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am 3. Oktober

Frauen: Gleichberechtigung & Chancengleichheit

Die Redaktion - Unser Maßnahmenpaket für die Zukunft.

Maria Buchmayr, Ruperta Lichtenecker, Dagmar Engl

3.306.427 - das ist die exakte Zahl der Frauen, die am 15. Oktober bei den Nationalratswahlen stimmberechtigt sind. Sie stellen mit 51,67 Prozent die Mehrheit der Wahlberechtigten und werden damit das Wahlergebnis maßgeblich prägen. Die Bedeutung der Frauen bei Wahlen ist belegt und unbestritten. In der tatsächlichen Stellung der Frauen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft spiegelt sich dies nach wie vor nicht wider.

In der Frauenpolitik wurde zwar vieles erreicht, von wirklicher Gleichstellung sind wir aber noch weit entfernt. Bekannte Hürden und Widerstände bleiben groß, mögliche Verbesserungen scheitern an Unwillen, Umständen und politischen Blockaden.

Die FPÖ hat ohnehin kein Interesse an aktiver Frauenpolitik und Gleichstellung. SPÖ und ÖVP bekennen sich öffentlichkeitswirksam dazu, aber ohne konkrete Folgen. Es sind Schlagworte, Lippenbekenntnisse. Man gibt sich bestenfalls mit dem Status quo zufrieden. So wird die Gleichstellung der Frauen zum Endlosprojekt.

Die Fakten zeichnen ein klares Bild (profil 38/17)

  • Mit 47,4 Prozent arbeitet fast die Hälfte der Frauen in Österreich in Teilzeitjobs, bei den Männern sind es 8,2 Prozent.
  • 92,6 Prozent der Väter sind erwerbstätig, jedoch nur 67,2 Prozent der Mütter.
  • Frauen verdienen in der Privatwirtschaft pro Stunde nach wie vor um 21 Prozent weniger als Männer.
  • Frauen leisten noch immer den Hauptanteil der Kinderziehung und Familienarbeit. Durch lückenhaften Versicherungsverlauf und niedriges Einkommen erhalten Frauen im Durchschnitt 38 Prozent weniger Pension.
  • Niemand in Österreich ist stärker armutsgefährdet als alleinerziehende Mütter und alleinlebende PensionistInnen.
  • Nur 7,2 Prozent Frauen finden sich in den Geschäftsführungen der 200 umsatzstärksten Unternehmen Österreichs, jedoch 92,8 Männer.
  • Der Frauenanteil im Nationalrats beträgt 31,2 Prozent, und damit nicht höher als vor 15 Jahren.

Dies als Männerdominanz zu bezeichnen ist noch untertrieben. Es ist eine Dominanz, die weder die rot-schwarze Koalition und schon gar nicht die schwarz-blaue bereit oder fähig waren, zu beseitigen. Es sind einzig wir, die Gleichstellung ernsthaft umsetzen wollen und auch leben. Wir sind die einzige Partei, in der in allen Bereichen Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Bei den KandidatInnenlisten, in den Gremien, in den Parlamenten vom Europarlament über den Nationalrat bis zu den Landtagen und den Gemeinderäten. Wir setzen Gleichberechtigung konsequent um - in unserer Bewegung, unserer Politik und durch klare Programme, Forderungen und Konzepte. Grün zu wählen heißt damit tatsächliche Frauenpolitik und Gleichstellung stärken.

Gleichberechtigung und Chancengleichheit stärken: unser starkes Maßnahmenpaket

Die Fakten zeigen die Benachteiligungen und fehlende Gleichberechtigung von Frauen. Jede Frau hat ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben und dazu braucht es auch die finanzielle Unabhängigkeit. Tatsächlich gibt es noch immer eine starke Benachteiligung von Frauen in Bezug auf Einkommen, Pensionen und beruflicher Gleichberechtigung. Um die Gleichberechtigung und Chancengleichheit für Frauen zu stärken, brauchen wir ein starkes Maßnahmenpaket.

Verhinderung von Altersarmut: Anrechnung von Kindererziehungszeiten und Grünes Pensionsmodell

Frauen leisten nach wie vor den größten Teil der Familienarbeit, insbesondere bei der Kinderbetreuung. Sie bleiben in der Regel nach einer Geburt zu Hause, meist bis zum Schuleintritt, oft auch darüber hinaus, teilzeitbeschäftigt. Durch die neue Durchrechnung von 40 Jahren verringert eine längere Teilzeitbeschäftigung die Pension. Pro Kind werden zwar vier Jahre als Kinderbetreuungszeiten angerechnet, diese enden aber vorzeitig bei der nächsten Geburt und werden damit verkürzt.

Jedes Kind muss, unabhängig vom Zeitpunkt der Geburt, volle vier Jahre auf die Pensionszeiten angerechnet werden. Familienarbeit muss der Gesellschaft etwas wert sein und Familienarbeit darf einfach nicht zu finanziellen Nachteilen in der Pension führen.

Die durchschnittliche Frauenpension lag im jahr 2016 bei 982 Euro brutto, jene der Männer bei 1.609 Euro. Das Grüne Pensionmodell schafft Sicherheit mit der Kombination aus Grundpension in der Höhe der Ausgleichszulage für AlterspensionistInnen und Erwerbspension aus Beiträgen.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - Transparenz der Gehälter in den Betrieben

Die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen ist in Österreich noch immer sehr hoch. Frauen verdienen um 21 Prozent weniger als Männer, OECD weit sind es 16 Prozent, Österreich liegt auf dem beschämenden 22. Platz. Frauen und Männer werden für die gleiche Tätigkeit, gleiche Kompetenz und gleiches Engagement unterschiedlich entlohnt. Das ist weder verständlich noch akzeptabel. Es muss gleichen Lohn für gleiche Arbeit geben. Dafür brauchen wir Transparenz und Einkommensberichte in den Betrieben.

Frauen in "Männerberufe" und "Frauenberufe" wertschätzen

Ein weiter Grund für die niedrigen Einkommen bei Frauen ist die nach wie vor ausgeprägte Unterteilung in typische Männer- und Frauenberufe. So werden laut Wirtschaftskammer zum Beispiel mehr als zwei Drittel aller weiblichen Lehrlinge in den "Top-10"-Frauenberufen ausgebildet. Fast die Hälfte aller weiblichen Lehrlinge entscheiden sich für eine Ausbildung im Einzelhandel und in den Berufen Bürokauffrau und Friseurin. Nach wie vor sind es die typischen Frauenberufe die schlechter bezahlt sind als Berufe, in denen überwiegend Männer arbeiten. Die Konsequenzen sind klar: Wir müssen junge Frauen motivieren, neue Wege zu gehen und sich auch für andere und meist auch besser bezahlte Berufe oder auch sogenannte Männerberufe zu entscheiden. Ein wichtiger Impuls ist es auch Frauen verstärkt für ein Studium in den MINT Fächern zu motivieren. Zudem müssen die typischen Frauenberufe dringendst aufgewertet werden, besonders durch Aufstiegschancen, Perspektiven und vor allem eine bessere Entlohnung.

Beseitigung der Barrieren für Väterkarenz

Kindererziehung ist noch immer vom traditionellen Rollenbild geprägt. Väterkarenz ist zwar rechtlich möglich und wird zunehmend beliebter. Aber immer noch nutzen sie viel zu wenige Väter, weil sie Angst um ihren Job oder auch um ihre Karrierechancen haben. Es fehlt nach wie vor an der Akzeptanz in vielen Unternehmen.

Nach wie vor werden dieser wichtigen Maßnahme Steine in den Weg gelegt. Man stemmt sich gegen ein geändertes, zeitgemäßes Familienbild. Damit verschließt man den Frauen eine rasche Rückkehr in den Job. Dabei bestätigen ExpertInnen, dass mit geteilter Elternzeit mehr Frauen in ihren Beruf zurückkehren und ihre Kompetenz weiter auch in der Wirtschaft zur Verfügung steht.

Weiterer Ausbau der Kinderbetreuung

Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ohne gut ausgebaute Kinderbetreuung kaum möglich. Hier gilt es trotz aller Fortschritte noch vieles zu tun. Insbesondere Oberösterreich hat noch Aufholbedarf. Laut Kinderbetreuungsatlas der Arbeitkammer Oberösterreich haben nur 79 Gemeinden (17,9 Prozent) einen Kindergarten mit Öffnungszeiten, die beiden Elternteilen eine Vollzeitbeschäftigung ermöglichen. In 52 Gemeinden (11,8 Prozent) gibt es keine Betreuung für Unter-Dreijährige. Und in 172 Gemeinden (38,9 Prozent) hat der Kindergarten weniger als acht Stunden geöffnet.

Der Ausbau einer flächendeckenden Kinderbetreuung muss weiter vorangetrieben werden, besonders in den Regionen. Das ist einer der zentralen Schlüssel, um sowohl Einkommenssituation, Berufschancen und auch Selbstbestimmtheit der Frauen massiv zu verbessern.

Mehr Frauen in die Gemeindestuben


​Die genannten Problemfelder und weitere Hürden für die Frauen haben auch einen stark örtlichen, geographischen Aspekt. Finden Frauen im städtischen Ballungsraum bessere Rahmenbedingungen – von Arbeitsmarkt bis Kinderbetreuung – sind Chancen, Angebote und Aussichten gerade für Frauen in strukturschwachen ländlichen Räumen wenig ausgeprägt.

  • Der Arbeitsmarkt am Land ist männlich geprägt, es dominieren Landwirtschaft, Handwerk, Gewerbe wie Schlosser, Baufirma, Handwerksbetriebe. Speziell besser gebildeten jungen Frauen fehlen passende Arbeitsplätze und Aufstiegschancen.
  • Gerade in den ländlichen Regionen gibt es noch erhebliche Lücken in der Kinderbetreuung, gerade bei den Unter-Dreijährigen.
  • Entsprechende Dienstleistungs- und Kulturangebote sind im städtischen Bereich deutlich umfangreicher.
  • Außerdem sind im den ländlichen Regionen die patriarchalen Strukturen mit verfestigten Geschlechterrollen weitaus stärker ausgeprägt als im städtischen Bereich. Immer weniger Frauen sind bereit, sich mit diesem Umstand abzufinden.

Jeder einzelne Punkt trägt dazu bei, dass immer mehr Frauen aus den ländlichen Regionen in die Stadt abwandern. Für die Frauen ist das eine nachvollziehbarer, logischer Schritt, für die Region hat dies schlimme Folgen. Dort bleiben nicht nur verödete Ortskerne und geschlossene Geschäfte sondern auch zunehmend Pessimismus und Verbitterung. Das steht im krassen Gegensatz zur viel beschworenen Entwicklung und Aufwertung des ländlichen Raums.

Dieser Trend muss gestoppt werden. Wir müssen die regionalen Ballungsräume attraktiver gestalten, das Dienstleistungsangebot, die Kinderbetreuung drastisch verbessern. Wir brauchen einen leistbaren und attraktiven Öffentlichen Verkehr, mehr und bezahlbare Wohnungen für junge Familien am Land, öffentliche Begegnungsräume speziell für Frauen und frauenspezifische Freizeiteinrichtungen. Den jungen Frauen müssen ganz einfach Gründe für ein Bleiben und Perspektiven gegeben werden. Ja, es ist ein Kraftakt, ein längerer Prozess. Aber es gibt keine Alternative, wenn wir die Regionen wieder stärken wollen.

Um diese Maßnahmen umzusetzen und damit frauenorientiert zu agieren, braucht es mehr Frauen in der Gemeindepolitik. Die Sichtweisen und Schwerpunkte würden sich ändern. Derzeit ist Gemeindepolitik überwiegend Männersache und findet nicht nur im Sitzungssaal statt. Wer nicht in den lokalpolitischen Netzwerken vertreten ist, findet wenig Gehör. Wir brauchen mehr Frauen in der Kommunalpolitik, mehr Bürgermeisterinnen. Das ist eine der Voraussetzungen um auch frauengerechte Strukturen zu schaffen und damit ein Abwandern von Frauen zu verhindern.

Ruperta Lichtenecker

Zur Person:

Ruperta Lichtenecker ist Nationalrätin der Grünen OÖ und Spitzenkandidatin der Grünen OÖ für die Nationalratswahl 2017


Dagmar Engl

Zur Person:

Dagmar Engl ist Obfrau der Grünen Katsdorf und Kandidatin der Grünen OÖ für die Nationalratswahl 2017.

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