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am 1. September 2018

Bauer sein in Zeiten des Klimawandels

ooe.planet Redaktion - Auch Oberösterreichs LandwirtInnen sind bereits im alltäglichen Leben und Arbeiten mit sicht- und spürbaren Folgen der Klimaveränderung konfrontiert. Wie man trotz aller Widrigkeiten Nachhaltigkeit vorleben und dies auch an die eigenen Kinder weitergeben kann, zeigt die vierköpfige Familie Pree aus Kefermarkt vor.

Familie Pree

"Von den letzten vier Jahren hatten wir nur ein normales Jahr, das gepasst hat und wir die Verluste wieder aufholen konnten. Dazu kamen allerdings drei ganz trockene und schwierige Jahre", beschreibt Landwirt Paul Pree die aktuelle Situation. Seit einigen Jahren kämpft man zudem mit dem Käfer im Wald, im Vorjahr kam erstmals überhaupt auch noch der Engerling auf, der wertvolles Grünland zerstört - keine guten Aussichten. "Durch den guten Winter im Vorjahr haben wir noch Futterreserven, um durch den Winter zu kommen. Aber frage nicht, wir kriegen weiterhin kaum Niederschläge, zu wenige Schneefälle und viel zu milde Winter", beschreibt Pree, der den Hof im Jahr 2010 von seinem Vater offiziell übernommen hat.

Sind täglich dem Wetter ausgesetzt

Ehefrau Ulrike betont, was das gerade für kleinere Betriebe heißt: "Man muss heute schon voller Idealismus sein, um eine Landwirtschaft zu betreiben. Denn was viele nicht bedenken, die normale nine-to-five-Jobs ausführen: Man ist dermaßen dem Wetter und Widrigkeiten direkt ausgesetzt, da gehts schlicht jeden Tag um Existenzen. Wenn der Milchpreis oder die Ernte wegbricht, muss man erstmal schauen, wie man seine Einnahmen zusammenbringt, um die Familie zu erhalten. Ich kann nicht sagen, heute gehe ich Lohn fordern. Wenn das Jahr schlecht ist, ist das Jahr schlecht."

Gerade kleinstrukturierte Betriebe werden es zunehmend schwer haben, genug Ertrag zu erwirtschaften: "Ein Beispiel: Wir haben vor dem EU-Beitritt für den Liter Diesel sechs Schilling bezahlt und haben für die Milch sieben Schilling pro Liter gekriegt. Heute bekommst du für einen Liter Milch 40 Cent, der Liter Diesel kostet 1,30 Euro", weiß Paul Pree. Eine weitere Folge der klimatischen Veränderungen und immer schwerer zu berechnenden Jahresabläufe: Die Zeitfenster für die Ernten werden zunehmend kleiner. "Früher ist zwei- bis maximal dreimal gemäht worden. Mittlerweile mähen wir vier bis fünfmal im Jahr. In gewisser Weise musst du da dann auch bei den landwirtschaftlichen Maschinen mithalten, um auf diese flexiblen Zeiten zu reagieren. Es vereinfacht die Arbeit zudem spürbar. Von den Bauern wird dann halt immer nur geredet, wenn er einen neuen Traktor hat, aber von einem Büroangestellten verlangt heute auch keiner mehr, dass er auf der Schreibmaschine arbeitet", vergleicht Ulrike Pree.

Seit 30 Jahren regionale Energie-VorreiterInnen

"Altbauer" Josef Pree, der nach wie vor am Hof lebt und mit anpackt, war vor 30 Jahren ein regelrechter Energiepionier, der eine Biogas-Anlage installierte und startete. "Die Anlage läuft heute noch, wir erzeugen mit Gülle von Kühen und Rindern doppelt so viel Strom, wie wir selbst brauchen", berichten Paul und Ulrike Pree. Mit aktuellen Medienberichten, wonach die Landwirtschaft der größte Verursacher von Feinstaub sei, können sie nur wenig anfangen: "Noch nachhaltiger wie in der Landwirtschaft geht es fast nicht. Wenn wir die Flächen nicht nützen würden, würde ja trotzdem Methan entstehen, denn das tut es immer dort, wo etwas stirbt. Wenn wir nun, wie wir es mit der Biogas-Anlage machen, aus dem Methan noch Strom und Wärme erzeugen, schließt man diesen Kreislauf dann auch wirklich optimal."

Die beiden Kinder Maximilian (4) und Hannah (6) sind von klein auf in das Leben und die Arbeit am Hof eingebunden. "Für sie ist es normal, dass die Milch von der Kuh kommt. Sie kriegen direkt mit, wenn ein Kalb auf die Welt kommt, wenn du die Ernte heimbringst. Den Kindern gefällt es auch, von Tieren umgeben zu sein. Ich meine, welches Kind kriegt etwa schon ein Pony zu Weihnachten?" schmunzelt Ulrike Pree. BäuerIn zu sein sei sicher nicht die urlaubs- und ausflugsfreundlichste Profession. "Aber wenn man dann in den Medien hört, dass alle immer schon ab Montag dem Freitag hin fiebern, fragt man sich oft: Ist die Arbeit wirklich so etwas Furchtbares?"

Text: Chris Leitgeb

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