Bezirkegruene.at
Navigation:
am 1. Februar

Palmen, Socken, Wein

ooe.planet Redaktion - Meine Wunschliste an die neue Regierung.

Da ich mir am Tag der Koalitions­bildung auf Glatteis die Schulter gebrochen habe, hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Trotz Euphorie und Vorschusslorbeeren – die neue Regierung könnte einiges verbessern.

Schulreform: Den Glauben an sie habe ich bereits im letzten Jahrhundert verloren. Mein frommer Wunsch wäre nur, das Wort nicht mehr hören zu müssen.

Gesundheitsreform: Wenn es leicht geht, ein bisschen weniger Schmerzen in der linken Schulter, bitte danke.

Pflegereform: In der Früh fehlt mir eine der im Regierunsgprogramm angekündigten "Community-Nurses", nämlich beim Anziehen des rechten Sockens. Eventuell zu überlegen: Die Einführung einer von der Krankenkasse geförderten ein­armigen Jacke.

Verkehr: Trotz aller Vorbehalte christlich-bürgerlicher Kreise soll der öffentliche Verkehr (Stichwort freizügige Personen, Beziehungspendler, Austauschprogramme etc.) gefördert werden, und das ganztätig und im Stundentakt! Das ist möglicherweise wünschenswert (Stichwort Transparenz), bei uns im Ort habe ich allerdings noch keine Veränderungen bemerkt, was vielleicht auch daran liegt, dass es zu kalt ist.

Umweltschutz: Immerhin, keine Klimawandel-Leugner mehr in der Regierung! Schutz der Umwelt und eine starke Wirtschaft sind laut Koalitionsvereinbarung keine Widersprüche. Am Beispiel unseres kleinen Ortes könnte das bedeuten: Ausbau des Kasbergs als Ganzjahres-Naherholungszentrum; Förderung des Palmenanbaus bei den Speicherseen, um die Entstehung von Oasen zu begünstigen; schrittweiser Ersatz der schwächelnden Fichten durch robuste Olivenbäume; gezielte Prämien für den Weinbau: Besonders der Südhang am Ochsenboden sowie die Lagen rund um die Buschenschank Hochberghaus (Ried Farrenau) versprechen mineralische Rieslinge und gehaltvolle Rotweine.

Kopftuchverbot: Hier liegt bei uns in Grünau ehrlich gesagt noch immer einiges im Argen. Jeden Tag sehe ich die alten Frauen mit ihren Kopftücheln schamlos radfahren, einkaufen oder in die Morgenmesse huschen. Gelegentlich mischen sich Goldhaubenfrauen darunter, was nur als Provokation verstanden werden kann. Ich weiß schon, diese unaufgeklärten Weibsbilder haben in ihrer Heimat-Kultur nichts anderes gelernt, aber ich frage mich schon, wofür wir eigentlich die Sicherungshaft haben.

Text: René Freund
Er lebt als Autor in Grünau im Almtal, zuletzt erschienen: "Swinging Bells", Roman, Deuticke Verlag.

Palme & Wein
Wir brauchen Dich! - Jetzt Mitglied werden!