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am 12. February

Schulautonomie: Musikvolksschulen vor Aus

Gottfried Hirz - Während das Angebot für Kinder an den Schulen weiter schrumpft, verkommt die Schulautonomie zur reinen Mogelpackung.

Die Kindergärten und Volksschulen sind das Fundament der Bildung. Sie legen den Grundstein für einen weiteren, erfolgreichen Bildungsweg. Bildungsinvestitionen im frühkindlichen Alter machen sich später um ein Vielfaches bezahlt. Es wäre daher logisch, in Kindergärten und Volksschulen und damit in die Zukunft unserer Kinder zu investieren. Aber aktuell wird das Gegenteil gemacht. An den Schulen wird gespart, das Angebot an Förderungen reduziert.

Fehlende Ressourcen verantwortlich für Reduktion des Unterrichtsangebotes

Selbstverständlich ist der Bildungsauftrag der Volksschulen, dass alle Kinder die Grundfertigkeiten Lesen/ Schreiben/Rechnen erlernen. Schule soll aber darüber hinaus auch Lernort und Lebensraum sein. Ein Raum, in dem die Kinder ihre Persönlichkeit entfalten können und Kreativität, soziales Lernen sowie Talente optimal gefördert werden. Diesem Anspruch nachzukommen wird für die LehrerInnen immer schwieriger. Seit Jahren wird an den Schulen gespart, die Angebote werden weniger statt mehr.

Zwei aktuelle Beispiele:

  • Kürzungen bei der Sprachförderung: Unbestritten brauchen Volksschulen vor allem für die Schuleingangsphase mehr Ressourcen für Sprach- und Leseförderung. Hier wurde jedoch dramatisch. Alleine in Oberösterreich stehen fast 86 Planstellen weniger als noch im Vorjahr zweckgebunden für die Deutschförderung in Pflichtschulen zur Verfügung. Eine Reduktion um über 40%, konkret von 145,5 aufrund 60 Dienstposten. Das hat unmittelbare Auswirkungen bis in die Klassenzimmer hinein. Die Schulen werden bei der Integrationsarbeit im Stich gelassen, VerliererInnen sind die Kinder. Insbesondere sogenannte Brennpunktschulen sehen sich mit schwerwiegenden Kürzungen der Ressourcen konfrontiert. Noch immer ist nicht geklärt, ob und wie zusätzliche Ressourcen über einen Sozialindex zur Verfügung gestellt werden, damit Schulstandorte mit größeren sozialen Herausforderungen ihre SchülerInnen auch besser fördern können.
  • Keine Freifächer: Das Angebot von unverbindlichen Übungen ist für die junge Generation zur Rarität geworden - ganz einfach, weil den Schulen die Ressourcen dafür fehlen. Zusätzliche Angebote wie Chor, Spielmusik, Malwerkstatt, Theater, Kochen etc. entsprechen zwar dem Bedürfnis von Eltern, Kindern und LehrerInnen, die Angebote werden aber immer weniger. Das ist der falsche Weg. Die Volksschulen müssen organisatorisch, pädagogisch und finanziell in die Lage versetzt werden, diese Freifächer anbieten zu können.

Jetzt droht den Musikvolksschulen das Aus!

Seit rund 30 Jahren wird in Österreich der Schulversuch "Musikvolksschule" beziehungsweise "Klasse mit musikalischem Schwerpunkt" angeboten. In Oberösterreich gibt es aktuell 16 Schulstandorte, an denen SchülerInnen statt einer Wochenstunde Musik pro Schulstufe im Regelfall jeweils drei Wochenstunden Musikunterricht angeboten wird. Für die Aufnahme ist keine Eignungsprüfung nötig, im Mittelpunkt des Angebotes steht die Begegnung mit Musik für alle Kinder. Das Angebot ist aus pädagogischer Sicht ein Erfolgskonzept: Die intensive Beschäftigung mit Musik fördert nachhaltig die Persönlichkeitsentwicklung und das Selbstwertgefühl, fördert die Gehirnentwicklung und senkt das Aggressionspotential. Gerade für Kinder mit Migrationshintergrund oder Beeinträchtigung wird auf die Weise die soziale Integration deutlich erleichtert. Das Musizieren stärkt die Klassengemeinschaft, Singen erleichtert den Spracherwerb.

Künftig wird es den Schulversuch aber nicht mehr geben. Anlass ist die Bildungsreform der schwarz-blauen Bundesregierung, die die Schulautonomie - vordergründig - per Gesetz ausgeweitet hat. Die bisherigen Regelungen sind nicht mehr gültig und die entsprechenden Schulversuche werden bis 2025 beendet. Das Bildungsministerium weist zwar darauf hin, dass Schulen im Rahmen ihrer Autonomie den musikalischen Schwerpunkt auch ohne Schulversuch anbieten können. Das hat allerdings einen Haken: Denn dafür müssten Wochenstunden in einem anderen Gegenstand gestrichen werden. Möglich wäre auch das Angebot unverbindlicher Übungen, hierfür brauchen die Schulen aber entsprechende Ressourcen, die sie aktuell nicht zur Verfügung haben.

Die Schulautonomie droht zur Mogelpackung zu werden

Kürzungen unter dem Deckmantel der Schulautonomie sind verantwortungslos und kontraproduktiv

Die Schulautonomie ist eine Mogelpackung, wenn es für die Schulen weniger Ressourcen gibt. Den Schulen mehr Eigenständigkeit und Gestaltungsfreiheit zu geben, ist grundsätzlich richtig. Wir sind auch immer konsequent für mehr Schulautonomie eingetreten. Aber die Bundesregierung sieht darin offenbar ein Kürzungsvehikel. "Wir kürzen eure Stunden, aber ihr könnt das gestalten wie ihr wollt." – Das scheint die Devise zu sein.

Wenn Schulen lediglich autonom entscheiden können, wo sie Stunden kürzen, um ihren Unterricht an anderer Stelle aufrechterhalten zu können, hat das mit Schulautonomie nichts zu tun, sondern zwingt die Schulen zur Mängelverwaltung. Unter dem Deckmantel der Selbstbestimmung schulische Leistungen zu kürzen und abzustellen ist eine Farce. Der Bund darf die Verantwortung nicht auf die Schulen abwälzen, sondern muss sie mit den nötigen Mitteln ausstatten.

Was nun den Musikvolkschulen droht, war auch für die Integrationsklassen an Sonderschulen geplant. Das drohende Aus konnte aber durch gemeinsames Vorgehen der oberösterreichischen Politik sowie den großartigen Einsatz der Elterninitiative gemeinsam mit LehrerInnen und SchulleiterInnen abgewendet werden. Schließlich hat sich die oberösterreichische Landespolitikeinstimmig zum Erhalt bekannt.

Wir beantragen Erhalt von Musikvolksschulen und setzen auf politischen Schulterschluss

In diesem Sinne machen wir den Erhalt der oberösterreichischen Musikvolksschulen zum Thema im Landtag. Ein entsprechender Antrag wird am Donnerstag im Bildungsausschuss diskutiert. Wir fordern mit unserem Antrag von der Bundesregierung, alles zu unternehmen, damit Musikvolksschulen ihre Arbeit fortsetzen können. Es muss die notwendigen Ressourcen geben, damit Volksschulenden musikalischen Schwerpunkt weiter anbieten können, ohne Wochenstunden in anderen Gegenständen kürzen zu müssen.

Wir  appellieren an die anderen Fraktionen, unsere Forderung zu unterstützen und damit einen Schulterschluss fürunsere Musikvolksschulen zu bilden.

Klar ist, dass sich auch die Musikvolksschulen in Oberösterreich gegen diesen Kürzungskurs zur Wehr setzen. Sie wollen ihre engagierte und hervorragende Arbeit fortsetzen.

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