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27.04.2022 Presse

Grü­ner 1. Mai

Symbolbild Solaranlage

Landessprecher Stefan Kaineder

Wir erleben eine Zeitenwende, einen gerade historischen Umbruch. Der Ukraine-Krieg und seine Folgen führen uns die Abhängigkeit von russischem Öl und vor allem Gas drastisch vor Augen. Eine fossile Abhängigkeit, die die Kriegskasse eines brutalen Despoten füllt und uns immer näher zum Klimakollaps führt. „Wir müssen raus aus diesen Fesseln, raus aus Gas und Öl. Nicht nur aus russischem, sondern gänzlich. Es ist jetzt Zeit für saubere Energie, für eine kraftvolle Energiewende mit Sonne, Wasser und Wind“, betont der Grüne Landessprecher LR Stefan Kaineder.

Es ist bekannt, dass Oberösterreich hier Aufholbedarf hat. Der Bruttoenergieverbrauch nach Energieträgern zeigt, dass Oberösterreich nach wie vor mehr als 2/3 der Energie aus fossilen Energieträgern bezieht. Im Winter 2019/2020 wurden 82.000 Hauptwohnsitze mit Heizöl beheizt, 140.000 Haushalte heizen noch mit Gas.

Für einen raschen Umstieg auf die Erneuerbaren Energien ist ein Kraftakt nötig, aber er ist machbar– mit dem entsprechenden und ausbaufähigen Willen auch in Oberösterreich. Im Bund sind dank der Grünen die Weichen gestellt. Mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) und einem Rekordbudget ist die grüne Energiewende eingeleitet. Alleine für die Photovoltaik wird es dieses Jahr 240 Millionen Euro an Investitionsförderungen geben. Bis 2030 sollen 100 Prozent Ökostrom aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse kommen. Bis 2040 die gesamte Energieversorgung des Landes klimaneutral sein.

Energiewende ist größte Chance für die Wirtschaft und die neue Herausforderung für den Arbeitsmarkt

„Das ist die Energiezukunft. Dort liegen auch die größten Chancen für Wirtschaft und Industrie. Und dort liegen auch die Herausforderungen für Arbeitsmarkt, Bildung und Ausbildung“, betont Kaineder. Denn um diesen neuen Weg erfolgreich zu gehen, brauchen die Unternehmen auch in Oberösterreich die entsprechenden Fachkräfte für die neuen Energietechnologien. Von der Entwicklung, über die Produktion bis hin zu Installation und Wartung.

Daran hapert es. Dass sich der Fachkräftemangel in Obersterreich weiter zuspitzt, ist bekannt. Er trifft auch erfolgreiche Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Dieser Fachkräftemangel bremst diese Unternehmen und bremst auch die Energiewende. Betriebe im Bereich PV-Anlagen und Heizkessel berichten, dass sie dringend Personal brauchen. Installations- und Gebäudetechniker, Kältetechniker, Elektriker, PV-Techniker, PV-Monteure, Konstrukteure. Denn die Nachfrage ist enorm, kann derzeit kaum abgedeckt werden. Aktuelle Lieferkettenprobleme sind groß, der Fachkräftemangel aber noch größer.

Wir brauchen eine Fachkräfte-Offensive für die Green-Economy

„Der Andrang ist gewaltig. Die Leute wollen umsteigen, sie wollen neue Energien am Dach und im Keller. Wir haben nicht nur für gesicherte Förderungen zu sorgen, sondern auch, dass die Erneuerbaren-Technologien ausreichend hergestellt und bei den Leuten ankommen. Wir brauchen eine Fachkräfte-Offensive für die Green-Economy“, betont Kaineder.

Es geht nicht nur um die Montage und Service am Kunden. Es geht auch um Fertigung und grundsätzlich Handhabung der Erneuerbaren Technologien. Von Solar, Wasserkraft, Geothermie, Biomasse bis hin zur bisher vernachlässigten Windkraft. „Ihr Potential wird in Oberösterreich nicht ansatzweise ausgeschöpft, Schwarz-Blau hat den Ausbau praktisch stillgelegt. Das müssen wir ändern. 100 neue Windräder bis 2030 sind machbar. Dafür brauchen wir nicht nur einen ambitionierten Plan und die gesetzlichen Grundlagen. Wir brauchen auch die Fachkräfte, die diese Windräder aufstellen und warten. Bisher war das keine sonderliches Thema, das wird und muss es aber werden“, betont Kaineder.

Erste Schritte, um diese Fachkräfte bereitzustellen, sind gesetzt. Etwa durch das AMS. Die von Ministerin Gewessler initiierte Umweltstiftung fördert Aus- und Weiterbildungen für gering Qualifizierte und Personen mit nicht mehr verwertbarem Lehrabschluss in Jobs, die den im Regierungsprogramm vereinbarten Umweltzielen gerecht werden. Das Fachkräftestipendium fördert Ausbildungen bis zum Fachhochschul- bzw. Meisterniveau zur Abdeckung des Fachkräftebedarfs in definierten Mangelberufen auch des Umweltbereichs – etwa Bautechnik, Elektrotechnik, Gebäudetechnik sowie Chemie und Chemieingenieurwesen. Die Sozialpartner haben ebenso Initiativen gestartet wie Green Economy Unternehmen, die im Ausbildungsbereich kooperieren.

„Das ist schon was in Bewegung, das ist gut und muss nach Kräften unterstützt werden Aber wir brauchen mehr. Mehr Fachkräfte für die Energiewende und mehr kreative Ideen und neue Wege, wie wir sie bekommen. Wir betreten hier eine neue Zeit am Ausbildungssektor und wir dürfen das nicht zaghaft, sondern mutig und zuversichtlich machen“, betont Kaineder.

Landtagsabgeordnete Ulrike Schwarz

„Die Auftragsbücher sind voll, die Projekte könnten rascher erledigt und die Wartezeiten für die KundInnen deutlich verkürzt werden. Aber es fehlen die Fachkräfte für Grünen Technogien. Es geht hier nicht um Einzelfälle. Dieses Problem zieht sich durch alle meine Gespräche mit Firmenchefs. Und ja, um das zu ändern, müssen bestehende Instrumente gestärkt und weiterentwickelt werden. Nur so ist der Bedarf zu decken, die Energiewende auf diese Ebene voranzutreiben und deren ganzes Potential für Wirtschaft und Arbeitsmarkt zu nutzen“, betont die Grüne Energie- und Arbeitsmarktsprecherin LAbg. Ulrike Schwarz.

Berufsfelder, Lehrberufe und fachlich-spezielle Jobs stärken und weiterentwickeln

Spezifische Tätigkeiten erfordern spezifische Kenntnisse und Fähigkeiten. Um so mehr im relativ neuen Bereich der Green Technologys. Auf dieser Basis können Berufsfelder und fachlich-spezielle Jobs weiterentwickelt werden. Als Beispiel dient das Berufsfeld des Monteurs.

Hier sind Rückmeldungen aus Betrieben im Bereich PV-Anlagen und Heizkessel hochinteressant. Diese bräuchten eigene SolarteurInnen, um PV-Anlagen am Dach zu montieren oder MonteurInnen die Kessel in den Technikraum aufzubauen. Spezielles Wissen zu Elektrizität oder Wasserinstallationen sind nicht erforderlich. Denn die Installationen selbst werden von Elektro- oder Wasserinstallateur durchgeführt.

„Solche Green-Jobs sind die bislang fehlenden aber extrem wichtigen Glieder einer Kette. An dieser hängt die praktische Umsetzung der Energiewende. Nur wenn die Kette komplett ist und hält bringen wir die Erneuerbaren Energien in den Alltag der Leute. Daher müssen wir diese fehlenden Glieder neu schmieden“, betont Schwarz.

Diese speziellen Berufe erfordern selbstverständlich spezielle Ausbildung. Als Vorbild könnte etwa der neue Lehrberuf des Ökoenergie-Installateurs dienen. Geschaffen durch ein gemeinschaftliches Vorgehen von, OÖ Energiesparverband, Ökoenergie-Cluster, den Sozialpartner, der Berufsschule 8 sowie dem Landesschulrat. Dieser Lehrberuf umfasst Zusammenbau, Montage, Prüfung und Wartung von Anlagen für erneuerbare Energienutzung, wie z.B. thermische Sonnenkollektoren, Pelletsanlagen, Hackschnitzelanlagen, Wärmepumpen und Biomasseanlagen.

„Großes Potential bietet auch der junge Beruf der ElektropraktikerInnen. Auch hier müssen wir für flächendeckende Aus- und Weiterbildungsangebote sorgen und die jungen Menschen für dieses chancenreichen Weg gewinnen“, betont Schwarz.

Lehre aufwerten und damit junge Menschen für die Green-Economy gewinnen

Hochqualitative Ausbildung für spezifische Lehrberufe führt unmittelbar zum Erfordernis die Lehre grundsätzlich aufzuwerten und damit für die jungen Menschen noch attraktiver zu machen. Es geht um eine Aufwertung, an der die Politik ebenso mitwirken muss wie die Wirtschaft und damit die Ausbildungsbetriebe selbst. Die Politik hat für die bestmöglichen grundsätzlichen Rahmenbedingungen sorgen, in den Ausbildungsbetrieben lassen sich direkt umsetzen. So muss die betriebliche Ausbildung noch mehr im Mittelpunkt stehen und dies selbstredend auf höchstem Niveau und aktuellem Stand der Technik. Höhere Einkommen werten die Lehre ebenso auf wie eine stärkere betriebliche Mitbestimmung.

„Das sind konkrete und wichtige Benefits, um die Lehre aufzuwerten. Es geht aber auch um eine stärkere Bewusstseinsbildung. Wir müssen den jungen Leuten vermitteln, dass im Lehrberuf und vor allem jenen der Green Economy große Chancen liegen. Dass sie dort zukunftssichere Berufsperspektiven haben und vor allem, dass sie Teil eines geradezu historischen Wandels und eines neuen Energiezeitalters sein werden“, betont Schwarz.

Mehr Steuerung durch eine aktive Arbeitsmarktpolitik und zielgerichtete Förderungen

Zentraler Bedeutung hat natürlich die Achse von Politik und AMS. Die Arbeitsmarktpolitik muss sich mehr auf zukunftsorientierte Qualifikation konzentrieren und diese steuern. Auf Fachwissen, dass für die neuen erforderlichen Green-Jobs unverzichtbar ist. Dies bedeutet auch mehr Geld für die aktive Arbeitsmarktpolitik und für die Förder- und Ausbildungsmaßnahmen des AMS. Die Umschulung und Weiterbildung müssen für die Leute leistbar sein, Einkommensverluste durch ein Qualifizierungsgeld abgefedert werden. Auch Förderungen für Unternehmen sollen neu gedacht und an ökologische Kriterien gekoppelt werden. Für Betriebe die Green-Jobs schaffen, ausbilden und schulen, sollen die Förderungen auf jeden Fall steigen.

„Um mehr Fachkräfte für die Energiewende zu bekommen, müssen wir an etlichen Rädern drehen. Eine konsequente Steuerung durch die Arbeitsmarktpolitik ist dabei zentral. Im Wissen, dass diese Fachkräfte brauchen, dass dort ein Schwerpunkt des Arbeitsmarkts sein wird, muss dorthin auch die Geldmittel und zielgerichteten Förderungen fließen“, betont Schwarz.

Stefan Kaineder
Stefan Kaineder

Klimalandesrat und Landessprecher

lr.kaineder@ooe.gv.at
Ulrike Schwarz
Ulrike Schwarz

Landtagsabgeordnete

ulrike.schwarz@gruene.at
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