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am 4. August

Hitzewellen, Tropennächte, wärmere Gewässer

Rudi Anschober - Neuerlich eine extreme Hitzewelle, Tropennächte, Unwetter, steigende Temperaturen nicht nur in Seen, sondern auch in Fließgewässern. Wann wird die Bundesregierung endlich beim Klimaschutz aktiv?

Verdorrte Wiese

Heute Nacht hatte Oberösterreich schon wieder eine sogenannte Tropennacht. Die aktuelle Hitzewelle bzw. die vielen heißen Tage und Nächte im Jahr 2017 bisher lassen niemanden mehr unberührt – sowohl gesundheitlich merkt man die Folgen der Hitze, bei Tieren und Pflanzen, in überhitzten Wohnräumen, in der Landwirtschaft, etc. Weltweit ist 2017 bisher das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Wer jetzt nicht versteht, dass wir uns mitten in einer Klimakrise befinden und endlich handeln müssen, dem ist nicht zu helfen. Denn alle Studien prognostizieren weitere starke Temperatursteigerungen, wenn nicht gehandelt wird - mit katastrophalen Auswirkungen auch in anderen Regionen, etwa in Afrika und Südasien, was große Fluchtbewegungen zur Folge hätte.

Die Daten von Bluesky Wetteranalysen und der ZAMG für Oberösterreich zeigen: die Temperaturen steigen, allein für Linz zählen wir aktuell schon 18 Hitzetage 2017 im Vergleich zu 11 Hitzetagen im ganzen Jahr im Durchschnitt der letzten Jahre. Dazu kommen viele Tropennächte - mit Temperaturen, die nicht mehr unter 20 Grad sinken. Steigende Temperaturen sind nicht mehr zu leugnen - sie bringen extremere Witterung, mehr regionale Starkregen und Extremniederschläge, Dürre.

Trotz dieser schon seit Jahren spürbaren Konsequenzen des Klimawandels und zahlreicher Vorstöße, konnte sich die Bundesregierung bisher nicht zu engagiertem Klimaschutz durchringen. So fehlt bis heute die Umsetzung des Weltklimavertrags von Paris in Österreich in Form der geplanten "Integrierten Klima- und Energiestrategie" bzw. der darauf aufbauenden konkreten Klimaschutzmaßnahmen in Form von Energiewende und Verkehrswende.

Eine aktuelle Umfrage zeigt: im Gegensatz zu vielen Entscheidungsträgern in der Politik haben die OberösterreicherInnen die Notwendigkeit von Klimaschutz verstanden und fordern ein Gegensteuern. Wer jetzt nicht handelt, agiert verantwortungslos gegenüber den nächsten Generationen. Denn wir sind die letzte Generation, die eingreifen kann, wir entscheiden heute mit unserem Verhalten über die Lebenssituation der nächsten Generationen.

Wir wollen nicht nur gemeinsam mit den anderen Bundesländern den Druck auf die Bundesregierung verstärken, endlich die notwendigen Maßnahmen zu setzen, sondern auch in Oberösterreich den Klimaschutz verstärken:

  • durch Emissionsverringerungen durch verstärkte Energiewende und Verkehrswende
  • durch Verstärkung der Klimavorsorge (Klimaanpassung) zum Beispiel Anpassung von Städten an steigende Temperaturen
  • durch verstärkte Forschung über Klimafolgen (zum Beispiel in Fließgewässern und Seen sowie ein Frühwarnsystem)

Flüsse und Seen werden wärmer

Auch die Seen in Oberösterreich werden im Zuge der höheren Temperaturen durch den Klimawandel wärmer, die Auswirkungen auf komplexe interne Vorgänge und Ökologie sind aber noch weitgehend unbekannt.

Im Rahmen von zwei Studien testen WissenschafterInnen an oberösterreichischen Seen über Jahre diverse Parameter wie zum Beispiel die Temperatur an verschiedenen Punkten und Seetiefen sowie die Auswirkungen darauf auf Durchmischungen unterschiedlicher Tiefenstufen und der Lebensweise von WasserbewohnerInnen und Artenvielfalt.

Aktuell liegen noch keine Endergebnisse vor, die Vermutung besteht aber, dass durch die Zunahme an Hitzetagen, die Durchmischungsphase im Herbst/Winter, in der auch sauerstoffreiches Oberflächenwasser nach unten transportiert wird, zeitlich immer weiter nach hinten rückt (und eventuell dadurch auch verkürzt wird).

Die Oberflächenjahrestemperaturen sind am Irrsee durchschnittlich um 2 Grad gestiegen, am Mondsee um 1,8 Grad und am Hallstätter See um 1,4 Grad Celsius in der 41-jährigen Studienperiode. Die höchsten Jahrestemperaturen wurden dabei am Irrsee und Mondsee im Jahr 2003 sowie am Hallstätter See im Jahr 2013 gemessen, die niedrigsten Jahrestemperaturen stammen jeweils aus den 1980er Jahren. Temperaturen in den See-Tieflagen zeigten am Irrsee und Mondsee noch keine deutlichen Trends, während die Temperatur am Hallstätter See leicht um 0,5 Grad gestiegen ist.

Als Auswirkung zeigt die Studie die immer spätere Durchmischungsphase der Tiefenwässer um 28 bis 37 Tage. Diese Durchmischungsphasen sind aber wesentlich für die internen chemischen und biologischen Prozesse in den Seen.

Ähnliche Zwischenergebnisse zeigen auch Forschungsprojekte an den oö. Fließgewässern - die Temperaturen steigen. Jetzt müssen wir erforschen, welche Langzeitfolgen eintreten, falls die Prognosen von globalen Temperaturerhöhungen von 2-5 Grad Wirklichkeit werden. Was bedeutet dies langfristig für die ökologische Leistungsfähigkeit von Gewässern, für die Wasserqualität, für den Fischbestand, für die Kühlungsfunktion und Abwasserreinigung an großen Fließgewässern.

Weltweit Konsequenzen des Klimawandels spürbar

Die Konsequenzen von immer mehr Hitzetagen, Unwettern oder steigenden Gewässertemperaturen sind vielfältig, reichen von gesundheitlichen Problemen beim Menschen über Änderungen bei Pflanzen- und Tierwelt, über Veränderungen in der Landwirtschaft durch Dürre oder das zunehmend knappe Gut Wasser (wie aktuell zum Beispiel. in Italien schon beim Trinkwasser oder in der österreichischen Landwirtschaft bemerkbar), bis hin zu Problemen in der Wasserkraft, bei Materialien, die der Hitze nicht standhalten oder extrem ansteigenden Einsätzen der Rettungsorganisationen durch Unwetter. Global gesehen sind Millionen Menschen durch den Klimawandel in ihren Lebensgrundlagen bedroht und mit Flucht in fruchtbarere Länder konfrontiert. WissenschafteInnen geben der jahrelangen Dürre in der landwirtschaftlich genutzten Daara-Ebene in Syrien eine Mitschuld an der Eskalation des Krieges.

Im Alpenraum ist es seit 1850 bereits um rund 1,5 Grad wärmer geworden, rund um den Globus betrug die Erwärmung etwa 1,2 Grad. Und die Temperaturkurve steigt weiter an.

Politische Forderungen: Wann wird die Bundesregierung endlich aktiv?

Mit dem Weltklimavertrag von Paris ist weltweit für den Klimaschutz ein Riesenwurf passiert. Anstatt, diesen Schwung zu nutzen, engagierten Klimaschutz in Österreich samt Verkehrswende auf Schiene zu bringen, hat es die Bundesregierung aber schlichtweg verschlafen, die Integrierte Klima- und Energiestrategie noch vor der Nationalratswahl zu beschließen und damit die Weiterarbeit an konkreten Maßnahmen wiederum um ein Jahr – nach Wahlen und Regierungsverhandlungen – verschoben. Dabei würden auch die vielen österreichischen Unternehmen, die Zukunftstechnologien anbieten, in Oberösterreich etwa Biomasseheizkessel oder Solarthermie, mit einem starken Heimmarkt im Rücken auch weltweit leichter Fuß fassen können.

Noch mehr Zeitverlust kann sich Österreich eigentlich nicht leisten, da nach der Klimastrategie erst das Maßnahmenpaket zur Umsetzung der Strategie erarbeitet werden muss (noch wesentlich schwieriger) und bis allerspätestens Ende 2018 der Umsetzungsbericht für das Pariser Weltklimaübereinkommen an die EU übermittelt werden muss.

Dass es zu diesem Beschluss der Klimastrategie Österreichs wohl nicht mehr vor den Nationalratswahlen kommt, ist gerade in Zeiten, wo tagtäglich über 8 Millionen Menschen allein in Österreich unter den Auswirkungen der Hitze leiden und es wegen des Austritts der USA aus dem Weltklimavertrag Zusammenhalt aller anderen Mitglieder geben sollte, ein trauriges Signal.

Klimaschutz in Oberösterreich

In Oberösterreich ist in den letzten Jahren viel für den Klimaschutz getan worden. Hauptverantwortlich dafür, neben den politischen Rahmenbedingungen der letzten beiden Legislaturperioden, ist eine breite Klimaschutzbewegung - mittlerweile sind 296 Gemeinden, 193 Schulen, über 600 Betriebe im Klimabündnis OÖ für den Klimaschutz aktiv und zusätzlich die 13 Klima- und Energiemodellregionen (KEMs) aktiv in der Region tätig.

Die neue oberösterreichische Landesenergiestrategie "Energie-Leitregion OÖ 2050", die durch die Mehrheit in Landtag und Landesregierung beschlossen wurde, kann den Anteil Oberösterreichs an der notwendigen Erreichung der Ziele des Weltklimavertrages von Paris aber nicht garantieren, denn die planbaren Ziele der Energiewende wurden relativen Zielsetzungen unterworfen – so stehen nun statt der 100% Strom aus erneuerbaren Energieträgern 80 bis 97% je nach wirtschaftlicher Entwicklung als Zielkorridor festgeschrieben.

Drei Säulen einer verstärkten Klimapolitik in Oberösterreich

Wir brauchen natürlich Unterstützung seitens der EU und der österreichischen Bundesregierung. Aber auch Oberösterreich muss nach Erfolgen in der Vergangenheit noch aktiver werden - das großartige Klimaschutznetzwerk unseres Landes ist eine tolle Grundlage dafür.

Die drei strategischen Schwerpunkte des Klimaschutzressorts:

  • Klimaschutz verstärken, vor allem in den Bereichen Energiewende und Verkehrswende
  • Klimaanpassung verstärken, vor allem in Form von Frühwarnsystemen und Kühlungssysteme bei Gebäuden und in Städten
  • Klimaforschung verstärken: was kommt auf uns zu, falls wir die Paris-Ziele nicht schaffen würden
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