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am 11. September

Klimaschutz: 5-Punkte-Plan

Rudi Anschober - Die weltweite Klimakrise wird immer dramatischer, auch Oberösterreich ist betroffen. Unser 5-Punkte-Plan für den Neubeginn einer Klimaschutzoffensive in Österreich.

Klimawandel

Das Klima verändert sich mit wachsendem Tempo und verstärkt dadurch Extremwetterereignisse auf der ganzen Welt. Hurrican Harvey, die dramatischen Überschwemmungen in Indien, Nepal und Bangladesh, Hitzewellen dieses Sommers und aktuell Hurrican Irma (dem gerade Jose und Katja folgen) zeigen: wir befinden uns mitten in einer schweren Klimakrise mit aktuell Millionen vertriebenen Menschen, tausenden Todesopfern und gigantischen überfluteten Flächen. Enorme Fluchtbewegungen sind eine der Folgen. Dafür mitverantwortlich sind auch KlimaleugnerInnen und wesentliche Teile der Politik, die die notwendige Klimaschutzoffensive blockieren und verzögern.

Renommierte internationale WissenschafterInnen sehen drei Jahre, um mit konsequenten Maßnahmen zu starten. Wer jetzt weiter blockiert, wird zur MittäterIn im Sinn von Mitverantwortung. Wir fordern Sofortmaßnahmen und legen einen 5-Punkte-Plan für Österreich und Oberösterreich vor. Eine konsequente Klimaschutzoffensive muss das zentrale politische Projekt Österreichs und Oberösterreichs für die nächsten Jahre werden.

2016 war international das heißeste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Steigende Wassertemperaturen in den Ozeanen bringen höhere Mengen an aufsteigendem Wasserdampf. Das ist die Hauptenergiequelle von Extremstürmen. So verstärkt die steigende Temperatur durch die Klimaveränderung Extremstürme wie jene der letzten Tage.

Hurrican Irma ist der stärkste Hurrican seit Aufzeichnungsbeginn, Millionen Menschen sind in der Karibik betroffen. Um die betroffenen karibischen Staaten finanziell zu unterstützen, wurden über das UN Development Programme (UNDP) 300.000 US-Dollar zur Koordination und Planung des Wiederaufbaus frei gemacht.

Wir sind weltweit derzeit weit vom Erreichen der Klimaziele, nämlich eine Temperaturerhöhung um deutlich mehr als 1,5 Grad zu vermeiden, entfernt. WissenschafterInnen der Universität Hawaii haben jüngst die Auswirkungen prognostiziert: wird nicht gehandelt, sondern der derzeitige Kurs fortgesetzt, dann würden die Weltregionen mit lebensgefährlichem Klima stark ansteigen.

Situation in Oberösterreich

Das heurige Jahr ist bislang weltweit das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen.

Auch in Oberösterreich ließen die sommerliche Hitzewelle bzw. die vielen heißen Tage und Nächte im Jahr 2017 niemanden mehr unberührt – sowohl gesundheitlich merkt man die Folgen der Hitze, bei Tieren und Pflanzen, in überhitzten Wohnräumen, in der Landwirtschaft etc. Insgesamt wurden 2017 in Linz bisher 22 Hitzetage mit über 30 Grad Celsius gezählt. Im Vergleich zu 11 Hitzetagen im ganzen Jahr im Durchschnitt der letzten Jahre.

Der Sommer 2017 war besonders warm, im Durchschnitt ca. 2 Grad wärmer als im 30-jährigen Klimamittel (1981-2010). Besonders warm war der Juni mit 3 Grad über dem Klimamittel. Dabei gab es kaum Unterschiede in den verschiedenen Regionen Oberösterreichs, selbst auf den Bergen in 1600 Meter Höhe war der Sommer knapp über 2 Grad zu warm. Die absoluten Höchstwerte übertrafen mit 36,8 Grad (Schärding, 01.08.2017) nicht die Temperaturen von 2015.

Der Sommer 2017 war im Gebirge, im Alpenvorland und im Zentralraum nicht besonders trocken, im Salzkammergut regnete es nur etwas über 10 % weniger als im Klimamittel, im Alpenvorland übertrafen die Niederschläge sogar knapp das Klimamittel. Deutlich trockener war es hingegen im Innviertel (-40%) und im Mühlviertel (-30 %). Die Niederschläge gingen häufig in kurzer Zeit nieder (Gewitter), und dazwischen gab es immer wieder einige Tage trockenes, sonnig-heißes Wetter. Das bedeutet natürlich große Probleme für die Landwirtschaft: Hier vertrocknen die Felder einerseits und wenn dann der erhoffte Regen kommt, können die Böden diesen in der kurzen Zeit nicht aufnehmen.

Das Wettergeschehen dieses Sommers trifft die aktuellen Klimaprognosen für die nächsten Jahrzehnte recht gut: Es wird wärmer und die Wetterphasen verlängern sich. Gab es früher noch aller 4 Tage einen Wetterumschwung, dauern die Wetterlagen in Zukunft länger an, was zu längeren Hitzeperioden und längeren (und stärkeren) Niederschlägen führt. Speziell im Sommer kann sich der Hochdruckgürtel vom Mittelmeerraum zukünftig immer häufiger bis über die Alpen ausdehnen, was für etwas trockeneres, sonniges Wetter sorgt. Wir haben dabei das Glück am Rande der Alpen zu wohnen: Hier wird sich auch weiterhin die Luft stauen, dabei aufsteigen und abkühlen und letztendlich als Regen niedergehen. Das heißt: Voraussichtlich wird es in den Niederungen trockener werden, im Gebirge und Alpenvorland könnten die Niederschläge in Summe gleich (oder sogar mehr werden).

Aufgrund der steigenden Temperaturen wird die Atmosphäre mehr Wasserdampf speichern können, was zu kräftigeren Gewitter führen kann (mit mehr Hagelschäden und lokale Starkregenereignissen).

Die Unwetter mit Extremniederschlägen, Hagel, Stürmen, Dürre nehmen in den letzten Jahren schon rasant zu, dies zeigt sich ganz konkret zum Beispiel auch schon bei der enormen Zunahme der Unwettereinsätze der Freiwilligen Feuerwehren: Im Jahr 2016 verzeichnete das oberösterreichische Landesfeuerwehrkommando 10.837 Einsätze bei Aufräumarbeiten nach Elementarereignissen, bei Auspumparbeiten nach Unwettern, dem Entfernen von Gefahren oder dem Freimachen von Verkehrswegen, von insgesamt 53.456 Einsätzen. 2017 brachte bisher 6.787 Einsätze nach Unwetterereignissen, davon allein rund 1.000 Einsätze mit mehr als 8.000 Einsatzkräften von rund 500 Feuerwehren nach der Sturmfront von Mitte August.

Für den Fall fehlender Klimaschutzoffensiven liegen weitere dramatische Prognosen für Oberösterreich vor. Nach Erhebungen der Universität für Bodenkultur könnten im schlimmsten Fall die Zahl der Hitzetage bis Ende dieses Jahrhunderts in Linz auf 100 verzehnfacht werden - eine Klimasituation wie in Südspanien. Dies würde zu dramatischen Veränderungen unseres Lebens von der Landwirtschaft über Wälder, Wasserhaushalt, Gesundheit (besonders in den Städten) bis hin zum Tourismus führen.

Die OberösterreicherInnen fordern daher klar und deutlich eine Klimaschutzoffensive: laut SORA-Umfrage vom Juni sagen 74%, dass die Klimaveränderung eine ernste Bedrohung für Oberösterreich ist und fordern 83%, dass die Landesregierung wegen der Klimaveränderung Maßnahmen zum Klimaschutz absoluten Vorrang geben soll.

Totalversagen der Bundesregierung - sie hat nicht einmal einen Plan!

Gerade wurde der aktuelle Klimaschutzbericht 2017 vorgelegt, der die Untätigkeit dokumentiert: Statt Emissionen einzusparen, betrugen die Emissionen im letzten untersuchten Jahr 2015 rund 78,6 Millionen Tonnen und damit um 3,2 Prozent oder 2,5 Millionen Tonnen mehr als 2014 und sogar um 0,1 Prozent mehr als vom Wert von 1990 - dem Startjahr der Kyoto-Periode und damit dem Startjahr der Klimaschutzverpflichtungen. Ein Debakel.

Ein Totalversagen, das bereits jetzt zu massiven Schäden führt - auch zu wirtschaftlichen. Schon heute verursacht der Klimawandel Kosten von einer Milliarde Euro pro Jahr in Österreich, bis Mitte des Jahrhunderts werden sich diese bei Fortsetzung des aktuellen Kurses auf im Schnitt 5 bis 9 Milliarden Euro steigern - der Finanzierungsbedarf einer Steuerreform - und das jedes Jahr.

Auch im EU-Schnitt ist Österreich mit diesem Debakel ein Schlusslicht: Großbritannien hat die Emissionen seit 1990 etwa um 34 Prozent gesenkt, Deutschland und Dänemark um 28 Prozent, Italien um 20 Prozent, die EU im Schnitt um 24,4 Prozent. Österreich hingegen überhaupt nicht.

Klimakrise bringt dramatische Flüchtlingsbewegung

Eine entsprechende Auswirkung auf die Fluchtbewegung wird auch vom offiziellen österreichischen Klimabericht bestätigt: "Ferner wird der Migrationsdruck aus südlichen Ländern, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind, zunehmen. (...) alleine in Asien und Afrika rechnet man bis 2020 mit 74 bis 250 Millionen betroffenen Menschen."

Top-Wissenschafter und Diplomaten sehen noch drei Jahre Zeit, um die schlimmsten Folgen zu vermeiden

Sechs führende WissenschafterInnen und DiplomatInnen haben einen offenen Brief verfasst, in dem sie Sofortmaßnahmen bis 2020 einfordern, um die schwersten Folgewirkungen der Klimakrise doch noch vermeiden zu können (in den Bereichen E-Mobilität, Energiewende, Einleitung des Ausstiegs aus den fossilen Energieträgern und ein drastisches Verringern der Abholzungen der großen Wälder).

Unser 5-Punkte-Plan zum Klimaschutz

Wir fordern daher Sofort-maßnahmen in Österreich, um das Klimaschutzdebakel zu beenden und appelliern an alle RegierungskollegInnen um aktive Beiträge.

Der 5-Punkte-Plan:

  1. Einigung auf eine österreichische Klimastrategie und Veröffentlichung dieser Strategie vor den Nationalratswahlen – die internen Entwürfe liegen vor, es braucht "nur" eine politische Einigung
  2. Erarbeitung eines Masterplans mit Maßnahmen zum Erreichen des Weltklimavertrages in Österreich (minus 36% Emissionen bis 2030) bis Jahresende
  3. Darin sind jene Maßnahmen festzuschreiben, die erforderlich sind, um 100 Prozent Erneuerbare Energieträger bis 2030 zu erreichen. Teil davon muss eine aufkommensneutrale ökosoziale Steuerreform sein, die CO2-Sparen belohnt. 
  4. Verkehrswende unter anderem mit einer umfassenden Ausbauoffensive für den öffentlichen Verkehr, der raschen Einführung eines Österreich-Tickets für Öffis (um drei Euro pro Tag bzw. um einen Euro pro Tag für ein Bundesland und 2 Euro pro Tag für zwei Bundesländer) und der Festlegung, sodass es ab 2030 in Österreich zu keiner Neuzulassung fossil betriebener PKW mehr kommt.
  5. Bodenschutzoffensive mit einer drastischen, gesetzlich verankerten, jährlichen Verringerung der Flächenversiegelung.

Auch Oberösterreich muss rasch zusätzliche Beiträge zu Klimaschutz und Klimaanpassung verwirklichen. Wir apellieren an unsere RegierungskollegInnen, bis 01.11.2017 konkrete Zusatzmaßnahmen für einen verstärkten Klimaschutz und wirksame Anpassungsmaßnahmen vorzulegen. Die Situation ist alarmierend, jetzt braucht es Ernsthaftigkeit, Entschlossenheit und Engagement. Und kein weiteres Blockieren und Zuwarten.

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