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am 22. Jänner

Flüchtlingsklassen: Schwarz-blauer Rückschritt

Rudi Anschober - Die schwarz-blauen Pläne bringen einen massiven Rückschritt gegenüber der aktuellen Vorgangsweise in Oberösterreich – und sind vielfach nicht umsetzbar.

Leere Schulklasse

Die heute von Bildungsminister Fassmann präsentierte Neuregelung für schulpflichtige Flüchtlingskinder bringt im Widerspruch zu Fassmanns eigenen Forderungen als Integrationsexperte des früheren Integrationsministers und jetzigen Bundeskanzlers deutliche Rückschritte im Vergleich zur bisherigen Praxis der schulischen Eingliederung von Flüchtlingskindern, etwa in Oberösterreich.

Der wesentliche Unterschied: bisher wurden Deutsch-Stunden und Deutschkurse nach individuellen Erfordernissen zusätzlich angeboten, die betroffenen SchülerInnen aber blieben im Klassenverband und nahmen am Großteil des Unterrichts teil. Dadurch erfolgte eine Eingliederung der neuen SchülerInnen in den Klassenverband und das Deutschlernen passierte laufend zu den Unterrichtsthemen. In Zukunft sollen, nach den Plänen von Schwarz-Blau, Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse zuerst vereinheitlicht in eigenen Deutschklassen die Sprache erlernen und währenddessen nur mehr in Nebenfächern am gemeinsamen Unterricht teilnehmen dürfen.

Das hat drei wesentliche Rückschritte zur Folge: 

  • Ausgrenzung: Die Neuregelung wird dafür sorgen, dass weniger als ein Drittel des Regelunterrichtes von betroffenen SchülerInnen in der eigenen Klasse und damit mit den KlassenfreundInnen verbracht werden kann. Bundesminister Fassmann widerspricht sich damit selbst, als Integrationsexperte hat er von Schritten der Ausgrenzung abgeraten.
  • Vielfach nicht umsetzbar: Oberösterreich hat eine starke Regionalisierung bei der Flüchtlingsquartieren umgesetzt - aktuell beherbergen 375 Quartiere im Durchschntt weniger als 25 Asylwerbende, meist handelt es sich um ein einziges Quartier pro Gemeinde. In ländlichen Regionen leben daher nicht ausreichend Kinder pro Gemeinde, um die Mindestanzahl von 6 SchülerInnen pro zukünftiger Klasse zu erreichen.
  • keine Differenzierung mehr: Bisher konnte in Oberösterreich in über 8.000 Kursen pro Jahr und fast 5.000 Einzelstunden pro Jahr differenziert und individuell gefördert werden. Anstatt diese Zusatzbetreuung auszubauen, kommt nun eine Einheitslösung ohne Rücksichtnahme auf die individuelle Lebenssituation des Kindes und den Klassenverband

Wie schon bei der Diskussion um Privatverzug und Großquartiere handelt Schwarz-Blau nicht sachorientiert, sondern ideologisch motiviert. Das ist schade, zumal der neue Bildungsminister als Integrationsexperte die Fachkenntnisse hätte, um bessere Lösungen zu schaffen. Schade, dass hier offensichtlich nicht die Interessen der Kinder, sondern die Koalitionsideologie im Mittelpunkt steht.

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