Bezirkegruene.at
Navigation:
am 25. Juli

Nächste Hitzewelle rollt über Europa

Rudi Anschober - Es braucht dringend einen Hitzeschutzplan und wirksame Maßnahmen gegen die Erderhitzung.

Die Auswirkungen der Klimakrise aufgrund der Erderhitzung werden immer stärker: Der Juni war in Oberösterreich, Österreich und weltweit der heißeste Juni seit Beginn der Messungen vor 250 Jahren und mit Ausnahme des Mai die Fortsetzung einer langen Serie stark überhöhter Monatstemperaturen. Der Juli liegt im Durchschnitt mit 21,2 Grad in Linz bisher trotz ungewöhnlich kühler Tage wieder deutlich über dem Temperaturmittel der letzten Jahrzehnte (20,1). Laut Prognosen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) werden die Temperaturen in den nächsten Tagen in Oberösterreich deutlich über der 30°C-Marke liegen. Damit setzt sich ein Trend der letzten Monate und Jahre fort.

Die Wissenschaft geht auch in den nächsten Jahren im Sommer von deutlich erhöhten Temperaturen und einem Anstieg an Hitzetagen (>30 Grad Celsius) und Tropennächten (>20 Grad Celsius) aus. Laut ForscherInnen des Climate Service Center Germany könnten sich, wenn wir weitermachen wie bisher, Hitzeperioden bis zum Ende des Jahrhunderts auch um den Faktor vier verlängern, es also durchaus zwei, drei Monate um die 25-30 Grad geben. Das wären bis zu 60 Tage mehr als heute. Gelänge es aber, die globale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, wären es nur wenige Tage mehr.

Die zunehmende Hitze, die demographische Entwicklung und die voranschreitende Urbanisierung führen zur starken Belastung für Menschen und menschlichen Organismus und stellen auch das Gesundheitssystem vor neue Herausforderungen.

Diese Tatsachen brauchen Antworten: In Form von Verhaltenshinweisen durch GesundheitsexpertInnen, eines gezielten Umbaus von Städten und Gemeinden und eines Hitzeschutzplans. Sehr heiße Tage sind für alle eine Belastung, umso wichtiger ist es, Strategien, Pläne und Maßnahmenpakete zu entwickeln, die der Bevölkerung bestmöglich auf solche Hitzebelastungstage vorbereitet. Es braucht ein oberösterreichweites Sofortprogramm in Form eines Hitzeschutzplans. Derzeit wird der Istzustand durch die Landesverwaltung erhoben.

So wie ein klarer, präziser und professioneller Hochwasserschutzplan mittlerweile selbstverständliche Normalität ist, braucht Oberösterreich auch rasch einen umfassenden Hitzeschutzplan: Mit einer frühzeitigen Vorwarnung, einer präzisen Kommunikationskette, einer ausreichenden Ausbildung für die Betroffenen, mit welchen Maßnahmen sie auf die Vorwarnung reagieren können, einer Beratung über generelle Vorsorgemaßnahmen und einem Programm für die notwendige Kühlung von Gemeinden und Städten durch städtebauliche und raumordnungspolitische Maßnahmen (wie zum Beispiel Begrünung, Durchlüftung, Fassadengestaltung). Der Beschluss der Landesregierung, unseren Antrag zurückzustellen und zuerst eine Bestandsaufnahme vorzunehmen, ist zwar eine leichte Verzögerung, aber kein ernsthaftes Problem. Am Ende wird es einen Hitzeschutzplan für Oberösterreich geben.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Hohe Umgebungstemperaturen, insbesondere in Verbindung mit hoher Luftfeuchte, sind mit deutlichen Gesundheitsrisiken verbunden. Besonders anfällig sind ältere Menschen, Kinder, PatientInnen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Personen mit eingeschränkter Mobilität.

Das Jahr 2018 brachte einen neuen Rekord an Sommertagen mit mindestens 25 °C. Diese lang andauernde Hitze forderte in Österreich 766 Todesopfer, wie das Hitze-Mortalitätsmonitoring der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) ​zeigt - das sind mehr als im Jahr 2017. Vergleicht man die Zahl der Hitzetoten 2018 (766) mit den Zahlen des Innenministeriums zu den Verkehrstoten (173), zeigt sich, dass es 2018 4,4 Mal so viele Tote durch Hitze im Vergleich zu Verkehrsunfällen gab.

Bei einer verheerenden Hitzewelle in den ersten drei August-Wochen im Jahr 2003 sind in Frankreich nach offiziellen Zahlen 14.802 überwiegend ältere Menschen ums Leben gekommen.
Die ÄrztInnenkammer oberösterreich warnt auch vor Hitze im Auto: Immer wieder unterschätzen Eltern, wie schnell in einem geparkten Auto im Sommer die Hitze ansteigt. Kindern, die im abgestellten Auto warten, kann so innerhalb kürzester Zeit ein Kreislaufzusammenbruch oder Hitzeschlag drohen – was tödlich enden kann. Auch wenn mehrere Fenster geöffnet sind – das Auto überhitzt in jedem Fall. Zudem können Babys und Kleinkinder schlecht selbst aussteigen, sie sind meist im Kindersitz hilflos der Hitze ausgeliefert. Daher die Kinder niemals im Auto lassen.
Im Notfall: Scheibe einschlagen. Wenn Kinder im Auto auf Klopfen an der Scheibe gar nicht mehr reagieren, sollten die Eltern rasch gesucht werden. Sind diese nicht greifbar, darf im Sinne der Nothilfe eine Scheibe eingeschlagen werden.

Richtiges Verhalten bei Hitze

Verhaltensregeln
Aus den Gepflogenheiten südlicher Länder, deren EinwohnerInnen Hitze bereits mehr gewohnt sind als die Menschen in unseren Breiten, kann man sich viel abschauen: Körperlich anstrengende Tätigkeiten wie Einkauf, Gartenarbeit, Sport oder ähnliches, sofern möglich, sehr früh morgens oder spät abends durchführen. In dieser Zeit auch die Fenster öffnen und lüften. In der heißen Tageszeit Fenster geschlossen halten, verdunkeln, eventuell Wäscheständer mit nassen Badetüchern aufstellen. In kleineren Räumen kann damit die Temperatursenkung durch die Verdunstung 2-3 Grad Celsius betragen. Autofahrten in überhitzten Autos sollten vermieden werden. Kühle Duschen oder ein kühles Bad können den Körper bei der Wärmeregulation unterstützen. Eis oder eiskalte Getränke bringen dagegen eher wenig.

Körperliche Maßnahmen
Selbstverständlich ist dem gesteigerten Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen Rechnung zu tragen (1,5–3 Liter täglich). Mineralwasser, stark verdünnte Fruchtsäfte und Kräutertees eignen sich besser als Kaffee oder schwarzer Tee (dazu immer auch ein Glas Wasser trinken). Von Alkohol ist auch in verdünnter Form("G'spritzter") abzuraten. Auch für die ausreichende Zufuhr von Elektrolyten (Salzen) ist zu sorgen, wofür sich handelsübliche Elektrolytgetränke oder zum Beispiel auch viele Suppen eignen.

Ältere Menschen haben oft ein vermindertes Durstgefühl. Hier wird empfohlen, die geplante Trinkmenge deshalb bereits in der Früh vorzubereiten und sichtbar aufzustellen. Wenn ein Aufenthalt im Freien tagsüber unvermeidlich ist, unbedingt auf Sonnenschutz und Kopfbedeckung achten. Grundsätzlich sind Säuglinge und Kleinkinder sowie ältere und gebrechliche oder chronisch kranke Menschen viel weniger hitzeresistent.

Zu beachten ist unter Umständen noch die Einnahme von Medikamenten, deren Dosierung sich in Hitzeperioden ändern kann. Zahlreiche weit verbreitete Medikamente beeinflussen auch die Regulation des Wärmehaushaltes. HausärztInnen und Hausärzte beraten dazu gerne.

Es ist die Summe vieler kleiner Maßnahmen, die Menschen Hitzeperioden gut und unbeschadet überstehen lässt.

Symptome einer Überhitzung und Erstmaßnahmen im Notfall

Was kann man dagegen unternehmen, wenn die Hitze bereits ihre Auswirkungen zeigt und der Körper darauf reagiert. Vorerst kurz erklärt wie wir Menschen auf die Hitze reagieren.

Erste Anzeichen bzw. Symptome einer Überhitzung oder Hitzeerschöpfung sind:

  • Kopfschmerzen, teilweiseverbunden mit Schwäche- und Krankheitsgefühl
  • Schwindel, möglicherweise auch Flimmern vor den Augen, Ohrensausen
  • Übelkeit, manchmal mit Erbrechen
  • Wärmegefühl, eventuell leicht erhöhte Körpertemperatur
  • Durst, trockene Schleimhäute
  • Anfangs oft gerötete Haut und starkes Schwitzen, später eher blasse Haut mit kaltem Schweiß
  • Flache Atmung, Atemnot
  • Krämpfe

Bei Bewusstseinsstörungen oder Bewusstlosigkeit ist unbedingt sofort die Rettung zu verständigen.

Wenn eines oder mehrere dieser Symptome auftreten, sind folgende Erstmaßnahmen zu treffen:

  • Sich sofort aus der Hitze begeben und den Wärmeaustausch erleichtern:
    Betroffene sollten schnell an einen möglichst kühlen Ort gebracht werden; man sollte sie zumindest aus der direkten Sonne in den Schatten verlagern. Wichtig ist weiter, die Kleidung zu öffnen oder zu entfernen, falls sie die Wärmeabfuhr behindert oder die betroffene Person einengt.
  • Kühlen:
    Um Hitze aus dem Körper abzuleiten, ist Kühlung nötig. Je nachdem,was den PatientInnen zumutbar erscheint, sind verschiedene Verfahren möglich. Sehr schnell wirkt, den Kopf unter fließendes kühles Wasser zuhalten. Coolpacks und kalte Umschläge eignen sich ebenfalls gut. An den Händen, den Füssen, im Nacken und an der Leiste kühlen sie am besten. Auch Luft zufächeln kann die Abkühlung unterstützen, solange die PatientInnen nicht frösteln oder frieren.
  • Flüssigkeit zuführen:
    Betroffene, die bei Bewusstsein sind und sich nicht erbrechen, sollten reichlich trinken. Geeignet sind Getränke, die Elektrolyte enthalten. Infrage kommen beispielsweise spezielle Elektrolytdrinks, verdünnte Fruchtsäfte, Mineralwasser, leicht gesalzenes Wasser, alkoholfreies Bier oder Bouillon.
  • Liegen und ruhen:
    Bis es ihnen bessergeht, sollten PatientInnen flach liegen,leicht erhöhte Beine gelten als vorteilhaft. Anschließend können sie jede angenehme Position einnehmen. Nach einer Hitzeerschöpfung sollten sich die Betroffenen schonen. Je nachdem, wie stark die Erschöpfung war, empfehlen MedizinerInnen bis zu drei Tage Hitzepause. Danach ist es kein Fehler, bei Hitze ganz bewusst auf Zeichen einer Hitzeerschöpfung zu achten.

Sollten die Symptome nicht beherrschbar sein oder Unsicherheit über den Zustand der betroffenen Person bestehen, scheuen sie sich nicht davor den Notruf zu wählen, um die Rettung zu verständigen!

Auf Basis der dramatischen Belege für die Klimakrise fordern wir Sofortmaßnahmen durch einen massiv nachgebesserten Klimaplan Österreichs. Wer jetzt nicht bereit ist umzudenken und noch immer die bisherige Politik fortsetzt und etwa weiter neue Autobahnen plant, dem ist nicht mehr zu helfen.

Hitze
Wir brauchen Dich! - Jetzt Mitglied werden!