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am 15. November 2017

Neu aufbrechen

ooe.planet Redaktion - 2017 war das annus horribilis der Grünen, ein schreckliches Jahr. Nach über 30 Jahren musste die Partei aus dem Nationalrat ausziehen und stand daraufhin vor dem finanziellen Kollaps. Wie sieht Werner Kogler die Zukunft der Bundespartei?

Werner Kogler im Gespräch
Werner Kogler erarbeitet gemeinsam mit Mitgliedern ein "Manifest der neuen Bundes-Grünen"

Was sind deine wichtigsten Aufgaben als interimistischer Bundessprecher?
Ich bin derzeit viel in Wien und den Bundesländern unterwegs. In zahlreichen Gesprächen geht es um die Analyse der Ereignisse, um die Diskussion alter Strukturen, aber vor allem auch um den Wiederaufbau der Grünen Bewegung. Mein Ziel ist es, dass es bald wieder starke Grüne gibt.

Was sind die nächsten Schritte beim Wiederaufbau?
Im Februar soll das erste Auftakttreffen stattfinden, bei dem Parteimitglieder und SympathisantInnen ihre Ideen einbringen. Wir werden dann in den Bundesländern, in denen das gewollt wird, solche Treffen abhalten. Dabei soll gemeinsam unter anderem so etwas wie ein "Manifest der neuen Bundes-Grünen" entstehen.

Bis zum Februar oder März werden wir sehen, ob es gelingt, die Basis für einen Neustart zu schaffen. Das bedeutet eine Grund- und Arbeitsstruktur auf Bundesebene: ein kleines Basislager, aber durchaus öffentlichkeitswirksam. Dann haben wir auch die Chance, die Öffnung und Verbreiterung der Grünen auch längerfristig voran zu bringen. Wir müssen die Bereitschaft und den Schwung, den es jetzt schon wieder gibt, mitnehmen und unsere Aktivitäten auf keinen Fall abreißen lassen. Die Weichen für den Wiedereinzug werden in nächster Zeit gestellt. Und diese nächste Zeit wird jetzt vorbereitet.

Wird der Bundeskongress Neuerungen bei der Listenerstellung bringen?
Auf den nächsten Bundeskongressen kann über die künftigen Entscheidungsstrukturen gesprochen werden. Ich glaube zwar nicht, dass ein Statut das allerwichtigste im Wiederauferstehungsprozess ist, sondern engagierte und lebendige Menschen. Ich persönlich trete dafür ein, dass wir unsere Vertreterinnen und Vertreter demokratisch wählen. Den Quereinstieg von interessanten, engagierten und mutigen Persönlichkeiten könnten wir allerdings erleichtern. Wir könnten uns dazu die Auswahlverfahren anderer grüner Bundesparteien genauer anschauen. 2018 ist ein Landtagswahljahr.

Wie siehst du die Grünen da aufgestellt?
Die Landtagswahlen werden nicht einfach. Es kann durchaus Chancen geben, jedenfalls halte ich sie für intakt. Dass es keine Grünen mehr im Parlament gibt, realisieren viele erst jetzt und bedauern dies aus verschiedenen Gründen sehr. Das könnte bei den Landtagswahlen die Reaktion auslösen, dass wer Grüne Kontrolle oder grün fundierte Regierungspolitik will, auch Grün wählt.

Wie sollen Interessierte eingebunden werden?
In jedem Fall wird wichtig bleiben, dass wir den vielen Hunderten, die sich jetzt an uns gewandt haben, um inhaltlich, organisatorisch oder finanziell zu helfen, tatsächlich Angebote zu Mitarbeit und Beteiligung bieten. Gerade in schwierigen Zeiten geht's darum, sich zu öffnen und sich nicht einzuigeln. Nach dem Hinfallen aufstehen heißt in unserem Fall auch: Standort bestimmen, Standpunkt einnehmen, Ziele ausmachen, Kräfte bündeln und neu aufbrechen.

Zur Person:
Werner Kogler (56) lebt in Graz und in Wien, studierte 
Volkswirtschaftslehre. 
Anfang der 80er Jahre war er Gründungsmitglied der Alternativen Liste, danach Gemeinderat in Graz und von 1999 bis 2017 Nationalratsabgeordneter mit Schwerpunkt Budget- und Europapolitik. Ende Oktober 2017 übernahm er interimis­tisch die Funktion des Bundessprechers der Grünen Österreich.

Text: Elke Mayerhofer

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