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01.12.2023 Allgemein

See­vier­tel: Schluss mit der Sa­la­mi-Tak­tik!

Uli Feichtinger und Michael Mugrauer stehen am Ufer des Traunsees

Die Freizeitqualität der Gmundner:innen darf nicht an Luxusgäste verkauft werden.

Grundsätzlich unterstützen die Grünen Gmunden das Hotel- und Wohnungsprojekt Seeviertel. In den letzten Wochen und Monaten sind jedoch Änderungen in den Raum gestellt worden, die genau beobachtet und achtsam zum Wohl der Gmundner:innen gelöst werden müssen.

Zur Erinnerung: Im September 2021 stimmte der Gmundner Gemeinderat dem Vertragswerk mit der Soravia-Gruppe über ein Wohnungs- und Hotelprojekt auf dem Areal des ehemaligen Parkhotels einstimmig zu. Für die Grünen war damals und ist heute ausschlaggebend, dass das präsentierte Hotelprojekt eine Chance zur Weiterentwicklung der Stadt darstellt und vier zentrale Grüne Forderungen erfüllt:

  • Die Erholungsfläche Seebahnhof bleibt zum allergrößten Teil für die Bevölkerung erhalten.
  • Der öffentliche Durchgang vom Krakowitzer Kai zur Erholungsfläche Seebahnhof ist gesichert.
  • Die Gemeinde verkauft das Grundstück nicht an die Hotelbetreiber, sondern räumt ihnen ein Baurecht ein.
  • Der vereinbarte Bebauungsplan rückt das Hotelgebäude von der Halbinsel zurück in Richtung des ehemaligen Parkhotels.

Die Grünen warnen vor Salami-Taktik

Doch bereits im Dezember 2022 änderte sich die Sachlage: Der Bebauungsplan für das Hotel musste aufgrund der geplanten Verschiebung des Freiluftbeckens geändert werden und die großen alten Buchen schienen entgegen erster Beruhigungen gefährdet. „Der Gemeinderat hat Möglichkeiten, aktiv auf das Stadtbild, auf den öffentlichen Raum, auf die sensiblen Erholungsflächen Einfluss zu nehmen. Ich warne vor der Salami-Taktik der Errichtungsgesellschaft, mit der Schritt für Schritt das Projekt so verändert werden könnte, dass es nicht zum Besten der Stadt ist,“ drückte Vizebürgermeisterin Ulrike Feichtinger ihre Sorge in der Gemeinderatsitzung im Dezember 2022 aus. Die Grünen stimmten gegen die Änderung des Bebauungsplanes, die jedoch mit einer Mehrheit im Gemeinderat beschlossen wurde.

Die Grünen plädieren für ein gut integriertes Seeviertel

Aufgrund der Lage am See war von Anfang an klar, dass die Wohnungen im oberen Preissegment angesiedelt sein würden. Doch die Projektvorstellung im Juli 2023 überraschte damit, dass ein Luxusressort mit zahlreichen Bootsgaragen geplant ist. Dadurch besteht die Gefahr, dass das Seeviertel nicht als integrierter Bestandteil im Weyer wahrgenommen wird, sondern als Fremdkörper in einem organisch gewachsenen Stadtteil. „Diese Ausrichtung der Vermarktung teilt in keiner Weise unsere Vorstellungen einer verbindenden Stadtteilentwicklung. Die Idee, Bewohner:innen ins Zentrum zu ziehen und die Stadt zu beleben, sehen wir in Gefahr,“ warnt Stadtrat Michael Mugrauer.

Die Grünen sprechen sich gegen Bootsgaragen aus

Die Grünen sprechen sich mit aller Deutlichkeit gegen Bootsgaragen im Seeviertel aus: „Die Errichtung von Bootsgaragen im Gebäude der Kößlmühle hat im vergangenen Sommer zu nie dagewesenem Motorboot-Verkehr auf der Traun geführt,“ berichtet Michael Mugrauer. „Mit diesem Negativbeispiel ist es für uns Grüne undenkbar, dass weitere Bootsgaragen in solch sensiblen Bereichen der öffentlichen Naherholung errichtet werden dürfen.“ Wer Bootsgaragen sät, wird Bootsverkehr ernten. Ein zunehmender Nutzungskonflikt zwischen Motorbooten einerseits und Schwimmer:innen, SUPs sowie weiteren sanften Freizeitnutzungen am See andererseits ist damit vorprogrammiert. „Es darf nicht sein, dass sich das Recht des Stärkeren durchsetzt,“ erklärt Mugrauer.

Die Grünen sehen sich in ihrer Forderung bestätigt, das Grundstück für das Hotel nicht zu verkaufen, sondern der Errichtungs- und Betreibungsgesellschaft lediglich ein Baurecht einzuräumen. „Damit kann die Stadtgemeinde die Bautätigkeit auf dem Hotelareal so einschränken, dass sie die Freizeitqualität der Allgemeinheit nicht beeinträchtigt,“ äußert sich der Grüne Stadtrat. „Bei einem Verkauf des Grundstückes hätten wir jetzt keinen Hebel, um solche Bootsgaragen zu unterbinden.“

Die Grünen fordern strengen Baumschutz und Nachpflanzungen für das Seeviertel

Die aktuell vorgelegten Pläne zeigen, wie berechtigt die Sorge um die großen alten Buchen zwischen Parkhotel- und Seebahnhof-Areal war und ist. Zwei der besagten Bäume, die im Bebauungsplan als erhaltenswert gekennzeichnet sind, liegen sehr knapp an einer Außenmauer des Hotelgebäudes. Bei Bauarbeiten sind die Krone und der Wurzelstock der beiden Bäume gefährdet. „Mit einer guten Bauleitung können diese Bäume erhalten werden,“ betont Ulrike Feichtinger. „Dieser einzigartige Baumbestand muss so schonend als möglich behandelt werden.“

Die Grüne Vizebürgermeisterin fordert daher eine unabhängige fachliche Begleitung der Baustelle zum größtmöglichen Schutz der wertvollen Bäume, etwa durch den Baumbeauftragten der Stadtgemeinde Gmunden. „Soravia drückt die Bereitschaft aus, das Gesamtprojekt umweltverträglich, naturnahe begrünt und ansprechend zu gestalten,“ weiß Ulrike Feichtinger aus Gesprächen mit Vertreter:innen der Errichtungsgesellschaft. „Die Stadtgemeinde darf nicht untätig sein, sondern muss Soravia hier beim Wort nehmen, um mit großer Umsicht den erhaltenswürdigen Baumbestand zu schützen.“

Laut aktuell vorliegenden Plänen wird es nach der Errichtung des Hotel- und Wohnungsprojektes mehr Bäume auf dem Gesamtareal geben als bisher, doch große 100jährige Bäume können nicht einfach durch Neupflanzungen ersetzt werden. „Für solch sensible Bereiche des öffentlichen Raumes wäre ein Baumschutzgesetz wichtig,“ wiederholt Ulrike Feichtinger. „Dann hätte die Gemeinde dieses Gebiet als Baumschutzzone ausweisen können und könnte mit einer stärkeren Handhabe diesen einzigartigen Baumbestand bewahren.“ Sie bedauert, dass eine entsprechende Petition im Gemeinderat an einer schwarz-blauen Mehrheit gescheitert ist.

Die Lebensqualität der Gmundner:innen darf nicht an Luxusgäste verkauft werden.

Die Grünen Gmunden setzen sich für eine nachhaltige Stadtentwicklung ein und begleiten das Projekt kritisch konstruktiv: „Wir sind überzeugt, dass eine Stadt mit hoher Lebens- und Freizeitqualität für alle Gmundner:innen und Gäste erreichbar ist,“ zeigt sich Michael Mugrauer zuversichtlich. „Wir Grüne setzen uns vehement dafür ein, dass die Entwicklung des Seeviertels diesem Ziel entspricht.“

Vor wenigen Tagen wurde jedoch bekannt, dass weitere öffentliche Flächen im Ausmaß von 165 Quadratmetern als Ausgleichsfläche benötigt werden: Der Badestrand des Hotels wird aufgeschüttet, in demselben Ausmaß muss an anderer Stelle Landfläche in Wasserfläche verwandelt werden. Dies soll über eine Renaturierung der öffentlichen Seebahnhofbucht geschehen. „Es braucht nun eine gute Lösung, mit der wir einerseits ökologisch wertvoll renaturieren und andererseits das Areal für die erholungssuchende Bevölkerung aufwerten,“ betont Ulrike Feichtinger. Seitens Soravia werden der Stadtgemeinde durchaus interessante Investitionen in das Naherholungsgebiet angeboten. „Doch wir dürfen uns nicht von finanziellen Anreizen blenden lassen: Das Areal muss so gestaltet sein, dass wir Gmundner:innen im Sommer dort gut baden und das ganze Jahr über an diesem schönen Fleckchen erholsam verweilen können.“

Die Grünen sind wachsam und bereiten gute Lösungen vor

Stadtrat Mugrauer ist besorgt, dass die Seebahnhofbucht nach der Renaturierung viel häufiger überschwemmt sein könnte: „Die neuen Liegewiesen sind von einjährigen Hochwasser-Ereignissen betroffen. Wer wird sich um die ständige Erhaltung des Naherholungsgebietes kümmern? Werden die Flächen tatsächlich für die Öffentlichkeit nutzbar sein?“ zeigt Mugrauer auf, was bei den anstehenden Planungen dringend beachtet werden muss.

Denn die Freizeit- und Lebensqualität der Gmundner:innen darf nicht vorbehaltlos an das schöne Ambiente für Luxusgäste verkauft werden. Vizebürgermeisterin Feichtinger bemüht den Vergleich mit der Salami-Taktik: „Wird hier nicht scheibchenweise immer mehr Raum in Anspruch genommen und damit das Naherholungsgebiet für die einheimischen Bevölkerung eingeschränkt? Jedes Scheibchen für sich gesehen mag nicht wie ein großer Einschnitt wirken. Doch am Ende des Tages könnten wir mit einem realisierten Hotel konfrontiert sein, das mit dem ursprünglich eingereichten Projekt nur mehr entfernt verwandt ist. Mit der Salamitaktik muss jetzt Schluss sein!“

Uli Feichtinger
Uli Feichtinger

Vizebürgermeisterin, Gemeindegruppensprecherin

[email protected]
Michael Mugrauer
Michael Mugrauer

Finanzreferent

[email protected]
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