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am 1. Mai 2019

Wandel

ooe.planet Redaktion - Unentschuldigte Fehlstunden sind wichtig - damit uns nicht allen die Stunde schlägt.

Ob es mir etwas ausmache, wenn sie drei unentschuldigte Fehlstunden habe, wollte meine fünfzehnjährige Tochter von mir wissen. Naja, kommt drauf an, war meine Antwort. Ich gehöre ja zu den glücklichen, angeblich nur im Märchenbuch existierenden Vätern, deren Kinder ihr ganzes Schulleben lang ihre Aufgaben gemacht, ihre Schularbeiten bravourös absolviert und ihre Zeit geduldig abgesessen haben. Deshalb kannte ich bislang unentschuldigte Fehlstunden nur vom Hörensagen. Es ginge um eine Demonstration in Gmunden, erklärte mir meine Tochter. Der Freitags-Schulstreik gegen den Klimawandel. Ihre Schule gebe prinzipiell nicht frei, manche Lehrkräfte wären dagegen, manche dafür, einige sogar dabei.

Ich habe mich eigentlich für einen Menschen guten Willens gehalten. Kritisch, engagiert, sozial, ökologisch, alles, was ebenso zu "grün" dazugehört. Allerdings muss ich an dieser Stelle ein Geständnis machen: Beim Wort "Klimawandel" habe ich bislang auf Durchzug geschalten. Das war für mich ein Wort aus den Nachrichten, so ähnlich wie "Schulreform" – das geht seit dreißig Jahren bei einem Ohr rein und beim anderen wieder raus, ohne die Gehirnwindungen zu belasten. Einfach, weil man es zu oft gehört hat, um noch daran glauben zu können. An die Schulreform glaube ich ehrlich gesagt noch immer nicht. Mit dem Klimawandel habe ich mich aber durch die Initiative der Kinder eingehend beschäftigt. Wenn man das macht, ist man zwangsläufig erschüttert. Und kann mit dem deutschen Pfarrer und ehemaligen Politiker Ulrich Kasparick allen Skeptikern nur zurufen: "Klimawandel ist ein Fakt, keine Meinung!" Meine Tochter hat mir dann von Greta Thunberg erzählt, von der Kasparick sagt: "Dieses Mädchen hat der Himmel geschickt." Wer sich ihre mutige und glasklare Rede bei der UN-Klimakonferenz anhört, diese Sprache des Herzens, diesen heiligen Zorn, kann dem nur zustimmen. Mit Tränen in den Augen.

Ob es mir etwas ausmache, wenn sie drei unentschuldigte Fehlstunden habe, wollte meine Tochter von mir wissen. Nein, antwortete ich, ganz im Gegenteil: Ich danke dir dafür.

René Freund

Piktogramm Frau mit Megaphon
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