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am 1. September 2018

Grün ist eine Liebeserklärung an die Welt

ooe.planet Redaktion - Werner Kogler wurde vom Bundeskongress mit 99 Prozent der Delegiertenstimmen zum Bundessprecher gewählt. Wir sprachen mit ihm über den frischen Grünen Wind und wieso Österreich und auch die euro­päische Ebene die Grünen brauchen.

Werner Kogler

Warum braucht es die Grünen ausgerechnet jetzt?
Die ökologische Frage ist dringender denn je. Es geht – Stichwort Klimakrise – um nichts weniger als die Überlebensfrage der Menschheit. Die Bundes­regierung lässt beim Klimaschutz, bei der Energiewende und beim Kampf für gesunde Lebensmittel völlig aus. Diese Lücke müssen wir Grünen füllen.

Wie wirst du den Job als Grüner Bundessprecher an­legen, was ist der frische Wind, den du reinbringst?
Mir gehts drum, dass wir nach vorne schauen. In unserem Minibüro erleben wir, dass die Zuschriften nicht aufhören. Das Credo lautet, dass die Grünen in Österreich massiv fehlen. Einerseits die Grünen Ideen, aber andererseits auch die Grüne Bewegung, die das umsetzen kann, ganz konkret im Europäischen Parlament und bald auch wieder im Nationalrat.

Bleiben wir gleich bei der Europawahl: Warum führst du als Parteichef die Grünen auch in die Europawahl? 
Für die Zukunft unseres Landes ist die Zukunft Europas von immenser Bedeutung. Daher sind wir übereinstimmend zum Schluss gekommen, dass wir für die Europawahl die Kräfte bündeln wollen.

Warum ist die Europawahl von so großer Bedeutung für uns?
Österreich ist ein kleines Land und daher kommen wir alleine nicht weit. Wenn ich mir ansehe, wie es auf der Welt zugeht, was alles durcheinandergerät, ist es wichtiger denn je, als EuropäerInnen geeint aufzutreten. Und da stellt sich natürlich die Frage, wer auf welcher Seite steht. Geht es nach der Bundesregierung, sollen wir uns drüben bei den Orbans und Salvinis einreihen. Und das ist der dringende Auftrag an uns, hier dagegen zu halten. Denn sonst kommt etwas ins Rutschen. Und daher gilt es Europa und unsere Werte wie Freiheit, Demokratie, Menschenwürde mit Leidenschaft zu verteidigen.

Die Grünen haben ja in Bayern und Hessen großartige Erfolge eingefahren, ist das auch bei uns möglich?
Ja, sicher geht da was. Es kommt immer darauf an, was man daraus macht. Wir wurden aus dem Nationalrat rausgekippt und dann sind wir aufgestanden, haben unsere Kräfte gebündelt und jetzt wird wieder voranmarschiert. Und wenn es gelingt, hier die vielen, die was tun wollen, mitzunehmen, wird das ein begeisterungsfähiges Projekt, eine ganz große Sache.

Von den finanziellen Möglichkeiten sind wir klar benachteiligt. Aber mit Kreativität und mit Begeisterung lässt sich das wettmachen. Ich verweise auf Innsbruck, das war ja fulminant. Im kommenden März wählt Salzburg-Stadt, da wollen wir uns gleich mal ordentlich steigern, idealerweise verdoppeln. Katarina Schulz aus Bayern hat sich schon angesagt und wird uns tatkräftig unterstützen.

Der Lauf in der Deutschland ist natürlich nicht ohne Weiteres mit der Situation hier vergleichbar. Aber was wir mitnehmen wollen, ist die Frische und die Herzlichkeit, mit der die Grünen auftreten. Kritik zu üben ist wichtig, aber das allein ist zu wenig. Das Land braucht konstruktive und positive Vorschläge, und die muss man mit Leidenschaft vortragen. Und dann wird schnell wieder klar: Politik lohnt sich und Diskussion lohnt sich. Und dann kommt in unserem Land – im besten Sinn des Wortes – etwas Positives in Bewegung. Denn grüne Politik ist ja – um es pathetisch auszudrücken – "eine Liebeserklärung an die Welt".

Interview: Herbert Voraberger

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