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am 1. Juni

Artensterben schreitet dramatisch voran

Stefan Kaineder - Die Natur verschwindet auch in Oberösterreich in rasendem Tempo.

Es wird immer stiller auf unseren Wiesen und Feldern, was aufmerksame BeobachterInnen bereits seit Jahren merken, bestätigt nun erneut eine Untersuchung im Auftrag der Umwelt-NGO Greenpeace. Unter dem Titel "Das stille Sterben: Die Artenkrise in Österreich" wird die dramatische Entwicklung ausführlich beleuchtet. Knapp 40 Prozent aller Tierarten in Österreich sind gefährdet, knapp 60 Prozent der Lebensraumtypen stehen vor ihrer Vernichtung oder sind in unterschiedlichem Ausmaß gefährdet.

Besonders die Zahl der Insekten, von Wildbienen bis hin zu Schmetterlingen, nimmt in vielen Regionen immer weiter ab - auch in Oberösterreich. Das bedroht die natürlichen Kreisläufe in unserer Umwelt. Wesentliche Faktoren, neben der Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung und dem Einsatz von Pestiziden, sind die voranschreitende Bodenversiegelung, die Vernichtung kleinstrukturierter Lebensräume und die Verarmung der Landschaft von Straßenbegleitflächen bis zu den Gärten. Durch das Insektensterben verlieren die Ökosysteme, auf die wir Menschen angewiesen sind, ihre Stabilität.

Der aktuelle Greenpeace-Bericht ist höchst alarmierend, aber auch wichtig zugleich, denn fest steht, die wichtigsten Gründe für das Artensterben sind menschengemacht und wir müssen rasch handeln. Wir können die Artenvielfalt nur gesamtheitlich erfolgreich erhalten. Es braucht daher zielgerichtete Förderungen für umweltgerechte Bewirtschaftung, Entschädigungen für den Erhalt und das Wiederschaffen von Lebensräumen und Nahrungsquellen, das Verbot von Bienengiften, den Ausbau von Bio-Landwirtschaft und eine Verringerung der Lichtverschmutzung. Monitoring und regelmäßige Berichte sollen Auskunft über die Entwicklung der Artenvielfalt geben.

Laut Bericht stehen in Oberösterreich nur acht Prozent der Flächen unter Naturschutz und damit ist Oberösterreich Schlusslicht in Österreich. Top-Priorität muss deshalb auch die drastische Verringerung der Flächenversiegelung haben. Wir brauchen klare Vorgaben, wo wir Bebauung zulassen können, wo wertvolle Flächen geschützt werden müssen und wie wir die Vernetzung von Lebensräumen schaffen. Ein gesetzlicher Rahmen ist dazu unbedingt notwendig.

Auch die Klimakrise hat dramatische Auswirkungen auf das Artensterben. Studienergebnisse belegen, dass schon bei vergleichsweise geringen Temperaturerhöhungen die Auswirkungen massiv sind und diese mit steigenden Temperaturen dramatisch zunehmen.

Mit Klimaschutz arbeiten wir gleichzeitig für die Rettung der Artenvielfalt - die beiden großen ökologischen Krisen hängen eng zusammen. Denn bunte Blumen am Wegrand, Vogelgezwitscher aus einer Wildsträucherhecke, zirpende Heuschrecken in der Wiese, das alles ist kein Selbstzweck. Intakte Lebensräume zu erhalten und zu schaffen ist gelebter Klimaschutz, denn gesunde und funktionierende Ökosysteme sind eine der besten Versicherungen gegen die Klimakrise.

Klima-Landesrat Stefan Kaineder
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