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11.03.2022 Allgemein

IN­KO­BA in Vor­ch­dorf – quo va­dis?

Betriebsbaugebiet

Im Vorchdorfer INKOBA-Gebiet ziehen schon einige Unternehmen ihre neuen Betriebsgebäude hoch. Ein Großteil der vorgesehenen Fläche ist aber noch unbebaut – eine Chance, um noch Schritte in Richtung eines „nachhaltigen Gewerbegebietes“ zu setzen.

 

Die Marktgemeinde Vorchdorf ist Mitglied der INKOBA-Region Salzkammergut Nord und hat eine große Fläche in Feldham als Betriebsbaugebiet für INKOBA gewidmet. Aber was bedeutet „INKOBA“ überhaupt?

Dieses Kürzel steht für „Interkommunale Betriebsansiedelung“, also eine gemeindeübergreifende Wirtschafts- und Standortentwicklung. Die Grundidee ist, dass nicht jede Gemeinde wegen der Konkurrenz um die Kommunalsteuer ihr eigenes Gewerbegebiet auf die grüne Wiese stellt. Stattdessen sollen größere Betriebsflächen vorrangig an entsprechend geeigneten Standorten entwickelt werden. Die Kommunalsteuern werden dann nach einem von der Einwohnerzahl abhängigen Schlüssel auf die Mitgliedsgemeinden aufgeteilt. Vorchdorf bekommt für das Feldhamer INKOBA-Gebiet nach dem Aufteilungsschlüssel einen Standortbonus von 25% und 14,4% von den restlichen 75% der Einnahmen.

 

Wie ist INKOBA organisiert?

Die INKOBA-Region Salzkammergut Nord ist ein Gemeindeverband nach dem OÖ Gemeindeverbändegesetz. Elf Gemeinden – außer Vorchdorf sind das Grünau, Gschwandt, Kirchham, Laakirchen, Ohlsdorf, Pinsdorf, Roitham, St. Konrad, Scharnstein und die Stadt Gmunden – sind Mitglieder dieser INKOBA-Region. Der Verband hat seine eigenen Gremien, in denen Beschlüsse gefasst werden. Die Verbandsgremien werden von VertreterInnen der Parteien aus den einzelnen Gemeinden besetzt, je nach Stimmenanteil bei der letzten Gemeinderatswahl. Vorchdorf hat drei Vertreter, davon einen auch im INKOBA-Vorstand.

 

Ein nachhaltiges Gewerbegebiet – wie könnte das ausschauen?

In den Statuten des INKOBA-Verbandes ist als Zweck „die nachhaltige Weiterentwicklung des Lebens- und Wirtschaftsraumes nördliches Salzkammergut“ festgeschrieben. Es liegt also nahe, die Messlatte „Nachhaltigkeit“ auch bei einem INKOBA-Gebiet selber anzulegen. In der Vorchdorfer Gemeindepolitik wurden in der jüngsten Zeit im Zusammenhang mit den Gewerbeflächen in Feldham vor allem zwei Themen diskutiert, nämlich die Anzahl der Arbeitskräfte pro Hektar und die Verkehrsbelastungen für die AnrainerInnen. Beides sind wichtige und berechtigte Anliegen, aber ein nachhaltiges Gewerbegebiet lässt sich noch viel breiter denken.

Nachhaltigkeit umfasst gemäß einer gängigen Definition drei Dimensionen: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Wir wollen hier als Denkanstoß für alle drei Dimensionen eine Reihe von Aspekten anführen.

Zur Ökonomie – hier geht es unter anderem um dauerhafte und hohe Einnahmen aus Kommunalsteuern. Die Kommunalsteuer ist eine lohnabhängige Gemeindeabgabe. Das bedeutet: Je mehr Arbeitskräfte im INKOBA-Gebiet und je besser deren Entlohnung, umso mehr Kommunalsteuer. Also ist es im allgemeinen Interesse, vorrangig Betriebe mit vielen Arbeitsplätzen und guter Bezahlung anzusiedeln. Ein ausgewogener Mix aus Unternehmen verschiedener Branchen macht wirtschaftliche Krisen leichter verkraftbar. Lokale und regionale Wertschöpfung sollen erhöht werden.

Zur Ökologie – hier kann man im wahrsten Sinne des Wortes an ein „blühendes Gewerbegebiet“ denken, nicht nur rundum versiegelt und zuasphaltiert, sondern auch mit Flächen, die verschiedensten Pflanzen und Tieren Lebensräume bieten (und nebenbei für die Menschen ein angenehmeres Mikroklima schaffen). Mit dem Gewerbegebiet „Römergrund“ hat die Vorarlberger Gemeinde Rankweil vorgezeigt, dass dies geht. Wichtig sind auch die bauökologische Qualität und die Klimatauglichkeit der Gebäude und Infrastruktur. Eine Versorgung mit Energie aus erneuerbaren Quellen wie Nahwärme und Sonnenenergie muss selbstverständlich sein. Die mittlerweile unvermeidbaren Auswirkungen des Klimawandels – mehr Hitzewellen und Trockenperioden, stärkere Unwetter und heftigere Starkniederschläge – müssen vorausschauend berücksichtigt werden.

Ganz maßgeblich ist der Umgang mit Mobilität. Was wird getan, damit die im INKOBA-Gebiet Beschäftigten nicht alle mit dem Auto zur Arbeit fahren? Wird an eine gute Anbindung an den Öffentlichen Verkehr und an gute Radverbindungen – auch innerhalb des INKOBA-Gebiets – gedacht? Wird bei der Auswahl der Betriebe darauf geachtet, wie viel Verkehr sie verursachen? Zieht man bei Logistikunternehmen einmal eine Bremse, auch im Interesse der AnrainerInnen?

Zum Thema Soziales – dass die AnrainerInnen nicht unter die Räder kommen dürfen, haben wir schon erwähnt. Andere Gesichtspunkte: Bei so vielen Beschäftigten an einem Ort sind sicher einige dabei, welche sich über eine Kinderbetreuung freuen. Zur sozialen Infrastruktur gehören weiters Nahversorgungseinrichtungen, in denen man essen kann, die aber auch Treffpunkte sind.

 

Nicht einfach – aber lohnenswert!

Ein nachhaltiges INKOBA-Gebiet ist keine einfache Sache, weil es viele Beteiligte gibt: den INKOBA-Verband, die Mitgliedsgemeinden, aber auch die Unternehmen. Es ist trotzdem eine Chance für etwas Neues und Vorbildhaftes. Das Vorchdorfer INKOBA-Gebiet steht noch am Anfang. Das bietet Gelegenheiten, um die Weichen in Richtung eines nachhaltigen Gewerbegebietes zu stellen. Wir hoffen, dass zumindest die Vorchdorfer INKOBA-Vertreter in diesem Sinne am selben Strang ziehen!

Reinhard Ammer
Reinhard Ammer

Landtagsabgeordneter, Fraktionsobmann Grüne Vorchdorf, Gemeindevorstand, Bezirkssprecher

reinhard.ammer@gruene.at
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