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am 12. August

Erneuerbare Energieträger lösen Atomkraft ab

Die Redaktion - Wir bringen vollen Einsatz gegen die Laufzeitverlängerung des AKW Temelin und für eine echte österreichische Energiewende. (Autorin: Leonore Gewessler)

Atomkraft ist ein Auslaufmodell, die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien. Nicht nur durch das unkalkulierbare Risiko der Atomkraft. Die Vorteile der erneuerbaren Energien überwiegen auch in anderen Bereichen:

  • Bei der Wirtschaftlichkeit sind die erneuerbaren Energien der Kernkraft weit überlegen. Bei der Atomkraft sind im globalen Vergleich die DurchschnittsInvestitionskosten von 112 bis 189 Dollar pro Megawatt installierter Leistung zu erwarten, das liegt weit über den Kosten von Windkraft (29 bis 56 Dollar) oder Photovoltaik (36 bis 44 Dollar). 
  • Entgegen der Behauptung der Atomlobby ist Atomkraft keine CO2-arme Energieform. Bei Betrachtung der gesamten Abbaukette von Urangewinnung mit immer geringeren Urangehalten bis zur ungelösten Frage der Endlagerung hochradioaktiven Mülls sind die Lebenszyklus-CO2 Emissionen weit über denen von erneuerbaren Energien. 
  • Zusätzlich spielt der Faktor Zeit gegen die Atomkraft. Die Energiewende muss in den nächsten 10 Jahren massiv vorangehen. 10 Jahre sind global gesehen die durchschnittliche Baudauer von AKW – noch ohne Berücksichtigung von Genehmigungsverfahren. Viele der jetzt in Bau befindlichen AKW-Projekte sind noch in der letzten Dekade geplant worden und werden noch lange nicht ans Netz gehen. 33 der 50 Bauprojekte sind teils massiv verzögert. Nur mit den erneuerbaren Energien sind also tatsächlich klimaschützende Erzeugungsarten rasch genug verfügbar, um die Klimakrise einzudämmen.
  • In immer mehr Staaten lösen die erneuerbaren Energien zusehends die Kernkraft ab. Lieferten Atomkraftwerke im Jahr 1995 noch 18 Prozent des weltweiten Stroms, werden laut IEA Zahlen heute nur noch 10,4 Prozent des weltweiten Stroms mit Atomkraft erzeugt. 2017 gingen weltweit nur noch vier Atomkraftwerke neu ans Netz, drei davon in China. Die Gesamtleistung dieser Kraftwerke liegt bei 3,3 GW. Zugleich installierte China aber im eigenen Land in 2017 Solarstromanlagen mit einer Kapazität von 53 GW.

Die rasante Entwicklung bei den erneuerbaren Energien drängt die Atomkraft immer weiter an den Rand, auch wenn sich die Atomlobby noch so sehr gegen ihren Niedergang wehrt. Selbst China, das den Großteil der neuen AKW-Projekte beherbergt, zeigt, dass die Reise zu den Erneuerbaren geht. Auch Europa und damit Österreich müssen die Zeichen der Zeit erkennen. Dies bedeut Einsatz auf allen Ebenen für einen europaweiten Atomausstieg und noch viel mehr Engagement für die erneuerbaren Energien. Alles andere ist eine Sackgasse.

Der Auftrag an Regierung: Widerstand gegen die Kernkraft, massive Förderung der erneuerbaren Energien

​​​​In diesem Sinn fordern wir von der Übergangsregierung und der nächsten Bundesregierung Taten – einerseits im Kampf gegen die Atomkraft und andererseits in der Förderung der erneuerbaren Energien. Dies bedeutet konsequent für den Atomausstieg in Europa und das Ende von Laufzeitverlängerungen eintreten. Konkret muss die Übergangsregierung:

  • die eingeleiteten Bemühungen Oberösterreichs unterstützen. Es gilt gemeinsam Rechtsschritte einzuleiten, um bei Temelin und anderen Risiko AKW ein UVP durchzusetzen 
  • bei der EU Kommission dafür eintreten, dass bei Anträgen auf Laufzeitverlängerungen grenzüberschreitende UVP festgeschrieben werden 
  • bei der EU grundsätzlich Schritte zur Begrenzung der Laufzeiten einfordern

Wir fordern nicht nur klare Maßnahmen gegen längere Laufzeiten, sondern auch gegen AKW Neubauten: Auch der Einsatz gegen die bei Neubauten teilweise irrwitzigen Finanzkonstrukten wie Kreditgarantien oder astronomisch hohe garantierte Abnahmepreise auf 35 Jahre, müssen ganz oben auf der Agenda der Regierung stehen. Das europäische Beihilfenrecht darf nicht dazu missbraucht werden, sich Atomkraft mithilfe staatlicher Unterstützungen schön zu rechnen.

Österreichs Weg zum Vorzeigeland der Erneuerbaren Energien

Ablehnung der Atomkraft und Kritik an den Atomstaaten alleine reichen nicht. Österreich muss zeigen, dass es anders und besser geht. Es muss beispielgebend wirken, zum Vorreiter der Energiewende werden und all deren Chancen nutzen.

Aktuell ist Österreich bei der Energiewende leider noch Nachzügler und nicht Vorreiter

​Österreich hat für die Energiewende hervorragende Voraussetzungen. In der jetzigen Situation sind wir aber mehr Nachzügler als Vorreiter und werden das Versprechen des Pariser Klimaabkommens verfehlen. Für uns ist das Ziel erst erreicht, wenn Österreich zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien versorgt wird, zu bezahlbaren Preisen und für alle zu jeder Zeit und an jedem Ort verfügbar. Die Ausgangslage ist leider ernüchternd:

  • Der Anteil Erneuerbarer Energien stagniert. Am Stromverbrauch beträgt der Anteil erneuerbarer Energie aktuell 72% (2017) – hier ist erstmals seit 2010 der Anteil der Erneuerbaren zuletzt sogar gesunken.
  • Die Perspektive 2030 für wichtige Gesetze wie das Ökostromgesetz und das Energieeffizienzgesetz fehlt. 
  • Das Photovoltaikpotential ist kaum ausgeschöpft.
  • Der österreichische Energieverbrauch ist viel zu hoch. 
  • Im Vergleich zu 1990 konnte Österreich seine Emissionen nicht senken. Mit dem Verfehlen der Klimaziele droht ein Strafzahlungs-Milliardengrab.

Die To do-Liste für die Bundesregierung in Sachen Ernergiewende:

​Das ist natürlich eine unhaltbare Situation, die umfassend geändert werden muss. Nur mit dem Finger auf Atomstaaten zu zeigen, ist zu wenig. Österreich muss handeln und und wieder Dynamik in die eigene Energiewende bringen. Die aktuell im Parlament anstehende Beschlussfassung zu Übergangslösungen für die Ökostromförderungen verhindert im besten Fall Rückschläge beim Ausbau erneuerbarer Energie. Das ist nicht genug. Hier sind sowohl die Übergangsregierung als auch die nächste Bundesregierung in der Pflicht:

  • Sicherstellen eines tauglichen Nationalen Energie- und Klimaplans: Nach dem türkis-blauen Fiasko-Plan muss die Interimsregierung ihre Verantwortung wahrnehmen und gemeinsam mit ExpertInnen der NGOs und der Wissenschaft bis Jahresende eine klimafitte Strategie vorlegen.
  • Energieverbrauch reduzieren: Langfristig muss Österreich mit etwa der Hälfte des bisherigen jährlichen Energieverbrauchs auskommen. Das ist die Basis, damit der verbleibende Energieverbrauch von den vorhandenen erneuerbaren Potenzialen naturverträglich gedeckt werden kann. Grundvoraussetzung dafür ist ein wirksames Energieeffizienzgesetz.
  • Thermische Sanierungen vorantreiben: Damit ist aus heutiger Sicht mehr als eine Halbierung des Energieverbrauchs für Raumwärme in Österreich machbar. Nötig sind eine Förderoffensive und steuerliche Begünstigung für die thermische Sanierung, vor allem für Haushalte mit geringem Einkommen.
  • Erneuerbare ausbauen: Für 100% erneuerbaren Strom bis 2030 und 100% erneuerbare Energie bis 2050 ist ein taugliches Ökostrom-Nachfolgegesetz unumgänglich. Photovoltaik hat dabei das größte Ausbaupotenzial. Das 100.000 Dächerprogramm der Klima- und Energiestrategie muss rasch zum 1-Million-Dächer Programm werden! Die Förderung von Gemeinschaftsanlagen, Bürgerenergiekraftwerken und Bürgerbeteiligungsmodellen als zentrale Hebel der Energiewende muss dabei im Zentrum stehen.
  • Raus aus der Ölheizung – aber richtig: Ein Raus-aus-Öl-Bonus, dessen Budget nach 3 Monaten erschöpft ist, bringt keine Trendwende beim Heizen. Wir fordern eine mit den Bundesländern abgestimmte Förderoffensive, die den Namen auch verdient.

Autorin: Leonore Gewessler​

Leonore Gewessler vor dem AKW Temelin
Leonore Gewessler vor dem AKW Temelin
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