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09.04.2024 Allgemein

Die Neuen Gen Tech­ni­ken (NGTs) und ihre De­re­gu­lie­rung

Bauern und Bäuerinnen, Züchter:innen, Menschen in der Produktionskette, Endverbraucher:innen - es geht uns alle an:

Noch sind wir gut geschützt, noch sind alle gentechnisch veränderten Organismen (GMOs) Gegenstand von verpflichtender Risikoabschätzung, Zurückverfolgbarkeit und Kennzeichnung. Diese Regeln garantieren Wahlfreiheit für die Landwirte, Züchterinnen und Konsumenten, schützen unsere Gesundheit und Umwelt nach dem Vorsorgeprinzip.

Das stört die Geschäfte und das Machtstreben der großen Saatgut- und Chemiekonzerne wie Bayer/Monsanto, Corteva etc. Sie sagen, jetzt gibt es ja die neuen NGTs und für diese sollte das Gesetz nicht mehr gelten. Die EU–Kommission gibt diesem Lobbying nach. Ihr Vorschlag: für 94% (!) dieser Saatgutsorten (NGT1 ist angeblich vergleichbar mit herkömmlicher Züchtung) sollen keine Zulassungsverfahren mehr vorgeschrieben sein. Das heißt: keine Risikobewertung, keine Untersuchung zur Umweltauswirkung, keine Rückholbarkeit!

Nach den Behauptungen der Agrar–Chemieriesen wären diese NGTs exakt und vorhersehbar und notwendig für die Ernährung der Welt und die Reduzierung des Einsatzes von Spritzmitteln (über 20 Jahre GMO- Kulturen in Nord- und Südamerika erhöhten den Pestizideinsatz!).

Das Ziel der NGTs ist es, die Genfunktion an einer bestimmten Stelle der DNA eines Lebewesens zu zerstören, zu verändern oder zusätzliche Gene einzuführen. Der Sinn ist es, eine Eigenschaft zu ändern, z.B. das Braunwerden von geschnittenen Früchten oder Gemüse zu verhindern (so viel zur Welternährung!) oder eine neue Eigenschaft zu erzeugen (z.B. Toleranz gegenüber Spritzmitteln wie etwa Glyphosat).

Bei den NGTs wird eine sogenannte „Genschere“ wie CRISPR-CAS eingesetzt. Dabei wird ein Enzym in die Zelle eingebracht, das einen „Schnitt“ an einer vorgesehenen Stelle der Doppelhelix der DNA macht. Danach repariert die Zelle diesen Bruch selbständig. Klingt sicher, weil zielgerichtet – stimmt aber nicht, wenn man den gesamten Vorgang betrachtet: Selbst, wenn die „Genschere“ exakt eingesetzt wurde, können daraus ungewollte Störungen in der Funktion von zahlreichen Genen entstehen. Denn das Genom eines Organismus ist kein Ausschneidebogen, den man beliebig zerschneiden und wieder zusammenkleben kann, sondern lebendig! Die Gene eines Lebewesens arbeiten als organisches Netzwerk und nicht als isolierte Informationseinheiten. Das heißt, wenn man die Funktion eines Gens verändert, kann das riesige unvorhersehbare Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Organismus haben: z.B. kann eine Pflanze giftig oder Allergie erzeugend werden. 2019 wurde zufällig bei gentechnisch hornlos gemachten Rindern eine Resistenz gegen drei Antibiotika festgestellt.   

Laut EU–Kommission sollen Patente auf NGT-Pflanzen weiter möglich sein. Oft sind sie breit angelegt, decken also alle Pflanzen mit einer bestimmten Eigenschaft ab, ganz egal wie diese Eigenschaft zustande kam. Das könnte und würde schnell erhebliche rechtliche Schwierigkeiten für große und kleine Züchter:innen und uns alle in die Abhängigkeit von wenigen Großkonzernen bringen. Corteva und Bayer haben weltweit schon 1549 Patente auf NGTs eingebracht, eine internationale Suche nach Patentanmeldungen auf CRISPR-CAS Pflanzen brachte 20.000 Ergebnisse.

Noch haben wir die Chance, in den Trilog-Verhandlungen zwischen Kommission, Parlament und dem Rat der EU zu einem gesunden sicheren Ende zu kommen. Das EU-Gentechnikrecht muss für alle GMOs, auch NGTs gelten (bestätigt 2018 und 2023 auch vom Europäischen Gerichtshof).   

Diese Regulierung ist auch ganz im Sinne unserer konventionellen und ökologischen Landwirtschaft, einem österreichischen Markenzeichen, einem internationalen Exportschlager und einem wichtigen Wirtschaftsfaktor.

Am So, 9. Juni ist wieder EU–Wahl.

Brigitte Kahler
Brigitte Kahler

Ersatzgemeinderätin

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