Skip to main content
20.08.2021 Allgemein

In­ter­view mit Franz Grill­ber­ger

Das Team der Grünen Laakirchen

Wir danken ihm herzlich für seinen lebenslangen und engagierten Einsatz für Mensch und Umwelt.

 

Nach 5 Jahren im Gemeinderat will er Jüngeren den Vortritt lassen. Er feiert heuer seinen 80. Geburtstag.

Woher stammst du?

Aus dem schönen Herzogsdorf mitten im Mühlviertel. Meine Eltern hatten eine kleine Landwirtschaft, der Vater betrieb zusätzlich eine kleine Werkstätte für landwirtschaftliche Geräte, er hat mir einiges an technischem Handwerk beigebracht. In meiner Kindheit hat man noch aus allen Bächen und Rinnsalen trinken können, aus heutiger Sicht war damals alles bio. Es gab wunderschöne Wiesen und Bäche voller springender Forellen, da sprudelte es nur so und der Nachbarsbub hat mir beigebracht, wie man sie mit der Hand fängt. Meine Mutter hat sie abends mit Brösel in Butter gebraten, das war eine Delikatesse, undenkbar heute!

Danach sind die Waschmaschinen aufgekommen, als Kind habe ich gesehen, wie die Bäche plötzlich geschäumt haben, wie tote Fische im Bach geschwommen sind. Dann gab es die heile Welt nicht mehr. Danach ist es auch in der Landwirtschaft richtig losgegangen, Spritzmittel und Kunstdünger sind aufgekommen.

Du hast den Strukturwandel in der Landwirtschaft hautnah mitbekommen?

Ja, damals hat es auch noch keine Kanalisation gegeben, alles mündete in den Bach und das hat sich sofort bemerkbar gemacht. Als ich auf die HTL wechselte, pendelte ich täglich mit der Bahn nach Linz und mein Lebensmittelpunkt war nicht mehr im Mühlviertel. Nach der HTL das Bundesheer, das keinen wesentlichen Einfluss auf mich gehabt hat, und danach ein Studium für Welthandel in Wien. Da bin ich schon in Berührung gekommen mit Themen der Umweltverschmutzung, dem Wald-Sterben, dem sauren Regen. Ich sah im heimischen Mühlviertel die Tannen mit gelb verfärbten Wipfeln, der hohe Schwefelgehalt der Luft hat den Wald angebissen.

Wie ist das besser geworden, der Wald ist ja nicht gestorben?

Da hat die Politik reagiert, als erstes wurde das Benzin entschwefelt, dann das Heizöl und die Industrie, das Waldsterben ist tatsächlich gestoppt worden. Die zweite Geschichte war das Ozonloch, das FCKW in den Spraydosen wurde relativ schnell verboten und der Gebrauch von Fluorchlorkohlenwasserstoff in der Industrie dramatisch eingeschränkt und kontrolliert. Das ist heute vergessen, aber damals gab es Berichte von Schafen in Australien, die blind geworden sind aufgrund des Ozonlochs. Das hat die Welt in den Griff bekommen, es ist ein Beispiel, wie menschengemachte, schädliche Einflüsse wieder gestoppt werden können.

Glaubst du, wir bekommen die Klimakrise in den Griff?

Selbstverständlich! Wie die Weltpolitik, die Industrie und die Finanzwelt reagieren, ist nicht ganz verständlich. Wir müssen es angehen! Da gab es 2009 zum Beispiel das Projekt Desertec. Siemens war an Bord und viele namhafte Industriekonzerne, man wollte Strom in der Wüste gewinnen und Leitungen nach Europa bauen. Das Projekt wurde leider aufgegeben, weil angeblich nur die Nordafrikaner davon profitieren würden und die europäische Kohlekraftwerke Einbußen erleiden würden, das kostet Arbeitsplätze. Das ist betriebswirtschaftlich falsch, man wusste damals schon, dass die Kohle ohne Zukunft ist. Da wurde Profit vor Leben, Wirtschaftlichkeit vor Umweltschutz, gestellt.

Haben Gesetze zum Schutz der Umwelt schon Betriebe in den Ruin getrieben?

Nein, wenn Betriebe in Konkurs gehen mussten, dann aus anderen Gründen. Es gibt sterbende Sparten. Wenn ein Betrieb sich nicht rechtzeitig umorientiert, droht der Konkurs. Ich kann mich an die stark verunreinigten Bäche meiner Kindheit erinnern, das Kanalnetz wurde erst in den 70er Jahren gebaut, danach gab es sofort wieder mehr Fische, auch das ist ein Beweis, dass die Regenerationsfähigkeit der Natur unglaublich groß ist.

Waren da auch Naturschützer:innen am Werk, wie kam es, dass der Kanal und die Kläranlagen errichtet wurden?

In der Landesregierung dürften starke Kräfte gewesen sein, die verstanden haben, dass wir das Land kaputt machen, wenn wir so weitermachen, alles kam von oben, eine kleine Gemeinde konnte kaum dazu beitragen.

Die Episode LUI war eine Erfahrung, wie eine kleine Gruppe etwas bewirken kann. In der Musikschule wurde damals die Müllverbrennungsanlage vorgestellt und daraus hat sich relativ schnell eine kleine Gruppe gefunden, die Kontrolle und bessere Planung verlangte, Hans Schausberger, Walter Riedler, Franz Krottenauer, Karl Thallinger, unser heutiger Fraktionsobmann, waren u. a. dabei, wir sind schon damals als grünes Nest bezeichnet worden und einige, auch ich, sind in die Schusslinie geraten.

Interessant ist, dass wir uns schon damals mit der Raumplanung beschäftigt haben, für das Traunfeld gab es einen Architekturwettbewerb, da hat die LUI eine wesentliche Rolle gespielt. Auch für die Verbauung am Fraunberg haben wir damals schon ein Gesamtkonzept gefordert, das die Quellen und Wasserströme mitberücksichtigt.

Gibt es die LUI, die Laakirchner Umweltinitiative, heute noch?

Ja, der Bürgerbeirat wird von der Gemeinde jährlich einberufen, es gibt einen Bericht, was es Neues gibt, wie die aktuellen Werte sind, wie gut alles funktioniert, was der Kessel verdaut und was nicht hineingehört, es gibt laufende Proben und Abgasmeßwerte, die einsehbar sind, alles wird kontrolliert, damit die Luft so sauber wie möglich bleibt. Erst waren wir die bekämpften Gegner der Wirtschaft, die Pfui-Teufeln, später hat Walter Riedler sogar eine Ehrung der Gemeinde Laakirchen als engagierter Bürger erhalten.

Das erklärt, warum du ein Grüner geworden bist.

Natürlich! Ich hatte auch frühe Kontakte zu den Grünen, zu Doris Eisenriegler zum Beispiel, an ein Treffen mit Rudi Anschober in Edt bei Lambach kann ich mich erinnern, es ging um die Renaturierung der Au, das Wiederherstellen von Naturräumen wurde da möglich.

Und in Laakirchen?

Der Fraunberg war eine Motivation. Klemens Portenschlager sagte damals schon, man müsse eine gesamte Planung darüber ziehen und ich habe gesehen, was dann wirklich gebaut wurde. Was für eine Blindheit der Gemeinde für die Umwelt!

Werden die egoistischen Großen gewinnen?

Zum Beispiel die Besteuerung der Konzerne, die globale Steuer von 15 % zeigt, dass es anders geht. Die Amerikaner haben anscheinend begriffen, dass man Zügel anlegen muss und wir uns ein wenig vom Kapitalismus befreien müssen. Insgesamt wächst das Verständnis für Solidarität und Steuergerechtigkeit, das predigt “The Economist” schon immer.

Was könnte Laakirchen in Zukunft sein?

Als „Zuagroaster“ sehe ich Laakirchen mit anderen Augen, ein Ort mit guter Verkehrsanbindung, die Lage und die etablierten Betriebe werden noch weitere Betriebe anlocken, aber was mich stört ist der schlampige Umgang der Gemeinde mit dem Ort. Ich erlebte, wie aus dem Dorf ein Markt und schnell eine Stadt wurde und es hat sich nichts verändert. Das Ortsbild ist immer noch das gleiche. Ein Stadtklima erschaffen, das die Menschen attraktiv finden, das ist eine Motivation für mich, mit den Grünen mitzuarbeiten. Wir konnten schon kräftige Impulse geben, wir holten Architekt Steger, er hat das richtige Gefühl und Können für eine tolle Stadtplanung. Wir brauchen Visionen und müssen beharrlich bleiben, man kann nicht immer alles sofort haben. Stück für Stück entwickelt sich etwas.

Haben Visionen mit Werten zu tun?

Ja, sicher. Im Hintergrund braucht man ein Weltbild, dass man weiß, wie die Welt ticken soll. Wir sind gezwungen zu denken, wie die Welt funktionieren kann, wir müssen miteinander auskommen, dann kommt man automatisch nach links 🙂

Man muss mit der Natur leben, nicht gegen sie.

Meine Bedenken zum bedingungslosen Grundeinkommen richten sich gegen die mögliche Freisetzung der Arbeitnehmer:innen, weil es ja eh eine Grundsicherung gibt, die soziale Verantwortung wird abgegeben und Menschen werden ausgeschlossen. Niemand darf ausgeschlossen werden.

Prägen dich christliche Werte?

Ja, trotz aller Kritik an der Amtskirche und aller Meinungsverschiedenheiten zu manchen kirchlichen Vertretern ist mir die Pfarrgemeinschaft in Laakirchen etwas sehr Wertvolles, eine Gemeinschaft, die ich nicht missen möchte. Ein guter Christ ist grün. Jesus wäre heute ein radikaler Umweltschützer.

Danke dir, alles Gute für die Zukunft!

Franz Grillberger
Franz Grillberger
Ersatzgemeinderat
Beitrag teilen
1
2
3
4
5
6
7
8