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am 8. Juli

Ach geh doch sterben!

ooe.planet Redaktion - Hass im Netz gehört leider zum digitalen Alltag. Woher kommt dieser Hass? Warum kennen die Menschen keine Grenzen mehr? Und was kann ich da­ gegen tun?

Hasspostings auf Facebook

"Ach geh doch sterben." Das war der Kommentar eines Facebookusers auf einen sachlichen Kommentar bei einem etwas polarisierenden Posting. Und das ist noch harmlos im Vergleich zu Dingen, die andere so von sich geben. Der Shitstorm gegen Corinna Millborn, als sie den Stratosphärenhüpfer kritisierte, war in Sachen Ausmaß und Schärfe der Kommentare nicht einzigartig. Während Männer meistens mit reinen Gewaltdrohungen konfrontiert werden, haben die Beschimpfungen bei Frauen sehr oft einen sexualisierten Kontext.

Doch warum ist dieser Hass so grenzenlos?

Hier treten einige Mechanismen auf, die im Zusammenspiel diese verheerende Kombination ergeben: Zum einen ist man in den Diskussionsverläufen auf ein Thema fokussiert, die Darstellung der BenutzerInnen also sehr eindimensional. Während man bei einer Stammtischplauderei selten lange bei einem Thema bleibt, ist es im Netz komplett anders.

Zum anderen fehlt bei einer Diskussion im Netz die direkte Reaktion des Gegenübers. Es wird nur das Geschriebene wahrgenommen, keine Mimik, keine anderen körperlichen Reaktionen. Weiters fehlt oft das persönliche Naheverhältnis. Die Personen, mit denen man diskutiert, sind einem oft gänzlich unbekannt und werden es vermutlich auch bleiben. Daher wird auch nicht abgewogen, ob man der Person nun zu nahe tritt oder nicht. Der Großteil der BenutzerInnen verbringt die Onlinezeit zu Hause, was auch ein Gefühl der Sicherheit der eigenen vier Wände gibt.

Eine große Rolle spielt die Tatsache, dass viele Menschen der Meinung sind, das Internet sei ein rechtsfreier Raum, eben auch darum, weil sie aus dem Wohnzimmer posten und kommentieren. Dass dem nicht so ist, kann inzwischen beinahe täglich in den Zeitungen nachgelesen werden. Verstöße gegen das Verbotsgesetz, gefährliche Drohungen, Urheberrechtsverletzungen sind gang und gäbe und werden auch rechtlich verfolgt. Wenn man mit strafrechtlich relevanten Kommentaren konfrontiert ist, kann man diese bei Polizei oder Innenministerium anzeigen beziehungsweise melden (siehe unten).

"Don't feed the Troll"

Die Sinnhaftigkeit von Diskussionen im Internet ist manchmal fraglich. Besonders, wenn man es mit einem sogenannten "Troll" zu tun hat. Als Troll wird eine Person bezeichnet, die nur anwesend ist, um zu pöbeln, um Unfrieden zu stiften. "Don't feed the troll" - nicht mit Trollen diskutieren - denn das kostet nur Zeit, Energie und Nerven. Mit den absolut von ihrer Meinung überzeugten "Kreuzrittern" hingegen macht eine Diskussion insofern Sinn, weil man anderen mitlesenden BenutzerInnen auch eine Gegenmeinung präsentieren kann.

Trotz alledem: Das Internet ist eine tolle Sache, und die sozialen Medien sind es auch. Man muss sie nur dementsprechend nutzen. Vor allem im kommenden Wahlkampf wird sich viel auf den verschiedenen Plattformen abspielen. Bringen wir unsere Stärken zur Geltung!

Meldestellen für strafrechtlich relevante Inhalte:

BMI/Verfassungsschutz - Meldestelle für NS-Wiederbetätigung
http://bmi.gv.at/cms/bmi_verfassungsschutz/meldestelle/

BMI - Meldestelle für Internetkriminalität
http://bmi.gv.at/cms/BK/meldestellen/internetkrimina/start.aspx

oder "offline" bei der nächsten Polizeidienststelle

Info:

Manfred Walter ist stellvertretender Betriebsratsvorsitzender an der Johannes Kepler Universität (Liste Grüne an der JKU/UG) und Sprecher der Initiative "Heimat ohne Hass"​.

Manfred Walter
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