Bezirkegruene.at
Navigation:
am 16. Jänner

Sparen beim Klimaschutz belastet Budget

Rudi Anschober - Eine Studie des Wegener Instituts zeigt: Das Sparen beim Klimaschutz ist das teuerste Sparen und belastet auch das Landesbudget. Unser Appell an die Bundesregierung für notwendige Sofortmaßnahmen.

Schneemangel auf den Skipisten

Schnee in der Sahara, Eiseskälte in Florida, Hitzerekorde in Australien – die Bilder der letzten Tage veranschaulichen den Klimawandel besorgniserregend. 2017 hat einen Rekord aufgestellt: es war weltweit das wärmste Jahr seit Beginn der Industrialisierung ohne El-Nino-Phänomen (dieses sorgt alle paar Jahre für einen Wärmeschub aus dem Meer). Zugleich war 2017 das zweitwärmste Jahr überhaupt seit Beginn der Industrialisierung. Die Temperaturen am Planeten steigen kontinuierlich an - deutlich schneller als prognostiziert.

Zahlreiche Regionen weltweit haben mittlerweile starke Anstrengungen gestartet, um den Klimawandel aufzuhalten – dennoch ist das derzeitige Tempo noch viel zu gering. Denn erstmals seit Jahren sind die Emissionen 2017 sogar noch angestiegen, das Erreichen der Klimaschutzziele von Paris wird immer schwieriger bzw. ist die maximale Temperaturerhöhung von 1,5 Grad Celsius "zu 66% gar nicht mehr erreichbar", sondern wird schon um 2040 eintreten, wie der Weltklimarat sagt.

Österreich ist nicht auf Kurs - keine Spur von den notwendigen Einsparungen in den letzten Jahren, im Gegensatz zum Rest Europas sind die Emissionen in Österreich 2017 sogar leicht gestiegen – sogar seit 1990 verzeichnet Österreich im Gegensatz zum Durchschnitt der EU (minus 24%) keinerlei Einsparungen.

Oberösterreich zeigt, dass Klimaschutz machbar und wirtschaftlich vernünftig ist: die CO2-Emissionen im Bereich von Raumwärme und Energieerzeugung sind von 1990 bis 2014 um 46,7% bzw. 62% gesunken, Oberösterreich legt bei den Grünen Jobs auch aufgrund des Klimaschutzes kontinuierlich zu und liegt bereits bei 40.816 Grünen Jobs inkl. Verkehr.

Doch neben den faktischen Auswirkungen auf Gesundheit, Landwirtschaft, Tourismus, Energieversorgung, Wasserversorgung, Materialien etc. verursacht die Klimakrise auch gigantische Kosten. Volkswirt Dr. Steininger vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Uni Graz berechnet die Costs-of-inaction: Schon heute ergeben sich durch den Klimawandel Kosten von durchschnittlich einer Milliarde Euro pro Jahr, etwa durch Wetterextreme, Dürren oder Schäden im Tourismus und der Energiewirtschaft. Bis Mitte des Jahrhunderts werden diese Kosten auf 4,2 bis 8,8 Milliarden Euro pro Jahr sein.

Unsere Forderung an die Bundesregierung: Klimaschutz bei allen Maßnahmen mitdenken! Und konkret gegen den Klimawandel bzw. zur Anpassung: rasch eine engagierte Klimaschutzstrategie festlegen und einen Klimaplan mit allen nötigen Maßnahmen, die für die Paris-Ziele in Österreich erforderlich sind (neues ambitioniertes Ökostromgesetz, neue Effizienzziele, Umsetzung von Energiewende und Verkehrswende) umsetzen.

Sogar China ist schon auf den Klimaschutz-Zug aufgesprungen, um einerseits horrende Kosten durch die Folgen des Klimawandels einzusparen und andererseits die großen Chancen einer nachhaltigen Wirtschaft am Weltmarkt zu nützen. Es wird Zeit, dass das offizielle Österreich hier endlich tätig wird, dass die Bundesregierung mit voller Kraft Rahmen und Maßnahmen setzt sowie Ideen und Initiativen unterstützt, die schon seit Jahrzehnten für Klimaschutz laufen, etwa die vielen PartnerInnen des Klimabündnis. Wir haben es jetzt in der Hand, wie unserer Kinder und Enkelkinder in ihrer Umwelt, in ihrer Wirtschaft noch leben können.

Aktueller Stand: Österreichischer Stillstand beim Klimaschutz

Seit 1990 sind in den EU-Staaten die CO2-Emissionen um durchschnittlich 24,4% gesunken, am stärksten in Großbritannien (minus 34%), Deutschland und Dänemark (jeweils um 28%) und Italien (20%). In Österreich hingegen sind die Emissionen sogar leicht gestiegen.

Der Bericht "Das Treibhausgas-Budget für Österreich" des Wegener Centers für Klima und Globalen Wandel zeigt für Österreich: Das Treibhausgasbudget, womit die Begrenzung auf maximal plus 2°C noch erreichbar wäre, beträgt für Österreich – in Relation zu den globalen Mengen 700 Gt Co2 – je nach Berechnungsart 1.000 Millionen bis 1.500 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent für den Zeitraum 2017-2050. Zum Vergleich: Für 40 Jahre von 1950-1989 und 25 Jahre von 1990-2015 hat Österreich jeweils rund 2.000 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent ausgestoßen. Die Beibehaltung des heutigen Emissionsniveaus würde das Budget also bereits 2035 aufbrauchen.

Im Rahmen des Weltklimavertrages hat sich Österreich aber zu einer Reduktion um 36% der CO2-Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 verpflichtet.

Aktuelle Situation: Pariser Klimaziele (fast) nicht mehr erreichbar

Der Weltklimarat (IPCC) hält nach einem Bericht der Berliner "tageszeitung" (Montagsausgabe) das im Pariser Klimaabkommen anvisierte Ziel, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, für kaum noch einhaltbar. Dies sei "mit 66-prozentiger Wahrscheinlichkeit jenseits des Erreichbaren", heißt aus dem bisher unveröffentlichten Bericht "Zusammenfassung für Entscheidungsfinder" von weltweit führenden KlimawissenschafterInnen, der im Herbst veröffentlicht werden soll. "Beim jetzigen Tempo der Erwärmung würde die globale Mitteltemperatur die 1,5-Grad-Schwelle in den 2040er Jahren erreichen", heißt es.

Verheerend: Selbst die Zusagen der Nationalstaaten im Anschluss an den Weltklimavertrag von Paris über die Höhe der eigenen Einsparungen, reichen nicht aus, um das Paris-Ziel einer Temperaturerhöhung im Mittel um maximal 2 Grad zu erreichen.

Der "Emissions Gap Report" vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) zeigt den dramatischen Unterschied zwischen den hochgerechneten Treibhausgas-Reduktionen der vorliegenden, kosteneffizienten nationalen Klimaschutzpläne im Gegensatz zu den erforderlichen Paris-Zielen. Über die Länder-Pläne hinausgehend müssten 30 Prozent an Treibhausgasen für eine erfolgreiche Zielerreichung bis 2030 eingespart werden!

Sichtbare Konsequenzen des Klimawandels heute

Schnee in der Sahara, Eis und tiefste Temperaturen an der gesamten US-Ostküste von New York bis Florida, dafür neue Hitzerekorde in Australien – die letzten Tage haben die Auswirkungen des Klimawandels weltweit eindrucksvoll vor Augen geführt.
Dürre und Migration bzw. Hungertote in Afrika, Beschleunigung von Konflikten durch Lebensmittelknappheit, Zunahme der Migration durch Klimawandel.

Auch in Oberösterreich bzw. gesamt Österreich schon bemerkbar: massive Schäden durch Extremereignisse in der Landwirtschaft, Änderungen der angebauten Pflanzensorten vor allem bei Weizen, Mais und Gerste, zunehmende Einbußen vor allem bei Getreide (Verringerung der Anbauflächen um -4% laut AMA), witterungsbedingte Ernteeinbußen zum Beispiel beim Roggen allein im Jahr 2017 um 25% gegenüber dem Vorjahr, einhergehend mit immer höheren Importmengen.

Gesundheitlich bedeuten extreme Hitzewellen mit Tagen über 30 Grad Celsius und Tropennächte vor allem für ältere und kranke Menschen eine enorme Belastung.

Durch schmelzende Gletscher, Extremereignisse und lange Trockenperioden ist auch die Energieversorgung (Wasserkraft) und Trinkwasserversorgung betroffen.

Sichtbar auch die Zunahme an Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehren nach Katastrophen, wie Hagel, Stürmen, Dürre. Im Jahr 2016 verzeichnete das oberösterreichische Landesfeuerwehrkommando 10.837 Einsätze bei Aufräumarbeiten nach Elementarereignissen, bei Auspump-arbeiten nach Unwettern, dem Entfernen von Gefahren oder dem Freimachen von Verkehrswegen, von insgesamt 53.456 Einsätzen. 2017 brachte ähnliche Zahlen und allein rund 1.000 Einsätze mit mehr als 8.000 Einsatzkräften von rund 500 Feuerwehren nach der Sturmfront von Mitte August.

Die Folgekosten des Klimawandels in Österreich: Darstellung des Wegener Centers

In der Analyse COIN – The Costs of Inaction stellt das Wegener Center für Klima und globalen Wandel unter der Leitung von Volkswirt Prof. Dr. Karl Steininger die durchschnittlichen jährlichen Kosten für Schäden aufgrund des Klimawandels dar.

Für Österreich kostet die Klimakrise schon heute enorm viel: Costs-of-inaction betragen laut Studienautor Volkswirt Karl Steininger heute bereits eine Milliarde Euro pro Jahr. Bis zur Jahrhundertmitte werden es alleine für Österreich bereits Kosten durch Wetterextreme (Hochwasser), Dürren und Ernteausfälle (Land- und Forstwirtschaft) oder Schäden im Tourismus und der Energiewirtschaft von 4,2 bis 8,8 Milliarden Euro pro Jahr sein. In einzelnen Jahren können die Kosten durch direkte Schäden z.B. im Rahmen eines 100-jährlichen Hochwassers allein um weitere 4 bis 7 Milliarden Euro ansteigen.

Die Schadenstage durch den Klimawandel mit einer Summe von über 30.000 Euro täglich steigen in der Zeit von 2016 bis 2035 um rund 6% an, ausgehend von der Basis der Jahre 1981-2010, in den darauffolgenden 30 Jahren sind es 12%. Damit verbunden auch ungleich höhere, explodierende Kosten: Die jährlichen Schadenskosten stiegen durchschnittlich bis 2035 um 45%, bis 2065 sogar um über 100%. Oberösterreich ist von Schäden durch den Klimawandel sowohl hinsichtlich Ereignissen als auch Kosten besonders betroffen.

So muss Oberösterreich für die Periode 2016 bis 2035 schon mit durchschnittlich über 90 Schadenstagen jährlich rechnen, später mit 100. Die Kosten dafür belaufen sich jährlich durchschnittlich allein für Oberösterreich auf über 6 Milliarden Euro, und verdoppeln sich von der Basis 4,5 Milliarden Euro (1980-2010) auf über 9 M. Euro jährlich in der Zeit von 2036-2065.

Beispiel Straße – Mehrkosten durch Klimawandel:

Im Bereich der Infrastruktur entstehen schon heute in ganz Österreich niederschlagsbedingte Schäden am Straßennetz im Ausmaß von 18 Millionen Euro Mehrkosten jährlich. Rechnet man mit einer moderaten Klima-Änderung und einem moderaten Ausbau des Straßennetzes verdoppeln sich dies Kosten für die Periode von 2046 bis 2065 auf rund 38 Millionen Euro. Die volkswirtschaftlichen Nettokosten der Infrastrukturschäden sind dann um den Faktor drei(!) höher als die zusätzlichen Kosten für Straßeninstandsetzung selbst.

Klimawandel-Folgekosten im Vergleich

Das Wegener Center spricht von jährlichen Kosten wetter- und klimabedingter Ereignisse von bis zu 5,2 Milliarden Euro pro Jahr österreichweit – dies entspricht in etwa dem oberösterreichischen Landesbudget von 5,7 Milliarden pro Jahr  [vergleiche: globaler Bedarf Green Climate Fund von "nur" 100 Mrd. USD p.a. für Klimaschutz und Anpassung bis 2020]

In die thermische Sanierung als größten Hebel wurden etwa pro Jahr lediglich rund 44 Millionen Euro durch den Bund investiert.

Die gesamthaften (negativen) BIP Effekte des Klimawandels bereits im Jahr 2030 entsprechen in etwa dem aktuellen oberösterreichischen Gesundheitsbudget von 367 Millionen Euro.

Forderungen und Schritte: Appell für Klimaplan

Wir appellieren an die Bundesregierung, rasch eine engagierte Klimaschutzstrategie - wie von der EU gefordert - auf den Tisch zu legen, sämtliche Maßnahmen bundesweit festzusetzen, Klimaschutz in allen Ressorts zu einem wichtigen Maßstab zu machen und die VorreiterInnen des Klimaschutzes, zum Beispiel nachhaltige UnternehmerInnen oder Engagierte im Klimabündnis tatkräftig zu unterstützen anstatt diesen Steine in den Weg zu legen mit einer Uralt-Politik.

Wir werden als Bundesländer kommende Woche bei der KlimareferentInnenkonferenz in Klagenfurt den Druck auf die Bundesregierung verstärken. Denn so kann es nicht weitergehen: immer mehr Zeit vergeht ungenutzt, immer länger werden die notwendigen Maßnahmen in Österreich aufgeschoben. Wir wollen der Bundesregierung bei der KLIRK einen umfassenden Forderungenkatalog für Sofortmaßnahmen, für eine engagierte Klimastrategie und einen ambitionierten Klimaplan vorlegen, der garantieren soll, dass Österreich zumindest die Eigenverpflichtung einer Emissionsreduktion um 36% bis 2030 einhält!

Es braucht dringend ein Maßnahmenpaket, unter anderem mit einem ambitionierten Ökostromgesetz sowie für eine konsequente Umsetzung von Energiewende und Verkehrswende, das ein Erreichen der Pariser Klimaziele garantiert. Beim Klimaschutz, DER Herausforderung unserer Zeit kann man aktuell nicht sparen – ansonsten kann es teuer werden für uns alle, v.a. aber für unsere Kinder, denen wir nach und nach die Lebensgrundlagen entziehen, denkt man an veränderte landwirtschaftliche Bedingungen oder Einschnitte im Tourismus aufgrund steigender Temperaturen, da wird sich auch die Landflucht zum Beispiel verstärken.

Dringend braucht Österreich auch die bisher noch fehlende Klimastrategie und alle, für das Erreichen der Paris-Ziele notwendigen Maßnahmen – sowie deren rasche Umsetzung. Dies ist der Kern des von der EU eingeforderten Klimaplans, der bis Anfang 2019 an Brüssel gemeldet werden muss. Ist der nicht ausreichend zum Erreichen der österreichischen Reduktionsziele, dann drohen Vertragsverletzungs-verfahren und Strafzahlungen.

Tempo 140 – Irrfahrt des Verkehrsministers

Allein der Vorschlag, auf Autobahnen die zugelassene Höchstgeschwindigkeit auf 140 km/h zu erhöhen, würde massive Verschlechterungen im Emissionsausstoß und damit für die österreichische Luft-Situation bringen. Dies, obwohl der Straßenverkehr ohnehin zu den Hauptemittenten der Treibhausgase in Österreich gehört, es in beinahe allen Bundesländern Grenzwertüberschreitungen von Luftschadstoffen gibt, Tote durch Luftverschmutzung bzw. Autounfälle wegen erhöhter Geschwindigkeit belegt sind. Laut Berechnungen der Uni Graz würde sich der Schadstoffausstoß von Pkw bei Tempo 140 im Vergleich zu Tempo 130 um 21% bei NOx, um 20% bei Feinstaub PM10 und um 12% bei CO2 erhöhen.

Das Gebot der Stunde ist eine Verkehrswende, das heißt Ausbau der Öffis und Verringerung des Straßenverkehrs. Hier gibt es viel zu tun und viele Ansätze und mögliche Maßnahmen. Hofers Vorschlag für mehr Tempo hingegen ist vorgestrig, daher absolut abzulehnen – aus Sicherheits-, Gesundheits- und Klimasicht!

Exkurs: China auf der klimapolitischen Überholspur:


Während Österreich aktuell vor allem mit klimaschädlichen Vorschlägen auffällt, etwa Tempoerhöhung auf 140 km/h, Weiterführung des Diesel-Privilegs oder einem Regierungsübereinkommen, wo Klimaschutz über weite Strecken nicht mitbedacht wurde, greift China immer härter im Sinne des Klimaschutzes durch. Seit Jahresbeginn sorgt eine einheitliche Umweltschutzsteuer in China für Unternehmen, die Luft und Wasser belasten oder Abfall produzieren für empfindliche Kosten bei Unternehmen, vor allem Aluminium- und Stahlverarbeitung sowie Kohlekraftwerke sind davon massiv betroffen. Noch 2018 soll in China zudem ein Emissionshandelsystem starten. BeamtInnen des Umweltministeriums wurden wegen Untätigkeit bestraft.

China hat erkannt, dass erstens die weitere Umwelt-und Klima-Zerstörung untragbare Kosten nach sich zieht – finanziell und sozial, dass zweitens Erneuerbare und nachhaltige Branchen die Zukunft der Weltwirtschaft sind und drittens auch eine globale politische Führungsrolle mit dem Engagement im Klimaschutz einhergeht.

Jetzt spenden!