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am 9. September

Pflegesystem endlich auf stabile Beine stellen

Ulrike Schwarz - Die Herausforderungen in der Pflege werden immer größer. Der Pflegekräftemangel muss dringend bekämpft werden.

All diese Besuche und Gespräche zeigen dasselbe Bild und bestätigen unsere Position: Eine qualifizierte Pflege und Betreuung braucht gute Arbeitsbedingungen für die MitarbeiterInnen. Dieser Beruf ist extrem herausfordernd und bringt die MitarbeiterInnen an ihre Grenzen. Nur wenn wir die Rahmenbedingungen für das Pflegepersonal verbessern, werden sich auch mehr junge Menschen für diesen Beruf entscheiden. Und nur dann können wir den Pflegemangel wirkungsvoll bekämpfen.

Zu den besseren Rahmenbedingungen zählt natürlich eine bessere Bezahlung, aber auch Entlastung und mehr Zeit mit den PatientInnen. Es gibt ein großes Bedürfnis nach mehr Möglichkeit für Kommunikation und Beziehungspflege mit den PatientInnen. Das Pflegepersonal will mehr Zeit haben, um das Erlernte umzusetzen und mehr für die die zu betreuenden Menschen da sein. Und diese Zeit gibt es oft nicht. Und das müssen wir ändern. Zu den weiteren notwendigen Änderungen zählen:

  • bei Pflegegeld-Einstufungen verstärkte Einbindung der Pflege und stärkere Berücksichtigung von dementiellen Erkrankungen und dem Erhalt bzw. Aufbau von alltäglichen Fertigkeiten
  • eine sofortige Überarbeitung des vorgegebenen, starren Pflegeschlüssels, bei dem mehr Zeit für Kommunikation und Beziehungspflege (auch wichtig als Gewaltprävention), für palliative Betreuung und Angehörigenarbeit eingerechnet werden muss
  • eine bessere Entlohnung bzw. Reduzierung der Normalarbeitszeit und mehr Urlaubsanspruch für MitarbeiterInnen (es ist völlig untragbar, dass es immer noch kein modernes Gehaltsschema im öffentlichen Bereich gibt und die Einstufung zum Beispiel der Pflegefachassistenz immer noch nicht geregelt ist)

Wir sehen aber keine Lösung darin, immer jüngere Menschen in die Ausbildung zur Pflege zu bekommen. Dementsprechend lehnen wir auch einen Lehrberuf ab 15 Jahren entschieden ab. Alle Erfahrungen (auch aus der Schweiz) zeigen, dass die Verbleibdauer im Beruf noch kürzer ist und der Personalmangel damit nicht gelöst wird. Wir sehen es auch kritisch, Personal aus Vietnam oder Thailand zu rekrutieren. Das kann doch nicht die Lösung sein.

Eine gute und gesicherte Pflege kostet Geld, das ist keine Frage. Daher müssen die Finanzierung auf neue Füße gestellt und die Gemeinden entlastet werden. Aber es muss auch die Wertschöpfung und der Wert einer guten Altersversorgung als ganz wichtiger Standortfaktor gesehen werden.

LAbg. Ulrike Schwarz mit Pflegedienstleiterin Sabine Meßlehner des Bezirksaltenheims Hart (Leonding)
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