyllisch am Berg zwischen dem Traun- und dem Almtal in der Gemeinde St. Konrad. Beim Besuch grasen gerade viele seiner Kühe auf der Weide nahe dem Stall. Gemeinsam mit seiner Frau bewirtschaftet Clemens Stammler einen Biomilchbetrieb.
"Wenn ich am Abend über meine Weiden spaziere und vor mir ein Dachs vorbeihuscht oder ich sehe, wie Vögel in der Wiese brüten, dann fühle ich, dass hier noch alles funktioniert", schwärmt Stammler.

Etwa 15 Prozent seiner Wiesen werden ausschließlich beweidet, und stehen daher auch "anderen Lebewesen und Pflanzen" zur Verfügung. Kunstdünger oder Unkrautvernichtungsmittel kennen seine Wiesen nicht. Seine Kühe erhalten ausschließlich regionales Futter. Seine Tiere fressen fast ausschließlich das Gras von der Weide und wenn sie nicht draußen sind, erhalten sie Silagefutter und Heu. Soja steht nicht am Futterplan.

Stammler sieht im hohen Sojaverbrauch in der konventionellen Tiermast eines der größten Probleme der Landwirtschaft. Der Großteil des in den heimischen Ställen verfütterten Sojas kommt aus Südamerika. Der überwiegende Teil davon wird gentechnisch verändert, damit die Pflanzen den massiven Einsatz von Glyphosat aushalten können. Wegen des steigenden Sojabedarfs und ausgelaugter Böden muss nach wie vor Regenwald abgeholzt werden, damit weitere Sojafelder angelegt werden können. Palmölplantagen und Sojafelder machen viele Menschen arm, wenige reich und den Planeten nachhaltig kaputt.

Als zukünftiger Abgeordneter möchte Stammler vor allem den Zusammenhang zwischen hiesigem Bodenverbrauch und Regenwaldzerstörung thematisieren.

Boden zu billig

Die Bodenversiegelung sei auch eine Folge der globalisierten Landwirtschaft: "Täglich verschwinden in Österreich ca. 17 Hektar landwirtschaftlicher Boden unter Beton und Asphalt. Dies auch deshalb, weil viele BäuerInnen ihren Grund verkaufen müssen, um wirtschaftlich zu überleben." In finanzielle Schwierigkeiten kamen sie meist wegen niedriger Weltmarktpreise. Diese wiederum werden mitbeeinflusst von multinationalen Konzernen, die vor allem in Südamerika auf Teufel komm raus produzieren, massiv Chemie einsetzen, den Regenwald abholzen und billige Arbeitskräfte einsetzen. Im Endergebnis sind diese Produkte um einiges billiger in unseren Supermärkten und im Großhandel zu kaufen als heimische. "Urplötzlich ist der Investor mit seinem Palmfett ein Konkurrent für unsere MilchbäuerInnen. Für viele BäuerInnen ist daher der Grundverkauf zur alleinigen Alternative geworden, wirtschaftlich zu überleben. Das macht unseren landwirtschaftlichen Boden vergleichsweise billig und verfügbar."

Interessanterweise verkaufen ihre Grundstücke oft nicht die Betriebe, die ihre Hoftore für immer schließen, sondern meist die, die weitermachen. Den Erlös stecken sie dann in den Betrieb, um ihren Fuhrpark, ihre Maschinen zu modernisieren, damit sie ihre Produkte noch billiger anbieten können. Die verkauften Flächen werden ergänzt, in dem (nicht als Bauland verwendbare) Flächen von aufgebenden Betrieben zugepachtet werden. "Die niedrigen Preise bei den Agrarprodukten werden daher von Grundverkaufserlösen gestützt, die Agrarflächen nehmen so immer mehr ab."

Wirtschaft frisst Boden

Eine weitere Ursache des zu hohen Bodenverbrauchs liegt in der wirtschaftlichen Dynamik, etwa im oberösterreichischen Zentralraum. "Die heimische Wirtschaft ringt um Wettbewerbsfähigkeit, braucht daher mehr Produktionsstätten, Lagerhallen, Büro- und Ausstellungsräume, Zufahrtsstraßen und vieles andere mehr. Wer als bäuerlicher Betrieb die Chance bekommt, um gutes Geld ein Stück Grund verkaufen zu können, macht es meist auch."
Auch der steigende Bedarf an Wohnungen fördert den Bodenverbrauch. "Günstige Wohnungen gibt es meist am Stadtrand, auf der grünen Wiese."

Clemens Stammler über:

Eine Stimme für die Bäuerliche Landwirtschaft

Immer wieder fragen mich Menschen, warum ich für den Nationalrat kandidiere, wo ich doch ein "ruhiges Leben" auf meinem Hof haben könnte.
Ich war kürzlich in Vorarlberg und sah, dass weite Landstriche hauptsächlich vom Tourismus leben. Doch in Wahrheit profitiert der Tourismus – so wie bei uns im Salzkammergut - von der herrlichen Natur- und Kulturlandschaft. Und die bäuerliche Landwirtschaft ist die Basis dafür. Um diese weitgehend zu erhalten und um dieser eine Stimme zu geben, braucht es mich. Darum! Nur darum!

Hopfen und Malz

Was oft nicht bedacht wird: der Klimawandel macht sich auch beim Bier bemerkbar. Seit Jahren schon haben die heimischen Brauereien mit Engpässen bei Hopfen und Malz (Braugerste) zu kämpfen. In diesem Sinne: Hopfen und Malz – Grüne Klimapolitik erhalt's!

Über die liberalisierte Landwirtschaft

Unregulierte Märkte führen unweigerlich zum Prinzip "wachsen oder weichen".
Zum Vergleich: in Neuseeland verfügt ein Milchbetrieb über durchschnittlich 380 Kühe, in Österreich sind es 24.
Und so sperren allein in Oberösterreich jährlich 400 Bauernhöfe zu. Mit jedem bäuerlichen Betrieb, der nicht von der nächsten Generation fortgeführt werden kann, geht Wissen für immer verloren, das über Generationen von den Eltern an die Kinder weitergegeben wurde. Wissen, das auch in schwierigen Zeiten dafür sorgt, dass wir in diesem Land von unserem Land leben können.

Aktiv  werden.  Das  ist  Grün.  Banner  rechts.