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am 11. September

Jedes zweite Schnitzel ist Importfleisch

Die Redaktion - Wir brauchen Qualität und Regionalität statt der Jagd nach dem billigsten Stück Fleisch.

Clemens Stammler und Ulrike Lunacek auf der Rieder Messe

Die Landwirtschaft und ihre vor- und nachgelagerten Bereiche bieten über 500.000 Menschen in Österreich einen Arbeitsplatz. An der Zukunft unserer kleinbäuerlichen Struktur hängt auch die Zukunft des heimischen Tourismus, der mit 16% des Bruttoinlandprodukts (BIP) der wichtigste Wirtschaftszweig des ländlichen Raumes ist. Die sagenhafte Schönheit und Vielfalt unserer Landschaft, von den Weinbergen im Burgenland bis zur Alm am Berg, sind auch ein Ergebnis der Arbeit unserer BäuerInnen. Unsere Lebensgrundlage, eine intakte Natur, ist in akuter Gefahr. Die globale Agrarindustrie zerstört durch Profitmaximierung die bäuerliche Landwirtschaft - auch in Österreich.

Eine Zahl zeigt deutlich, wie weit es schon gekommen ist: Wirft man einen Blick auf die Versorgung unseres Landes mit Fleisch im Laufe der Zeit, so zeigt sich, dass die stolze Agrarnation Österreich noch vor einigen Jahrzehnten den Bedarf an Fleisch durch BäuerInnen aus der Region gedeckt hat. Seit in Ländern wie Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Polen, aber auch Übersee wie USA, Kanada und Brasilien eine rasante Industrialisierung der Agrarproduktion Einzug gehalten hat, wird Fleisch in Masse produziert und zu Dumpingpreisen gehandelt. Mittlerweile importieren wir laut Statistik Austria pro Jahr 191.000 Tonnen Schweinefleisch und 118.000 Tonnen Geflügel (vor allem Truthahn) aus dem Ausland.

Jedes Zweite Wiener Schnitzel ist Import-Fleisch

Mehr als 50% der Lebensmittel werden in Österreich außerhalb der eigenen vier Wände in Kantinen, in Restaurants und in Gasthäusern konsumiert. Der größte Gastronom Österreichs ist eine Möbelhaus-Kette, die mit Billigfleisch KundInnen lockt. Sie bringt das Kulturgut Wiener Schnitzel zum Dumpingpreis von 2,90 Euro aufs Teller.

Nach Schätzungen des Interessensverbandes der oberösterreichischen SchweinebäuerInnen, sind 50% des Schweinefleisches in der Gastronomie ausländischer Herkunft. Garantiert ist damit nur, dass der nächste Lebensmittelskandal oder der nächste erschütternde Bericht über Tierleid wegen Profitmaximierung nur eine Frage der Zeit sind.

Unsere Stärke liegt sicher nicht in der Masse, sondern in der Qualität. Dafür brauchen die BäuerInnen aber faire Preise statt die Jagd auf das billigste Stück Fleisch. Laut Weltagrarbericht sind es genau die bäuerlichen Familienbetriebe, die die Herausforderung der steigenden Weltbevölkerung und deren Ernährung stemmen können, ohne dabei die Grundlage Boden für immer zu zerstören.

Clemens Stammler

Zur Person:

Clemes Stammler ist Landwirtschaftskammerrat und Kandidat der Grünen OÖ für die Nationalratswahl 2017


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