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am 8. Mai

Decken wir den Tisch für Bienen und Co

Rudi Anschober - Mit einem blühenden, giftfreien Insektenbuffet auf dem Balkon, im Garten und in der Stadt

üppige Gartenlandschaft ohne Reue

Bunte Blumen am Wegrand, Vogelgezwitscher aus einer Wildsträucherhecke, zirpende Heuschrecken an einem heißen Sommerabend, in der Blumenwiese summt es kräftig – wann haben Sie das zum letzten Mal erlebt?

Mit unserer Kampagne "Oberösterreich blüht auf. Für Biene, Vogel, Schmetterling & Co" wollen wir gemeinsam mit FachexpertInnen, Betroffenen und VordenkerInnen ein umfassendes Maßnahmenpaket für Oberösterreich erarbeiten und schrittweise präsentieren, das dafür sorgen soll, dass das bedrohliche Insektensterben beendet wird.

Kern dieser kürzlich gestarteten Kampagne ist die Auseinandersetzung um Gesundheit und Umwelt, um die Vielfalt unserer Landschaft, um den Erhalt von Insekten, Singvögeln und Schmetterlingen zu sichern. Neben der industrialisierten Landwirtschaft und den öffentliche n Flächen ist auch der "industrialisierte Garten" und fehlendes Wissen der HobbygärtnerInnen ein Handlungsfeld.

Wir alle können sehr einfach einen Beitrag leisten. Oft sind es ganz einfache Schritte - Wissen und Handeln sind die Voraussetzung dafür, dass es Biene, Vogel, Schmetterling & Co bald besser geht. Wir müssen genau heute endlich beginnen, gemeinsam und möglichst breit, für Umwelt und Natur einzutreten. Dafür ist kein Vorgarten oder Balkon zu klein, jeder kann etwas zum Insektenschutz und zur Artenvielfalt in seiner Umgebung beitragen. Und dafür gibt es PartnerInnen und UnterstützerInnen. Das REWISA-Netzwerk mit seinen Fachbetrieben für naturnahes Grün und das Bodenbündnis Oberösterreich sind dazu starke PartnerInnen und TrägerInnen der Kampagne, um die Bevölkerung zu sensibilisieren und Projekte zu realisieren für ein bewusstes und naturnahes Garteln im Privaten.

Es ist stiller geworden auf Wiese und Feld – die Zahl der Insekten, von Wildbienen bis hin zu Schmetterlingen, nimmt weltweit immer weiter ab - auch in Oberösterreich. Immer weniger Nahrungsquellen für Insekten – unter anderem durch ausgeräumte Landschaften, jahrelangem Einsatz von bienengefährdenden Pestiziden, Lichtverschmutzung, Klimaveränderung. Es gibt ein ganzes Mosaik an Ursachen für das Sterben von Bienen, Wildbienen, Schmetterlingen und vielen anderen Insekten. Insekten sind umgekehrt aber die Nahrungsgrundlage vieler Vögel. Insekten und Pflanzen sind ein eingespieltes Team: Jede Pflanze hat eine Funktion, jedes Insekt eine Vorliebe. Die Pflanzen erfüllen dabei verschiedene Zwecke. Nicht nur Nektar und Pollen, sondern auch die Stängel und Blätter sind wichtig für Insekten. Denn daraus werden Nester gebaut oder sie werden von Raupen gefressen. Manche Insekten sind auf bestimmte Pflanzen spezialisiert, andere vielseitiger. Aber allen fehlt es an Nahrung und Lebensraum. Gärten, Terrassen und Balkone können daher mit der Wahl der richtigen Pflanzen vielen Insekten einen wertvollen Lebensraum bieten.

Mehr Vielfalt auf Balkon und im Garten – mit einfachen Mitteln viel erreichen

​Ein insektenfreundlicher Garten, lässt sich oft mit einfachen Maßnahmen in kurzer Zeit umsetzen. Etwa mit einem Wildstaudenbeet, einer Totholzecke oder einfach einem "wilden Eck" mit Brennnesseln, Giersch und Disteln im Garten kann jeder Lebensraum für Insekten und Vögel schaffen. Ein kleiner Streifen Wildblumen ist schon ein guter Anfang. Davon haben auch wir Menschen etwas: Die kleinen Nützlinge helfen uns bei der Bekämpfung von unerwünschten Insekten und halten unsere Pflanzen im Garten gesund.

Auch ein kleiner Stadtbalkon lässt sich in ein blühendes, naturnahes Gärtchen verwandeln, das gerne von Insekten besucht wird. Eine Nisthilfe oder ein Topf mit Insektenpflanzen lässt sich auf kleinstem Raum realisieren.

Tipps für den Insektengarten

Wilde Ecken:
Einfachste Maßnahme ist es, eine wilde Ecke stehen zu lassen, die weder gemäht noch betreten wird. Hier wird der Natur Raum gelassen und das ist für unsere Insektenarten überlebenswichtig.

Frühblüher:
Frühblüher sind für viele früh fliegende Insekten überlebensnotwendig. Jeder insektenfreundliche Garten sollte eine Auswahl dieser Pflanzen wie zum Beispiel Schneeglöckchen, Krokusse, Blaustern oder Narzissen enthalten.

Wildblumenbeet/Staudenbeet:
Ein duftendes Wildblumenbeet mit heimischen Pflanzen ist für jeden Garten eine Bereicherung. Die farbenfrohen Beete sind einfach anzulegen, pflegeleicht und erfreuen über einen langen Zeitraum. Die Stauden werden über den Winter stehen gelassen und nachdem im Frühjahr die in den Halmen überwinternden Insekten geschlüpft sind , erfolgt der Rückschnitt. Samenstände von Distelarten beispielsweise ernähren bis in den Spätherbst Vogelarten wie Distel- und Grünfinken oder Goldammern und sind ein Blickfang während der Winterzeit. Die in den Staudenresten vorhandenen Insekten ernähren im Frühjahr die Brut der gartenbewohnenden Vogelarten.

Pflanzenauswahl/Heimische Wildpflanzen und Sträucher:
Heimische Sorten sind optimal an den jeweiligen Standort angepasst und wachsen problemlos. Sie locken Insekten, Vögel und andere Tiere in den Garten. So bieten Weißdorn oder Hasel etwa zehnmal so vielen Tieren eine Heimat wie Thuje oder Forsythie.

Insekten haben zwar unterschiedliche Nahrungsansprüche, grundsätzlich ist es aber wichtig, das lebenswichtige Nektar- und Pollenangebot möglichst vom Frühjahr bis zum Herbst zu bieten, das wird durch folgende Maßnahmen erreicht:

  • Verschiedene heimische und standortangepasste Blühpflanzen
  • Anbau von früh- mittel- und spätblühenden Sorten
  • Vermeiden von gefüllt blühenden Blumensorten; sie bieten keinen Nektar und Pollen

Schweigen bei Forsythie und Geranien, so brummt und summt es bei Kornelkirsche und Glockenblume – je wilder, desto besser

Sowohl im Garten als auch auf dem Balkon - auf die Bepflanzung kommt es an. Geranien und Petunien mit ihrer Blütenfülle und Farbvielfalt sind schön anzusehen, allerdings hat die anhaltende Blütenpracht einen ökologischen Pferdefuß: Diese Arten wurden steril gezüchtet, bilden also keine Samen, dadurch wird eine Dauerblüte möglich. Sterile Blüten haben Insekten aber nichts zu bieten.

Für den Balkon bieten sich deshalb Wildpflanzen wiezum Beispiel Glockenblume, Alpenlein, Löwenmäulchen und Storchenschnabel an, die durch ihre Farben eine unglaubliche Fernwirkung erreichen. Selbst in scheinbar grauen Häuserschluchten werden Wildpflanzen von nektarsuchenden Insekten gefunden. Durch einen Rückschnitt kann auch bei diesen Arten eine zweite Blüte ausgelöst werden. Bei der Bepflanzung am Balkon darf je nach Standort experimentiert werden. Kombinationen von Wildstauden, klassischen Zierpflanzen und Gewürzen können gut nebeneinander gezogen werden. Auch die Forsythie, als Hybride aus China in unsere Gärten gebracht, bildet "trockene Blüten" ohne Pollen und Nektar und ist nutzlos für Bienen und Co. Als Alternative zur Forsythie sind die Blüten der Kornelkirsche oder des gelben Hartriegel (Cornus mas) im März und April eine wichtige Nahrungsquelle für die Bienen. Die Früchte des Strauchs (Dirndln) leuchten ab September von den Ästen und sind, nicht nur in der Tierwelt eine begehrte Vitamin C-Quelle, sondern lassen sich bestens zu Kompott, Marmelade oder Likör verarbeiten.

Wie so oft gilt auch im Garten: Je vielfältiger, desto interessanter wird es. Wobei Vielfalt nicht bedeutet, möglichst exotische Pflanzen zu pflanzen. Im Idealfall blüht es im Garten vom ausgehenden Winter bis zum Spätherbst. Die frühesten Stauden sind Christrosen, zu den spätesten zählen Astern. So ist der Tisch für Insekten während ihres gesamten Entwicklungszyklus gedeckt. Besonders wichtig ist ein Nahrungsangebot im zeitigen Frühjahr, wenn die ersten Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge unterwegs sind. Die zweite blütenarme Zeit ist der Spätsommer – hier steht ein großes Angebot an Spätsommerblühern zur Auswahl.

Beispiel: Zierrosen und Insekten

Rosen finden sich in den meisten Gärten, ob die duftenden Schönheiten Insekten anziehen oder nicht, hängt aber von der Sorte ab. Hochgezüchtete Rosen, die gefüllte Blüten haben, nützen unseren Insekten oft wenig. Ihre Blüten sind zu eng für die Tiere. Hinzu kommt, dass die Blüten oft keinen Nektar oder Pollen haben da die Staubgefäße und/oder Nektarien zugunsten weiterer Blütenblätter weggezüchtet wurden.

Insekten lieben die einfachen Wildformen. Mit über 40 Arten und den Blütenfarben weiß, verschiedenen Rosatönen und Purpurrot, sind Wildrosen in Mitteleuropa vertreten. Für mehr als 150 Tierarten sind die Blüten, Blätter und Früchte der Wildrosen eine wichtige Nahrungsquelle. Auch Vögel profitieren von heimischen Rosen, ihre Hagebutten sind im Winter seltene Nahrung. Arten wie die Kriechrose können auch als rankende Pflanzen verwendet werden. Andere Arten finden auf dem Balkon oder dem Fensterbrett ein Zuhause.

Das REWISA - Netzwerk – Fachbetriebe für naturnahes Grün

REgionale WIldpflanzen und SAmen

Für den Fortbestand der Artenvielfalt unserer Landschaften ist die Verwendung regionaler Pflanzen essentiell. Einzelne PionierInnen haben begonnen, Samen heimischer Pflanzen auf verschiedenen naturnahen Standorten in österreichischen Kulturlandschaften zu sammeln.

Planer und ausführende Betriebe haben Verfahren entwickelt, diese Samen und Pflanzen effizient auszupflanzen und anstelle des gärtnerischen Materials in ihren Gestaltungen zu verwenden. Im Jahr 2008 haben sich die Betriebe und Institutionen, die in diesen Bereichen tätig waren, zu zwei Vereinen zusammengeschlossen: REWISA und Naturgarten-Netzwerk. Im Jahr 2016 fusionierten die beiden Vereine, um noch effizienter den Aufwind nutzen zu können, der in den letzten Jahren die Idee des Arbeitens mit regionalen Wildpflanzen vorantreibt.

Mehr als 20 Fachbetriebe in ganz Österreich planen, gestalten und liefern heimische Pflanzen und umweltverträgliche Materialien für Privatgärten, Betriebsareale, öffentliche Freiräume, Hecken, Blumenwiesen und mehr. ReferentInnen halten Vorträge und Workshops und zeigen bei Exkursionen gelungene Beispiele.

REWISA steht für: Regionale Wildpflanzen und Samen, zertifiziert nach einem strengen Prüfverfahren. Artenreichtum bei REWISA bedeutet:
Saatgut: mehr als 900 Arten
Stauden und Gräser: mehr als 300 Arten
Bäume und Sträucher: mehr als 100 Arten

Naturnahe Gärten liegen im Trend und leisten gleichzeitig einen aktiven Beitrag zum Naturschutz. Im Nu entwickelt sich der Garten zu einer grünen Oase, zu einem Stück Paradies. Ein Naturgarten bietet dem Menschen Naherholung direkt vor der Haustüre. Ob seltene Blütenstauden, Wildrosenarten, Sträucher und Bäume, sie gehören zur Grundausstattung eines Naturgartens. Für eine verstärkte  Verwendung von Wildformen in der Gartengestaltung sprechen nicht nur ihre Robustheit und der geringe Betreuungsaufwand , sondern vor allem auch ihr Potential als  Nahrungs- und Lebensgrundlage für die heimische Tierwelt.

Insektenfreundlich Garteln ohne Gift

In manchen Gärten wurden bisher erhebliche Mengen an Pestiziden eingesetzt – zu Lasten von Mensch und Umwelt. Durch den Griff zu chemischen Pflanzenschutzmitteln und Kunstdünger gelangen Gifte in unser Ökosystem, die langfristig Schäden anrichten.

Das Bodenbündnis Oberösterreich rät daher dringend, auf Gift im Garten und auf die Verwendung von Torf zu verzichten. Praxistipps für HobbygärtnerInnen geben die Broschüren "Garteln ohne Gift", "Bodenschutz im Garten" und Vorträge des Bodenbündnis Oberösterreich. Praxisnah beschrieben werden Do's und Dont's im Garten, gute Nachbarschaften etwa Tomaten und Petersilie, es werden Gifte erläutert und biologischer Pflanzenschutz, sowie Nützlinge vorgestellt.

Bestellmöglichkeit unter: bodenbuendnis@klimabuendnis.at

Das schützt die GärtnerInnen, die Tiere, die Produkte, das Wasser und die Böden. Unser Ziel ist der giftfreie Garten. Das ist Selbstschutz und das ist die Chance für die Entwicklung eines funktionierenden ökologischen Kreislaufes. Immer mehr GärtnerInnen gehen diesen Weg und setzen auf einen echten grünen Daumen.

Gemeinschaftsgärten als Orte der Vielfalt

Gemeinschaftsgärten sind mehr als die individuelle Suche nach einem schön gestalteten Rückzugsort. In den meisten Gärten gedeiht selbstherangezogenes Gemüse und oft eine Gemeinschaft, die im sozialen Miteinander Kommunikations- und Integrationsprozesse ermöglicht. Sie bieten den Menschen Platz, sich auf vielfältigen Ebenen fachlich, kulturell oder sozial auszutauschen. Viele Gärten in Oberösterreich sind bereits interkulturell, bieten geflüchteten Menschen die Chance einer sinnerfüllten Arbeit während des Wartens und sind Orte der Kommunikation und des Austauschs.

Gemeinschaftsgärten sind aber vor allem auch Orte der Vielfalt, in denen Insekten aber auch Wildpflanzen gedeihen dürfen, und leisten so einen wertvollen Beitrag, um die Zukunft einer Gemeinde/Stadt zu gestalten und um das Bewusstsein für Bodenschutz zu stärken.

Garteln für jeden – eine neue Karte gibt den Überblick

In Oberösterreich ist die Zahl der Garteninitiativen auf bereits rund 80 stetig angewachsen. In vielen Städten (z.B. Linz, Schärding, Braunau, uvm.) wie auch Gemeinden (z.B. Ebensee, Walding, Aigen Schlägl, uvm.) werden Obst, Gemüse und Kräuter in gemeinschaftlich geführten Gärten gepflegt. Eine neue Karte gibt einen Überblick über die Garteninitiativen in Oberösterreich.

Aktuelle Aktivitäten der Gemeinschaftsgarten - Initiative des Bodenbündnis Oberösterreich:

  • Leitfaden zur Gründung von Gemeinschaftsgärten NEU (2. Auflage)
  • Neues Vortragsangebot "Blütenreiches Bienenjahr im Garten"
  • Exkursion "Gärten der Vielfalt" am 8. Juni 2018

Allgemeine Informationen und Kontaktmöglichkeiten: www.bodenbuendnis.or.at

 08.05.2018

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