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am 14. Mai

Bienensterben: Risikopestizide verbieten

Gottfried Hirz, Maria Buchmayr, Rudi Anschober - Wir setzen einen Schwerpunkt in der kommenden Landtagssitzung und fordern ein Maßnahmenpaket gegen das Bienensterben.

Themenfoto Umweltgift Foto

Seit vielen Jahren sind Unmengen an Pestiziden und Pflanzengiften als Selbstverständlichkeit und als Grundausstattung von einem Teil von LandwirtInnen, HausgärtnerInnen und Kommunen eingesetzt worden. Aber zu welchem Preis: lange waren die Auswirkungen und Folgen nicht bekannt, dann wurden sie ignoriert, verharmlost und in Kauf genommen.

Aber nun ist es klar und die Fakten sind nicht mehr zu verbergen. Der massive Einsatz von Pestiziden geht auf Kosten von Menschen und Umwelt. Die Folgen sind nachhaltig und schwerwiegend. Neonikotinoide und Glyphosat sind nicht einfach nur chemische Mittel, sondern bedrohlich und zerstörerisch.

Pestizide richten nicht nur Schaden in der Pflanzen- und Tierwelt an, sondern schaden auch unserer Gesundheit. Nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) enthalten rund 45% der in EU-Ländern genommenen Lebensmittelproben Pestizidrückstände.

Nach Jahren der Ignoranz und Verharmlosung dringt das gesamte Ausmaß des Problems endlich in das Bewusstsein von Politik und Allgemeinheit. Wir warnen seit langer Zeit vor den Folgen der Pestizide. Nun sind wir tatsächlich an einem Wendepunkt angelangt. Es wird immer klarer, dass es so nicht weitergehen kann und eine Abkehr von den Pestiziden der einzige Ausweg ist. Erste Schritte wurden nun gesetzt. Nach langen Debatten haben Ende April die EU-Mitgliedsstaaten für die Ausweitung des Verbots der drei häufigsten Neonikotinoid-Wirkstoffe auf alle Anwendungsgebiete im Freiland beschlossen.

Das ist  ein Erfolg, eine richtige Entscheidung - aber trotzdem nur ein Zwischenschritt. Eine Etappe ist geschafft. Damit wollen und dürfen wir uns nicht zufriedengeben.
Ein Verbot der drei gefährlichsten Neonikotinoide ist gut, aber es reicht bei weitem nicht, alle bleibende Risiken zu beseitigen. Wir müssen raus aus allen Risikopestiziden, es dürfen keine gefährlichen Pflanzengifte mehr Verwendung finden. Das ist für uns der einzige konsequente Weg.

Aktuelle Stunde im Landtag auf unseren Antrag: Damit Oberösterreich aufblüht

Wir stellen die von uns beantragte aktuelle Stunde unter das Motto "Damit Oberösterreich aufblüht". Das Ziel ist, die gravierende Problematik der Pestizide umfassend zu beleuchten, die Risiken und Folgen aufzuzeigen und Alternativen zu diesen Pflanzengiften zu erörtern. Diese aktuelle Stunde ist auch die logische Fortsetzung unserer laufenden  Frühjahrskampagne, ebenfalls unter dem Motto "Damit Oberösterreich aufblüht".

Die Bedeutung und Rettung der Bienen, der Einsatz gegen Neonikotinoide und Glyphosat ist derzeit auf vielen Ebenen ein Thema, auch und insbesondere in den Medien. Nutzen wir diesen Rückenwind, nutzen wir die laufende Sensibilisierung gegenüber diesem Riesenproblem. Wir wollen mit der aktuellen Stunde einen Beitrag dazu leisten, das Bewusstsein gegenüber den Folgen und Risiken der Pestizide und der Notwendigkeit eines schrittweisen Ausstiegs weiter zu schärfen.

Dringlicher Antrag: Ausstieg aus Risikopestiziden

Wir werden im kommenden Landtag einen dringlichen Antrag für einen vollständigen Ausstieg aus den Risikopestiziden einbringen. Konkret wird mit diesem Antrag gefordert, aus der Verwendung von Pestiziden mit besonderem Gefahrenpotential auszusteigen. Dazu gehören unter anderem ein Gesamtverbot der Gruppe der Neonikotinoide, keine Zulassung riskanter Ersatzprodukte, ein Verbot von Glyphosat und generell eine Verringerung der Pestizidverwendung. Parallel dazu sind die Methoden umweltfreundlicher Pflanzenschutzmaßnahmen und der Ausbau der Biolandwirtschaft zu fördern.

Oberösterreich sollte in dieser wichtigen Sache an einem Strang ziehen. In diesem Sinne arbeiten wir auch an einem Schulterschluss aller Landtagsfraktionen: Es geht darum, weiteren Schaden abzuwenden. Es geht um die Gesundheit der Menschen, um den Schutz der Tiere und eine intakte Pflanzenwelt. Wir appelliere an die anderen Fraktionen, gemeinsam eine starkes Zeichen für einen schrittweisen Ausstieg aus den Pestiziden zu setzen.

Unser Antrag ist der jüngste einer ganzen Reihe von Anträgen der letzten Jahre, die eine Abkehr von Pestiziden und einen entsprechenden Schutz von Mensch und Umwelt einfordern. Dazu zählen:

  • die Erarbeitung einer oberösterreichischen Bienenschutzstrategie
  • die Aktionspläne des Landes Oberösterreich über die nachhaltige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln zu überarbeiten
  • das Verwendungsverbot von Pflanzschutzmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat

Alle drei Anträge liegen im Unterausschuss Landwirtschaft. Bisher wurde nur der erste am 10.07.2017 einmal diskutiert und auf unbestimmte Zeit zurückgestellt. Seitdem fand nur eine Exkursion des Unterausschusses ins Bienenzentrum Oberösterreich an der Landwirtschaftskammer Oberösterreich am 09.05.2018 statt. Die inhaltliche Behandlung der Anträge im Unterausschuss wird damit erst nach einem Jahr am 04.07.2018 fortgesetzt.

Dramatischer Rückgang von Insekten durch Pestizide

Fakten zeigen klar auf, wie überfällig, ja alternativlos ein komplettes Verbot von Risikopestiziden ist. Denn diese Pflanzengifte haben dramatische Folgen auf die Tierwelt – konkret auf Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten. Sie sind lebenswichtig für die Landwirtschaft und daher auch für den Menschen. Aber die Daten sind alarmierend: So zeigt eine Studie aus Deutschland im Jahr 2017 einen dramatischen Rückgang an Insekten auf - von Schmetterlingen über Käfer bis Hummeln. Um durchschnittlich 76 Prozent hat sich dort die Masse der Insekten in den letzten 27 Jahren reduziert. Diese Entwicklung dürfte auch in Österreich ähnlich sein. Darauf weisen die Rückgänge beim Bestand der Vögel hin, für die Insekten eine wichtige Nahrungsquelle sind. Hier zeigt der Farmland Bird Index für Österreich bei den häufigsten Feldvögeln ein Minus von 42 Prozent seit 1998, also innerhalb der letzten 20 Jahre. Zudem ist laut einer aktuellen Erhebung in Österreich rund die Hälfte der heimischen Schmetterlinge gefährdet.

Diese Zahlen sind ein klarer Auftrag zu handeln. Nicht ein klein wenig zu reduzieren, nicht an ein paar Schrauben zu drehen, sondern eine wirkliche, wirkungsvolle Kehrtwende zu vollziehen. Der Schaden an der Tierwelt wird letztlich auf uns zurückfallen, auch uns treffen. Es liegt doch auf der Hand, alles zu tun, um das zu verhindern.

Risiko für den Menschen durch Pestizidrückstände:

Den Menschen drohen nicht nur mittelbare Folgen durch den Insektenschwund. Ein deutliches Risiko sind  auch Pestizidrückstände. Diese finden sich mittlerweile überall - in den Böden, im Wasser bis hin zu den Lebensmitteln. In Österreich liegen die Rückstände meist unter den Grenzwerten je Einzelwirkstoff. Trotzdem bleibt aufgrund der Sammelwirkung des Pestizidcocktails ein Restrisiko für die Gesundheit.

Ein bekanntes Beispiel ist Glyphosat: Konkrete Zahlen zu Glyphosat liefert eine Untersuchung der Umweltorganisation Global 2000. Diese hat 2016 und 2017 neun beliebte österreichische Biermarken im Labor auf Rückstände des Pestizidwirkstoffs Glyphosat testen lassen, den die WHO als "wahrscheinlich krebserregend" einstuft. In vier von neun untersuchten Biermarken wurde Glyphosat gefunden. Auch wenn die gefundenen Rückstandsmengen im Bier klein sind, beweist der Test: Das Pestizid dringt immer weiter in alle Lebensbereiche vor. Dies zeigen auch Nachweise von Glyphosatrückständen in Brot, Wein und Honig.

Wehren wir uns dagegen, setzen wir uns nicht länger dem Risiko durch Pestizide aus. Einezlne Verbote und damit Stückwerk reichen nicht aus. Wir dürfen auch nicht zulassen, dass verbotene Pestizide durch ähnlich gefährliche, aber noch zugelassene, chemisch-synthetische Pestizide ersetzt werden. Ein kompletter Ausstieg ist die einzige richtige und konsequente Antwort auf all die Gefahren und Risiken. Gehen wir den anderen Weg, setzen wir auf Alternativen und fördern wir jene, die sie anwenden und forcieren - LandwirtInnen, Gemeinden, Betriebe und Private.

"Oberösterreich blüht auf" – ohne gefährliche Pestizide

Es wird immer deutlicher, das Verschwinden der Biene und Insekten gefährdet das gesamte Ökosystem. Besonders am Beispiel der Insekten und Feldvögel, wie auch dem Verlust an Bestäubungsleistung zeigt sich die erschreckende Lage deutlich. Insekten stellen 80% der Tierwelt, aber auch 80% der Nutzpflanzen werden durch Insekten bestäubt und wiederum fast 80% der Vögel ernähren sich bevorzugt oder ausschließlich von Insekten.

Flächenmäßig ist die industrialisierte Landwirtschaft mit Pestizid- und Düngereinsatz, Monokulturen ohne Begleitstrukturen häufige und frühe Mahd ein Hauptfaktor für das Insektensterben. Ein wesentlicher Grund für einen massiven Rückgang der Insektenbiomasse ist aber auch die Lichtverschmutzung. Ebenso trägt die falsche Bewirtschaftung oder Nutzung von Flächen in öffentlicher oder privater Hand zum Artenschwund bei. Ein schrittweises Ausstiegsprogramm aus gefährlichen Pestiziden ist ein wesentlicher Teil dieses Plans - für Biene, Vogel, Schmetterling & Co.
Oberösterreich muss wieder aufblühen, wir brauchen eine Trendwende zum Schutz von Biene, Vogel, Schmetterling & Co.

Das Thema Artenvielfalt muss stärker in den Fokus gebracht werden und die Auswirkungen von Artenverlust auf die Leistungen des Ökosystems sind aufzuzeigen, denn schlussendlich ist eine artenreiche Umwelt auf lange Sicht unsere Lebensversicherung. Denken wir zum Beispiel an schon 57 Bodenbündnis- Gemeinden, dutzende Gemeinschaftsgärten, die pestizidfrei Garteln oder an unsere Bio-LandwirtInnen, die ohne Umweltgifte ihre Felder bestellen können – es gibt wunderbare VorreiterInnen, jetzt gilt es, diese vor den Vorhang zu holen und breitenwirksam bekannt zu machen.

Der aktuelle grüne Bericht des Umweltministeriums weist für gesamt Österreich über 1.200 zugelassene Pflanzenschutzmittel aus – mit entsprechenden Auswirkungen. So werden Bienen, Schmetterlinge und Insekten – und damit auch deren Leistung als Bestäuber – durch die Intensivierung der Landwirtschaft und den Einsatz von Pestiziden bedroht.

Das Verbot der drei größten Produktgruppen der Bienengifte Neonikotinoide ist ein erster wichtiger Erfolg zur Bienenrettung, jetzt braucht es allerdings weitere konsequente Maßnahmen: keine Zulassung riskanter Ersatzprodukte und generell eine schrittweise massive Verringerung der Pestizidverwendung, parallel dazu einen Ausbau der Biolandwirtschaft. Die Umweltministerin muss als zweiten notwendigen Schritt einen Ausstieg aus Glyphosat in Österreich durchsetzen und dafür sorgen, dass Einschränkungen für alle glyphosathältigen Produkte umgesetzt werden, damit ein erstes Teilverbot rasch verwirklicht werden kann. Zudem sollen erste Ergebnisse der angekündigten Machbarkeitsstudie zum Glyphosatsusstieg rasch vorgelegt werden. Auch auf EU-Ebene gibt es Dynamik, die es zu nutzen gilt: Frankreich arbeitet intensiv an einem Verbot, auch die deutsche Bundesregierung hat angekündigt, ein Glyphosatverbot umsetzen zu wollen.

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