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am 6. Juli

Naturschätze: Tourismus neu ausrichten

Severin Mayr, Ulrike Schwarz - Unsere Naturschätze brauchen weder Beton, neue Pisten noch Blechkolonnen. Wir machen die Neuausrichtung des oberösterreichischen Tourismus zum Landtagsschwerpunkt.

Oberösterreich ist ein Land voll großartiger Naturjuwele. Wir dürfen stolz auf unsere imposante Bergwelt, beeindruckende Wald- und Seengebiete sowie sattgrüne Landschaften sein. Für Tier- und Pflanzenwelt sind das notwendiger Lebensraum, für Bevölkerung und GästInnen aus aller Welt sind es Horte der Entspannung, Erholung und Bewunderung.

Warum aber ist man dann bereit, solche Juwele zu gefährden? Wieso will man solche Naturschätze durch sinnbefreite Projekte abwerten? Bei den derzeitigen Plänen und Überlegungen stellen sich diese Fragen zwangsläufig. Man will offenbar durch mehr als fragwürdige Projekte den Tourismus ankurbeln und zerstört aber gleichzeitig unsere großartige Natur als die wichtigste Grundlage von eben diesem Tourmismus. Dafür stehen vor allem die hochaktuellen und brisanten Projekte im Stodertal - allen voran die Skigebietserweiterung zwischen Hinter- und Vorderstoder, aber auch der überdimensionierte Luxus-Campingplatz unweit des Naturjuwels Schiederweiher.

Dringliche Anfrage zu Skischaukel im Stodertal und dringlicher Antrag, Oberösterreich zur Modellregion für nachhaltigen Tourismus zu machen – unsere Initiativen im Landtag

Im kommenden Landtag werden wir diese Projekte und die damit verbundene Fehlentwicklung im heimischen Tourismus zum Schwerpunkt machen. Wir brauchen nicht nur eine breite Debatte, was hier falsch läuft und wie es zu solchen Plänen überhaupt ernsthaft kommen kann. Wir brauchen eine ebenso breite Debatte, wie wir den Tourismus zukunftsfit, nachhaltig und naturverträglich gestalten. Denn wenn solche Projekte Realität werden, machen wir uns sowohl Tourismus als auch Natur kaputt.

In diesem Sinne werden wir zwei Initiativen setzen, um erstens für Aufklärung und Information sorgen und zweitens einen klaren Kurswechsel des heimischen Tourismus einzuleiten.

  • So werden wir eine dringliche Anfrage an Wirtschaftslandesrat Achleitner zum Skigebietsprojekt Vorderstoder-Hinterstoder richten. Konkret welche Bedingungen er als wesentlich erachtet, damit dieses Projekt vom Land Oberösterreich als wirtschaftlich zukunftsträchtig und förderfähig eingestuft wird.
  • Weiters werden wir mit einem dringlichen Antrag einfordern, Oberösterreich zur Modellregion für einen nachhaltigen, klima- und umweltfreundlichen Tourismus zu machen. Daran gilt es nicht nur die oberösterreichische Tourismusstrategie, sondern auch Finanzierung und Förderung auszurichten.

Landesrat Achleitner wird erklären müssen, warum man in Zeiten des Klimawandels mit Millionen an Steuergeld in ein Skigebiet erweitern will, auf das es in absehbarer Zeit nicht mehr schneien, sondern nur regnen wird. Und wir fordern eine Neuausrichtung hin zu nachhaltigem Tourismus einschließlich einer neuen Förderpolitik. Das heißt Gelder künftig für naturschonende Projekte, aber keine Förderungen mehr für klimaschädliche Tourismusprojekte, die zu überdimensionierter Verbauung, Bodenversiegelung und Zerstörung von Naturraum führen. Nur mit solcher Konsequenz stoppen wir den Raubbau an unseren Naturschätzen.

Außerdem wird auch die Verkehrsbelastung in den Erholungsräumen immer mehr zum Problem. Wir erleben jetzt im Sommer wieder kilometerlange Blechkolonnen, die sich gerade an den Wochenenden rund um unsere Seen stauen. Die Menschen wollen an diese grandiosen Plätze, das ist ja verständlich und völlig in Ordnung. Aber wir müssen die touristische Mobilität neu aufstellen. Denn mit "sanft" hat das momentan nichts zu tun.

Naturverträglicher Tourismus bedeutet selbstverständlich auch Klimaschutz

Denn natürlich ist jedes touristische Großprojekt, jeder entsprechende bauliche Eingriff in die Natur auch eine Klimaschutzfrage. Klimaschutz ist praktisch der Überbau in der gesamten Problematik. Jede neu betonierte Fläche für Betriebsgebäude und Infrastruktur verbraucht wertvollen Boden. Jede Liftstütze bedeutet weniger CO2 aufnehmenden Wald. Und jeder neue Parkplatz zieht noch mehr PKW und Schadstoffe an. In Summe bedeuten all diese Faktoren einen Rückschritt für den Klimaschutz und dürfen in einer neuen Tourismusstrategie keinen Platz haben.

Klima-, Natur- und Umweltschutz sowie Tourismus müssen aber nicht zwingend Gegensätze sein. Ganz im Gegenteil. Sie nachhaltig und sorgsam zu verbinden, bringt neue Perspektiven und Chancen. Deshalb stellen wir uns seit Jahren höchst naturfeindlichen Projekten entgegen und fordern eine Neuorientierung des heimischen Tourismus.

Der Tourismus ist unzweifelhaft wichtig für unser Land. Er ist bedeutender Wirtschaftsfaktor und sichert zehntausende Arbeitsplätze. Gerade deshalb gilt es, die intakte Natur als dessen wichtigste Grundlage zu schützen. Sehr viele GästInnen suchen diese intakte Natur. Oberösterreich kann sie anbieten, wenn das Land seinen Tourismus richtig positioniert. Wir müssen das Tor zu sanftem Ganzjahrestourismus öffnen und diesen zu einem Aushängeschild Oberösterreichs machen. Also nicht nur als Ziel in der oberösterreichischen Tourismusstrategie verankern, sondern auch in die Umsetzung kommen und die Förderungen darauf abstellen. Das bringt ungleich mehr als zusätzliche Liftstützen und Pistenkilometer.

Skischaukel im Stodertal - in Zeiten des Klimawandels kein Sinn

Die Dimensionen dieses Projekts sind gewaltig, die Einschnitte und Folgen für Umwelt und Natur fatal. 11 km neue Pisten, 3 neue Seilbahnen, 1.150 Parkplätze, Beschneiungsanlagen und zwei Speicherteiche sind geplant. 51 Hektar Wald würden für diese Skischaukel gerodet und ein bedeutender Naturraum zerschnitten. Um ein paar SkitagesgästInnen mehr auf die Piste zu bekommen, gräbt man eine großartige Landschaft um. Das bringt keinen Mehrwert, sondern nur immensen Schaden an Natur und Umwelt.

Durch den Klimawandel steigen auch in den Bergen die Temperaturen. Wir sprechen hier von einem Skigebiet zwischen 750 und 1200 Metern. Es wird in diesen Höhen immer weniger schneien. Eine durchgängige natürlich Schneedecke wird immer unwahrscheinlicher und ein konstanter Skibetrieb nur mit massiver künstlicher Beschneiung möglich sein. Ein solches Skigebiet mit massiven Eingriffen in die Natur und Millionen an Steuergeld zu erweitern, kann eigentlich kein Mensch verstehen.

Breiter Widerstand in der Bevölkerung gegen Skischaukel und Luxus-Campingplatz nahe des Schiederweihers

Von TouristikerInnen, InvestorInnen und verantwortlicher Politik befürwortet, stößt dieses Mammutprojekt aber auch im Stodertal selbst auf heftigen Widerstand. Bereits seit geraumer Zeit stellt sich eine BürgerInneninitiative gegen diese geplante Skischaukel und ihre Naturzerstörung. Eine Delegation dieser BürgerInneninitiative wird vor Beginn der Landtagssitzung ihren Protest kundtun und der verantwortlichen Landpolitik ihre Forderungen übermitteln. Wir sind hier voll auf Linie mit der BürgerInneninitiative. Sie hat unsere volle Unterstützung, denn diese Menschen sorgen sich zu Recht um die Folgen dieses Megaprojekts. Sie sind es, die vor Ort die Auswirkungen dieser Naturzerstörung und noch mehr Blechkolonnen durch das Stodertal zu ertragen hätten. Es ist unser gemeinsames Anliegen, diesen touristischen und ökologischen Irrlauf zu verhindern.

Auf diesem Irrweg liegt mit dem geplanten Luxuscampingplatz nahe des Schiederweiher eine weiteres höchst strittiges Tourismusprojekt. Ein Projekt, das vom Vorwurf nicht korrekter Planungen und ebenso heftigem Protest einer BürgerInneninitiative begleitet wird, denn die Ausmaße dieses Luxuscampingplatzes sind beachtlich. Umfasst das Projekt doch 93 Stellplätze, 10 Suiten, 2 Chalets, 24 Zeltplätze, ein Gastronomiegebäude und einen Außenpool. Landesrat Achleitner hat diesen Campingplatz auf unsere frühere Anfrage als naturverträglich bezeichnet. Das darf in Anbetracht dieser Ausmaße wohl schwer in Frage gestellt werden. Dies zeigt aber einmal mehr, dass die Latte der Naturverträglichkeit bei den politisch Verantwortlichen sehr tief liegt. Zu tief für einen wirklich naturnahen und nachhaltigen Tourismus.

Förderungen nur mehr für naturverträgliche Tourismusprojekte

Aber genau zu dieser Nachhaltigkeit und Naturverträglich muss sich der heimische Tourismus entwickeln. Dies ist auch das Ziel unseres dringlichen Antrags in der kommenden Landtagssitzung. Konkret fordern wir, Oberösterreich zur Modellregion für nachhaltigen, klima- und umweltfreundlichen Tourismus zu machen. Diese Zielsetzung ist nicht nur in der Landestourismusstrategie, sondern vor allem auch in der Finanzierungs- und Förderpolitik des Landes Oberösterreich für Tourismusprojekte abzubilden.

Es muss einen spür- und sichtbaren Schwenk geben. Auf künftige Projekte einfach den Stempel "Nachhaltigkeit" aufzudrücken reicht sicher nicht. Die Förderpolitik muss ganz klar auf naturverträgliche Projekte ausgerichtet werden, dorthin müssen die Gelder fließen. Das bedeutet im Umkehrschluss, keine Förderungen mehr für klima- und naturschädliche schädliche Tourismusprojekte. Diese Steuerungselement ist unverzichtbar, um den heimischen Tourismus in eine neue, nachhaltige Bahn zu lenken.

Nachhaltiger Tourismus ist nur mit naturverträglicher Mobilität möglich

Damit untrennbar verbunden ist auch, die touristische Mobilität neu zu denken und neue Mobilitätskonzepte für die Tourismusregionen zu entwickeln. Es kann ja wohl nicht sein, künftig auf naturnahe Projekte zu setzen und dorthin wieder PKW-Massen zu lotsen und Riesenparkplätze in die Landschaft zu betonieren. Wir müssen hier selbstverständlich noch viel stärker auf öffentlichen Verkehr, auf Park&Ride und andere Instrumente sanfter Mobilität setzen. Endlose Staus zu unseren Naturjuwelen widersprechen nachhaltigem Tourismus, weshalb es sie auch nicht mehr geben darf.

Nachhaltiger Tourismus brauchen gute Arbeitsbedingungen und fairen Umgang mit den MitarbeiterInnen

Die MitarbeiterInnen tragen wesentlich zu einem qualitätsvollen Tourismus bei und prägen Erfahrungen und Beurteilungen der GästInnen nachhaltig. In diesem Sinn müssen zufriedene und motivierte MitarbeiterInnen zentrales Anliegen jeglicher Tourismuspolitik sein. Es ist kein Geheimnis, dass hier in den heimischen Betrieben noch Optimierungsbedarf besteht. Die Arbeitsbedingungen im Tourismussektor haben keinen guten Ruf. Viele Überstunden, rauer Umgangston und teils fachlich schlechte Anleitung sorgen für ein angekratztes Image, eine hohe Drop-out Rate und Fachkräftemangel. Nachhaltiger Tourismus muss nicht nur die Natur respektieren, sondern auch die Beschäftigten. Wenn Job und Rahmenbedingungen passen, spüren das GästInnen und es bringt auch das dringend benötigte Personal. Daher sprechen wir uns dafür aus, bei Förderungen auch soziale Kriterien anzulegen (wie zum Beispiel flexible Arbeitszeitmodelle, Weiterbildungsmöglichkeiten, aber auch angemessene MitarbeiterInnenzimmer in Hotels und Saisonbetrieben).

Klimawandel bedeutet Abkehr von klassischen reinen Wintertourismus

Der Tourismus ist eines der vielen Felder, auf die sich der Klimawandel stark auswirken wird. Darauf hat sich auch Oberösterreich einzustellen und sich von bisher gekannten Schwerpunkten nach und nach, aber auch konsequent zu lösen. Gerade auf Seehöhen zwischen 1.000 und 1.500 Metern wird die natürliche Schneedecke immer stärker zurückgehen. Das heißt, wir müssen Alternativen zum klassischen reinen Wintertourismus entwickeln und uns auf einen Ganzjahrestourismus konzentrieren, der auf regionale Produkte und Dienstleistungen setzt. Genau dafür brauchen wir intakte Natur. Sie ist unsere wichtigste Ressource, um die heimische Tourismusbranche und damit auch viele tausende Arbeitsplätze zu sichern und neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Oberösterreich hat das Potential, nutzen wir es sinnvoll.

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